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Dokumentenidentifikation DE60221003T2 06.03.2008
EP-Veröffentlichungsnummer 0001390323
Titel AUF AMMONIUMDINITRAMID BASIERENDE FLÜSSIGE EINKOMPONENTEN-TREIBMITTEL MIT VERBESSERTER VERBRENNUNGSSTABILITÄT UND LAGERFÄHIGKEIT
Anmelder ECAPS, Solna, SE
Erfinder ANFLO, Kjell, S-136 73 Haninge, SE;
WINGBORG, Niklas, S-118 04 Stockholm, SE
Vertreter Vossius & Partner, 81675 München
DE-Aktenzeichen 60221003
Vertragsstaaten AT, BE, CH, CY, DE, DK, ES, FI, FR, GB, GR, IE, IT, LI, LU, MC, NL, PT, SE, TR
Sprache des Dokument EN
EP-Anmeldetag 23.05.2002
EP-Aktenzeichen 027282995
WO-Anmeldetag 23.05.2002
PCT-Aktenzeichen PCT/SE02/00988
WO-Veröffentlichungsnummer 2002096832
WO-Veröffentlichungsdatum 05.12.2002
EP-Offenlegungsdatum 25.02.2004
EP date of grant 04.07.2007
Veröffentlichungstag im Patentblatt 06.03.2008
IPC-Hauptklasse C06B 25/34(2006.01)A, F, I, 20051017, B, H, EP
IPC-Nebenklasse C06B 31/00(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, EP   C06D 5/08(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, EP   C01B 21/082(2006.01)A, L, I, 20051017, B, H, EP   

Beschreibung[de]

Die vorliegende Erfindung betrifft auf Ammoniumdinitramid basierende flüssige Einkomponenten-Treibmittel, welche verbesserte Verbrennungseigenschaften für den Zweck der Erzeugung von heißen Gasen aufweisen. Diese Gase sind insbesondere für Raketenantrieb oder einen anderen Behälter- oder Fahrzeugantrieb oder Gaserzeugung geeignet. Genauer betrifft die vorliegende Erfindung solche Treibmittel, welche insbesondere für Weltraumverwendungen geeignet sind.

HINTERGRUND DER ERFINDUNG

Ammoniumdinitramid (ADN) ist ein festes Oxidationsmittel, welches hauptsächlich für Mehrkomponenten-Raketentreibmittel mit hoher Leistung beabsichtigt ist. ADN und andere ähnliche Verbindungen sind der Gegenstand von mehreren Patenten für eine Verwendung als feste Mehrkomponenten-Raketentreibmittel und als Sprengstoffe, beides für pyrotechnische Verwendungen im Allgemeinen und für andere Verwendungen, wie bei Mitteln zum Aufblasen von Airbags.

US-Patent 6,113,712 beschreibt Stabilisatoren von ADN. Die Stabilisatoren erhöhen die Wärmestabilität und die Lebensdauer oder Arbeitsfähigkeit des Ammoniumdinitramids und erhöhen die Verlässlichkeit der Formulierungen, in welche ADN eingebracht wurde, über ausgedehnte Zeiträume und/oder nach dem Einwirken von Temperaturveränderungen. Es wird behauptet, dass die Verwendung von Hexamethylentetramin (Hexamin) zur Stabilisierung von ADN unter bestimmten Bedingungen zu Instabilität und verminderten Leistungs- und/oder Sicherheitseigenschaften bei der Formulierung führt, entweder bei der Lagerung oder Verwendung. Die Beschreibung erwähnt keine Stabilisierung von flüssigen Lösungen von ADN.

Die veröffentlichte Internationale Patentanmeldung WO-0050363 offenbart einen neuen Typ von flüssigem Einkomponenten-Treibmittel, welches sowohl in Hinblick auf die Handhabung als auch in Hinblick auf die Umwelt wenig gefährlich ist und keinen Rauch entwickelt. Ein solches Treibmittel sollte die folgenden Eigenschaften aufweisen: niedrige Toxizität, niedrige Entflammbarkeit, höheren theoretischen spezifischen Impuls (verglichen mit Hydrazin), höhere Dichte (verglichen mit Hydrazin), einfach entzündlich mittels eines kontrollierten Entzündungsmechanismus, lagerfähig bei einer Temperatur zwischen –10 und +70°C, bevorzugt +10 und +50°C und niedrige Empfindlichkeit. Beispiele von Zusammensetzungen, welche Ammoniumdinitramid, Treibstoff und Wasser enthalten, sind gegeben und es wird gezeigt, dass sie einen hohen spezifischen Impuls aufweisen.

Gemäß der vorstehenden Veröffentlichung ist es auch möglich, Additive in das Treibmittel aufzunehmen. Als ein Beispiel gibt die Veröffentlichung allgemein an, dass, da ADN in sauerer Umgebung nicht stabil ist, kleine Mengen einer geeigneten Base zugegeben werden könnten, um das Dinitramid zu stabilisieren.

Für den Zweck des Manövrierens im All und der Positionskontrolle von Satelliten und anderen Weltraumfahrzeugen werden Raketenmotoren oft in kurzen Stößen oder Pulsen verwendet, deren Dauer typischerweise Sekundenbruchteile bis mehrere Minuten sein kann. Für solche Zwecke werden normalerweise kleine Raketen mit einem Schub von zum Beispiel 1 bis 50 N verwendet. Insbesondere bei solchen Verwendungen ist es wichtig, dass die Verbrennung in dem Motor stabil ist, d.h. dass sie zum Beispiel keine schwankenden Druckeigenschaften in der Reaktionskammer aufweist. Stabile Verbrennungsbedingungen sollten bevorzugt unmittelbar nach der Entzündung des Treibmittels etabliert werden oder die Verbrennungsbedingungen sollten sich wenigstens nur langsam in einer vorhersagbaren Weise verändern, so dass man leicht in der Lage ist, dies auszugleichen.

Demgemäß wäre es wünschenswert, für solche Zwecke ein geeignetes Treibmittel zur Verfügung zu haben, wobei das Treibmittel auch die vorstehend erwähnten gewünschten Eigenschaften des vorstehend erwähnten flüssigen Einkomponenten-Treibmittels aufweisen sollte.

Gemäß der vorliegenden Erfindung wird diese Aufgabe durch das Bereitstellen eines Treibmittels nach der Präambel von Patentanspruch 1, welches die Merkmale des charakterisierenden Teils von Patentanspruch 1 aufweist, gelöst.

ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG

Die Erfinder haben nun überraschenderweise gefunden, dass durch Zugeben einer speziellen Base zu einer flüssigen Einkomponenten-Treibmittelformulierung, welche eine Lösung von Ammoniumdinitramid, einen Treibstoff und Wasser umfasst, stabilisierte Verbrennungscharakteristika erhalten werden.

Eine verbesserte Lagerfähigkeit, d.h. Stabilität bei einer Lagerung unter erhöhten Temperaturen, wird auch mittels der Zugabe der Base gemäß der Erfindung zu dem Treibmittel erreicht.

Auch scheint es, dass die beobachtete Stabilisierung nicht direkt mit dem pH-Wert des so stabilisierten Treibmittels in Bezug steht.

Das Einkomponenten-Treibmittel und wichtig das verwendete ADN sollten eine höchstmögliche Reinheit aufweisen, da dies jedwedes Vergiften des Katalysators, welcher die Zersetzung des Treibmittels katalysiert, verringern würde. Eine hohe Reinheit wird so ferner die Stabilität der Verbrennung verbessern. Zum Beispiel sollten Verunreinigungen in der Form von nicht flüchtigen Resten, wie zum Beispiel Eisen, Kalium und Chlor, niedrig gehalten werden, wie nicht mehr als 50 ppm, bezogen auf das Gewicht, stärker bevorzugt nicht mehr als 1 ppm, bezogen auf das Gewicht.

Weitere Vorteile der Erfindung werden aus den angefügten Patentansprüchen und der folgenden detaillierten Beschreibung ersichtlich.

KURZE BESCHREIBUNG DER ANGEFÜGTEN ZEICHNUNGEN

1 zeigt den Wärmefluss als eine Funktion der Zeit, gemessen in einem Mikrokalorimeter für eine nicht stabilisierte Treibmittelzusammensetzung, LMP-101, und das Treibmittel, welches in diesem Fall mit Ammoniak stabilisiert wurde.

2 zeigt den Kammerdruck als eine Funktion der Zeit für eine nicht stabilisierte Treibmittelzusammensetzung, LMP-101, und das erfindungsgemäße Treibmittel, das modifizierte LMP-101.

DETAILLIERTE BESCHREIBUNG

Die Treibstoffe, welche in der vorliegenden Erfindung verwendet werden können, sind die gleichen wie jene, welche bereits in WO-0050363 erwähnt werden, und es muss möglich sein, sie mit dem Ammoniumdinitramid-Oxidationsmittel und dem optionalen Lösungsmittel, wie Wasser und/oder Wasserstoffperoxid, zu verbrennen, sowie ein flüssiges Einkomponenten-Treibmittel zu bilden. Solche Treibstoffe können aus ein-, zwei-, drei- und mehrwertigen Alkoholen, Aldehyden, Ketonen, Aminosäuren, Carbonsäuren, primären, sekundären und tertiären Aminen und Gemischen davon ausgewählt sein.

Um Ionenaustausch mit dem gelösten ADN zu verhindern, sollte die Base, welche als ein Verbrennungsstabilisierungsmittel gemäß der vorliegenden Erfindung verwendet wird, bevorzugt eine schwächere Base sein als Ammoniak oder eine Base, welche sterisch gehindert ist. Dies ist, um zu verhindern, dass das NH4 +-Kation aus dem Treibmittel in der Form von Ammoniak entweicht, wobei es das Dinitramidanion, welches andere Kationspezies zum Ausgleich aufweist, zurücklässt. Als eine Konsequenz können die Löslichkeitseigenschaften von jedweden Bestandteilen möglicherweise auch verändert sein und es könnte ein Risiko von jedweder nicht erwünschter Fällung vorhanden sein. Obwohl Ammoniak als ein Stabilisierungsmittel verwendet werden kann, wie in 1 gezeigt, ist folglich die Verwendung dieser Base nicht bevorzugt.

Mit Bezug auf die 1 kann die verbesserte Lagerfähigkeit einer erfindungsgemäßen Treibmittelzusammensetzung, d.h. modifiziertes LMP-101, welches aus 61% ADN, etwa 26% Wasser und etwa 13% Glycerol besteht, bezogen auf das Gewicht, zu welchem 0,2 Gew.-% wässriger Ammoniak gegeben wurden, verglichen mit der Lagerfähigkeit von normalem LMP-101 klar gesehen werden.

Beispiele von geeigneten Basen sind: Hydrazin, Hydroxylamin, Harnstoff, Ethylenimin, Allantoin, Pyridin, 2-, 3- und 4-Methylpyridin, 2- und 4-Pyridinamin, 2,5-Pyridindiamin, 2,3-, 2,4-, 2,5-, 2,6-, 3,4- und 3,5-Dimethylpyridin, 2-Ethylpyridin, 2,4,6-Trimethylpyridin, 4,6-Dimethylpyrimidinamin, Methoxypyridin, Imidazol, 2,4-Dimethylimidazol, Chinolin, Naphthylamin, N,N-Dimethylcyclohexylamin, N-Ethyldiisopropylamin und Hexamethylentetramin (Hexamin). Es ist bevorzugt, dass die verwendete Base nicht dazu neigen sollte, sich von dem Treibmittel, wie durch Verdampfen, abzutrennen.

Die hier bevorzugten Basen sind Hexamin und Harnstoff. Harnstoff neigt zu größerer Wirksamkeit als Hexamin. Man nimmt an, dass die Mechanismen, welche der Stabilisierung zugrunde liegen, nicht primär mit dem pH-Wert des stabilisierten Treibmittels in Zusammenhang stehen, da der pH-Wert bei einigen stabilisierten Treibmittelzusammensetzungen durch die zugegebene Base nicht verändert wird.

Die Menge an Base, welche zur Stabilisierung gemäß der Erfindung verwendet wird, wird u.a. davon abhängen, ob die Base auch die Funktion eines Treibstoffes übernimmt. Demgemäß kann eine Base, welche auch die Funktion eines Treibstoffes übernimmt, in größeren Mengen verwendet werden, ohne die Eigenschaften des Treibmittels stark zu verringern. Zum Beispiel kommt es bei einer zugegebenen Menge an Base, welche etwa 5% des Gesamtgewichts der anderen Komponenten entspricht, bezüglich der Funktion eines Treibstoffes der Base zu Bedenken, um nicht unerwünscht die Eigenschaften des Treibmittels zu erniedrigen.

Gemäß der vorliegenden Erfindung wird die Base im Allgemeinen in einer Menge von 0,1 bis 5 und stärker typisch 0,5–3%, bevorzugt 0,5–1%, bezogen auf das Gesamtgewicht der anderen Komponenten, verwendet.

Es wurde gefunden, dass eine Menge von 0,5% der Base normalerweise zur Stabilisierung des Einkomponenten-Treibmittels für eine Lagerung von mindestens 17 Tagen bei einer Temperatur von 65°C (der Test wurde nach 17 Tagen abgebrochen) ausreichend ist.

Spezielle Beispiele der Verbindungen, welche als der Treibstoff in der stabilisierten Treibmittelzusammensetzung verwendet werden können, sind mehrwertige Alkohole wie Ethylenglycol, Glycerol, Erythritol, Diethylenglycol, Triethylenglycol, Tetramethylenglycol, Ethylenglycolmonoethylether, Propylenglycol, Dipropylenglycol, Dimethoxytetraethylenglycol, Diethylenglycolmonomethylether, das Acetat von Ethylenglycolmonoethylether und das Acetat von Diethylenglycolmonoethylether; Ketone, wie zum Beispiel Aceton, Methylbutylketon und N-Methylpyrrolidon (NMP); einwertige Alkohole wie Methanol, Propanol, Butanol, Phenol und Benzylalkohol; Ether, wie Dimethyl- und Diethylether und Dioxan; auch die Nitrile wie Acetonitril; die Sulfoxide wie Dimethylsulfoxide; Formamide wie N,N-Dimethylformamid, N-Methylformamid; Sulfone wie Tetrahydrothiophen-1,1-dioxid; die Amine wie Ethylamin, Diethylamin, Ethanolamin, Hydroxylamin; substituierte Hydroxylamine wie Methyl- und Ethylhydroxylamin; und jedwede Gemische davon. Polare Treibstoffe sind wegen ihrer Fähigkeit zum Lösen des Dinitramidsalzes bevorzugt.

Der spezifische Impuls für ein gegebenes Treibmittel ist ein qualitatives Maß des Impulses, der durch eine Masseneinheit des spezifischen Treibmittels unter bestimmten Motorstandardbedingungen erzeugt wird. Der spezifische Impuls steht u.a. im Zusammenhang mit dem Druck und der Temperatur in dem Motor, den Verbrennungs- und thermodynamischen Eigenschaften der Verbrennungsprodukte, dem Umgebungsdruck und dem Entspannungsverhältnis. Demgemäß ist es bevorzugt, dass das erfindungsgemäße Treibmittel einen spezifischen Impuls aufweist, der so hoch wie möglich ist. In dieser Hinsicht ist es auch wichtig, dass die erfindungsgemäßen Treibmittelzusammensetzungen bevorzugt einen spezifischen Impuls aufweisen sollten, der so hoch wie möglich ist, da dadurch der spezifische Systemimpuls, d.h. der bereitgestellte Impuls pro Masseneinheit des Gesamtantriebssystems, auch maximal sein wird.

Bevorzugte Beispiele des Treibstoffes in dem stabilisierten Einkomponenten-Treibmittel sind Alkohole, Aminosäuren und Ketone, wobei ein geeignetes Beispiel für eine Aminosäure Glycin ist. Auch kann Ammoniak (wässrig) verwendet werden. Ein Beispiel für ein bevorzugtes Keton ist Aceton. Stärker bevorzugt sind Alkohole, welche in der vorliegenden Erfindung verwendet werden können, lineare oder verzweigte niedrige Alkohole, welche 1 bis 6 Kohlenstoffatome umfassen. Spezielle Beispiele der Letzteren sind jedwede der Isomere von Methanol, Ethanol, Ethandiol, Propanol, Isopropanol, Propandiol, Propantriol, Butanol, Butandiol, z.B. 1,4-Butandiol, Butantriol, Pentanol, Pentandiol, Pentantriol, Pentaerythritol, Hexanol, Hexandiol, Hexantriol, Trimethylolpropan.

Besonders bevorzugte Treibstoffe werden durch Methanol, Ethanol, Aceton, Glycin und Glycerol dargestellt, wobei Methanol und Glycerol stärker bevorzugt sind. Methanol ist der am stärksten bevorzugte Treibstoff in dem stabilisierten Treibmittel.

Genauer weist eine bevorzugte erfindungsgemäße Treibmittelzusammensetzung, welche Wasser und Treibstoff enthält, eine Zusammensetzung im Bereich von 15 bis 55 Gew.-% des Treibstoffes im Lösungsmittelgemisch (Lösungsmittelgemisch = Wasser + Treibstoff) auf und eine stärker bevorzugte Zusammensetzung weist 10 bis 50 Gew.-% Treibstoff im Lösungsmittelgemisch auf und noch stärker bevorzugt 25 bis 45 Gew.-% Treibstoff im Lösungsmittelgemisch, wozu ein Stabilisator in einer Menge von 0,1 bis 5 und stärker typisch von 0,5–3%, bevorzugt 0,5–1% und am stärksten bevorzugt 0,5%, bezogen auf das Gesamtgewicht der anderen Komponenten, gegeben wird.

Demgemäß sind die am stärksten bevorzugten Einkomponenten-Treibmittel stabilisierte Zusammensetzungen von ADN, Wasser und Glycerol, oder ADN, Wasser und Methanol.

Im Falle von Methanol ist eine Zusammensetzung, welche aus etwa 64,3% Ammoniumdinitramid, etwa 24,3% Wasser und etwa 11,4% Methanol (im Folgenden LMP-103 genannt) besteht, bezogen auf das Gewicht, wozu ein Stabilisator in der vorstehend erwähnten Menge gegeben wurde, besonders bevorzugt.

Im Falle von Glycerol ist eine Zusammensetzung von etwa 61,0% ADN, etwa 26,1% Wasser und etwa 12,9% Glycerol, bezogen auf das Gewicht, wobei zu der Zusammensetzung ein Stabilisator in der vorstehend erwähnten Menge gegeben wurde, besonders bevorzugt.

Die vorstehende Methanolzusammensetzung ist die am stärksten bevorzugte.

Wie für den Fachmann ersichtlich sein wird, wird die bevorzugte Zusammensetzung eines erfindungsgemäßen speziellen Treibmittels unter anderem von der gewählten Temperatur, bei welcher die Lösung gesättigt sein wird, abhängen. Die Temperatur sollte derart gewählt werden, dass das Treibmittel bei einer ausgewählten minimalen Temperatur ohne die Fällung von jedweder Komponente davon gelagert und verwendet werden kann.

Zusätzliches Wasser kann zugegeben werden, um die Löslichkeit von ADN in einem flüssigen Treibstoff zu erhöhen. Feste Treibstoffe können auch verwendet werden, solange sie sich in ADN/Wasser-Lösungen lösen.

Um die Flammtemperatur und/oder die Empfindlichkeit des speziellen Treibmittels zu erniedrigen, kann die Menge an Wasser erhöht werden. Jedoch wird eine Erhöhung der Menge an Wasser den spezifischen Impuls des Treibmittels erniedrigen. Um das Ausmaß der Erniedrigung des Impulses aufgrund der Zugabe von Wasser zu verringern, kann ein Teil des Wassers durch Wasserstoffperoxid, welches eine vergleichbare Polarität zu der von Wasser aufweist, ersetzt werden. Man nimmt an, dass das Wasserstoffperoxid als ein zusätzliches Oxidationsmittel wirkt und so ermöglicht, dass eine entsprechende zusätzliche Menge an Treibstoff zu dem Treibmittel gegeben wird. Wie der Fachmann verstehen wird, wird die verwendete Menge des Wasserstoffperoxids, falls vorhanden, durch die Stabilität während der Lagerung und der Handhabung des damit erhaltenen Treibmittels bestimmt.

Es wurde gefunden, wenn ein Motor mit einem Treibmittel betrieben wird, welches das Verbrennungsstabilisierungsmittel gemäß der Erfindung nicht enthält, dass der Reaktionskammerdruck des Motors schwankt, wie klar aus dem folgenden Vergleichsbeispiel gesehen wird. Dieses Verhalten ist sehr stark unerwünscht. Eine der primären negativen Wirkungen, welche durch Verbrennungsinstabilität verursacht werden, ist eine Oszillation des Motors und seiner Teile und möglicherweise auch des Fahrzeugs. Dies bedeutet, dass Energie von der Verbrennung an die Oszillation des Materials des Motor- und Fahrzeugsystems verloren geht, und es kann folglich zu einem enormen Umfang an Verschleiß bei den unterschiedlichen Teilen des Systems führen. Abhängig vom Frequenzbereich der Verbrennungsinstabilität können unterschiedliche Arten von Oszillation resultieren. Natürlich wird diese Oszillation sehr ausgeprägt sein, wenn Resonanz erreicht wird. So kann eine übermäßige Oszillation zum Beispiel erhalten werden, wenn sowohl die Fahrzeugstruktur als auch die Antriebstruktur etwa die gleiche natürliche Frequenz aufweisen. Die Mechanismen, welche den beobachteten Schwankungen beim Druck und dem Stabilisierungsphänomen zugrunde liegen, werden jedoch nicht vollständig verstanden. Auf dem Fachgebiet ist es allgemein anerkannt, dass die Verbrennungsinstabilität von flüssigen Treibmitteln mit dem Design des Motors und des Fahrzeugs, wie der elastischen Natur der Zuführsysteme und -strukturen des Fahrzeugs, der Treibmittelpumpenkavitation, in Verbindung steht (siehe z.B. das Kapitel über Combustion Instability in Sutton, G.P., Rocket propulsion elements, John Wiley and Sons, Inc., 1992, S. 268–275).

Wie aus den nachstehenden Beispielen der Erfindung ersichtlich sein wird, wird dieses Schwankungsverhalten wesentlich durch die Zugabe der Base gemäß der Erfindung verringert.

BEISPIELE

In den Beispielen wurden Treibmittelzusammensetzungen ohne und mit dem Verbrennungsstabilisierungsmittel gemäß der Erfindung in einem kleinen Motor (etwa 10 N) getestet.

VERGLEICHSBEISPIEL

Eine Treibmittelzusammensetzung, welche aus 61% ADN, 26% Wasser und 13% Glycerol bezogen auf das Gewicht besteht, die als LMP-101 bezeichnet wird, wurde in diesem Beispiel getestet. LMP-101 wurde in einem experimentellen Raketenmotor getestet. Mehrere Testzündungen von 0,5 Sekunden wurden durchgeführt, wobei eine davon in 2 gezeigt ist. Die Vorerwärmung des Reaktorbettes des Motors betrug etwa 400°C.

Wie in 2 gesehen werden kann, wurde eine wünschenswerte stabile Verbrennung nicht erhalten und ein Spike beim Kammerdruck resultierte.

BEISPIEL

Eine erfindungsgemäße Treibmittelzusammensetzung wurde getestet, welche 61% ADN, 26% Wasser und 13% Glycerol bezogen auf das Gewicht umfasste, wozu 1% Hexamin gegeben wurde, was als modifiziertes LMP-101 bezeichnet wird. Mehrere Testzündungen von 0,5 Sekunden wurden durchgeführt, wobei eine davon in 2 gezeigt ist. Die Vorerwärmung des Reaktorbettes des Motors betrug etwa 400°C.

Aus der Figur wird klar, dass der Kammerdruck verglichen mit den früheren Läufen ohne jedwedes Stabilisierungsmittel deutlich stabilisiert war. Folglich war die Verbrennungseffizienz erhöht. Die anderen Läufe resultierten in einem ähnlichen Verhalten.

Eine Kombination von Basen ist auch innerhalb der Lehre der vorliegenden Erfindung möglich.


Anspruch[de]
Flüssige Einkomponenten-Treibmittelformulierung, welche verbesserte Verbrennungsstabilität und Lagerfähigkeit aufweist, umfassend eine Lösung von Ammoniumdinitramid, einen Treibstoff und Wasser, dadurch gekennzeichnet, dass die Formulierung außerdem ein Stabilisierungsmittel, ausgewählt aus Ammoniak, einer schwächeren Base als Ammoniak oder einer Base, die sterisch gehindert ist, enthält, welches in einer Menge von 0,1 bis 5% des Gesamtgewichts der anderen Komponenten des Treibmittels zugegeben wird. Treibmittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Stabilisierungsmittel aus Hydrazin, Hydroxylamin, Harnstoff, Ethylenimin, Allantoin, Pyridin, 2-, 3- und 4-Methylpyridin, 2- und 4-Pyridinamin, 2,5-Pyridindiamin, 2,3-, 2,4-, 2,5-, 2,6-, 3,4- und 3,5-Dimethylpyridin, 2-Ethylpyridin, 2,4,6-Trimethylpyridin, 4,6-Dimethylpyrimidinamin, Methoxypyridin, Imidazol, 2,4-Dimethylimidazol, Chinolin, Naphthylamin, N,N-Dimethylcyclohexylamin, N-Ethyldiisopropylamin und Hexamethylentetramin (Hexamin) ausgewählt ist. Treibmittel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Stabilisierungsmittel Hexamin oder Harnstoff ist. Treibmittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Treibstoff aus ein-, zwei-, drei- und mehrwertigen Alkoholen, Aldehyden, Ketonen, Carbonsäuren, Ethern, Nitrilen, Sulfoxiden, Formamiden, Sulfonen, primären, sekundären und tertiären Aminen, Aminosäuren, gesättigten flüssigen Kohlenwasserstoffen und jeglichen Gemischen davon ausgewählt ist. Treibmittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Treibstoff aus Methanol, Glycin und Glycol ausgewählt ist. Treibmittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass 0,5–5%, vorzugsweise 0,5–3%, und noch mehr bevorzugt 0,5–1%, und am meisten bevorzugt 0,5% des Stabilisierungsmittels, bezogen auf das Gesamtgewicht der anderen Komponenten, zugegeben werden. Verwendung einer Base zur Stabilisierung der Verbrennungseigenschaften einer flüssigen Einkomponenten-Treibmittelzusammensetzung, welche eine Lösung von Ammoniumdinitramid, einen Treibstoff und Wasser umfasst.






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