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Dokumentenidentifikation DE102007027801A1 18.12.2008
Titel Reaktive Polyurethan-Hotmelts
Anmelder Bayer MaterialScience AG, 51373 Leverkusen, DE
Erfinder Wintermantel, Matthias, Dr., 51465 Bergisch Gladbach, DE;
Reichert, Peter, Dr., 41541 Dormagen, DE;
Mayer, Eduard, Dr., 41539 Dormagen, DE;
Leimenstoll, Marc Christian, Dr., 40721 Hilden, DE
DE-Anmeldedatum 16.06.2007
DE-Aktenzeichen 102007027801
Offenlegungstag 18.12.2008
Veröffentlichungstag im Patentblatt 18.12.2008
IPC-Hauptklasse C09J 175/04  (2006.01)  A,  F,  I,  20070616,  B,  H,  DE
IPC-Nebenklasse
Zusammenfassung Die Erfindung betrifft Polyurethane enthaltende Schmelzklebstoffe mit verbesserten Eigenschaften sowie Zubereitungen, welche die Schmelzklebstoffe enthalten, Verfahren zur Herstellung der Schmelzklebstoffe bzw. der Zubereitungen, die diese enthalten, sowie deren Verwendung.

Beschreibung[de]

Die Erfindung betrifft Polyurethane enthaltende Schmelzklebstoffe mit verbesserten Eigenschaften sowie Zubereitungen, welche diese Schmelzklebstoffe enthalten, Verfahren zur Herstellung der Schmelzklebstoffe bzw. der Zubereitungen sowie deren Verwendung.

Insbesondere betrifft die vorliegende Erfindung Polyurethan enthaltende Schmelzklebstoffe (im Folgenden auch als Schmelzklebstoffsysteme oder PUR-Hotmelts bezeichnet), welche anorganische und/oder organische Nukleierungsmittel umfassen. Weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind Zubereitungen, welche die Schmelzklebstoffe enthalten, Verfahren zur Herstellung der Schmelzklebstoffe bzw. Zubereitungen und deren Verwendung.

Reaktive Polyurethan-Hotmelts sind eine stark wachsende Produktgruppe innerhalb der Anwendungen von Polyurethanen auf dem Klebstoffgebiet. Für ihren Aufbau werden vorzugsweise lineare Polyester- und/oder Polyetherpolyole in Kombination mit einem Überschuss an Polyisocyanaten, vorzugsweise Diisocyanaten, verwendet.

Die Vorteile dieser Produktklasse liegt vor allem in der Abwesenheit von Lösungsmittel, der Möglichkeit die Produkte in der Wärme mit relativ niedrigen Viskositäten zu applizieren, trotzdem hohe Anfangsfestigkeiten zu erhalten und nach relativ kurzer Zeit wegen der weiteren Reaktion mit Feuchtigkeit Klebverbindungen mit sehr hohem, weit über den Applikationstemperaturen liegendem Wärmestand und exzellenten Lösemittelbeständigkeiten zu erhalten.

Wesentlich für das gute Eigenschaftsprofil der reaktiven Polyurethan-Hotmelts ist ihre Fähigkeit, beim Abkühlen sehr schnell Kohäsionsfestigkeiten (Anfangsfestigkeiten) aufzubauen, die ein Handhaben der gefügten Teile unmittelbar nach dem Fügen erlaubt. Für viele Anwendungen ist dabei ein besonders rascher Festigkeitsaufbau notwendig, um beispielsweise bei kurzen Taktzeiten eine zügige Weiterverarbeitung zu ermöglichen oder Rückstellkräfe der Substrate aufnehmen zu können, ohne dass Ablöseerscheinungen auftreten.

Für den Aufbau der Anfangsfestigkeiten sind – wie bei allen Hotmelts – nur physikalische Phänomene verantwortlich, da im Sekunden- bzw. Minutenbereich noch keine wesentlichen chemischen Vorgänge ablaufen. Bei diesen physikalischen Vorgängen handelt es sich zum Einen um den starken, kontinuierlich verlaufenden Viskositätsanstieg der sich durch Temperaturerniedrigung ergibt, zum Anderen – bei Verwendung kristalliner Komponenten – um einen Rekristallisationseffekt, der zu einem Sprung in der Zunahme der Festigkeit führt.

Die eigentliche Aushärtung der reaktiven PUR-Hotmelts, d. h. Vernetzungsreaktion der Komponenten miteinander, erfolgt innerhalb von Stunden bis Tagen durch Reaktion der Isocyanatgruppen mit Wasser aus der Umgebung oder den miteinander verklebten Substraten zu Polyharnstoff. Die PUR-Hotmelts sind danach nur noch bedingt schmelzbar oder in Lösemitteln löslich. Aufgrund dessen haben die ausgehärteten Klebstoffe eine gute Wärmefestigkeit und Beständigkeit gegen Chemikalien wie Weichmacher, Lösemittel, Öle oder Kraftstoffe.

Um rasch Anfangsfestigkeit aufzubauen, wird bei reaktiven PUR-Hotmelts auf Polyole zurückgegriffen, deren Konzentration im Hotmelt genügend hoch ist und deren Übergang erster bzw. zweiter Ordnung (Tm bzw. Tg) bei relativ hohen Temperaturen liegt. Dabei ist darauf zu achten, dass der Übergang erster bzw. zweiter Ordnung auch in einem formulierten Hotmelt erfolgt und nicht durch z. B. Mischbarkeit des kristallisierenden Polyols im Gesamtsystem unterdrückt wird.

Hotmelts auf Basis teilkristalliner Polyester wie z. B. in DE 38 27 224 A1 beschrieben zeichnen sich durch eine sehr kurze offenen Zeit und einen damit verbundenen schnellen Aufbau von Anfangsfestigkeit aus. Dies wird beispielsweise durch den Einsatz von Estern auf Basis von Dodekandisäure erzielt, die dadurch bekannt sind, dass Sie eine sehr schnelle Rekristallisationskinetik und einen hohen Schmelzpunkt haben.

Es ist bekannt (z. B. WO2005/066256), dass Übergangstemperaturen sowie Rekristallisationsenthalpien von hochmolekularen, teilkristallinen, thermoplastischen Polymeren, wie z. B. Polyolefinen oder Polyester durch Zusatz von Nukleierungsmitteln erhöht werden kann. Dadurch lasst sich z. B. die Entformbarkeit und damit die Zykluszeiten beim Spritzgießen verbessern.

Der Effekt von Nukleierungsmittel auf die Anfangsfestigkeit von hochmolekularen lösemittelhaltigen thermoplastischen Polyurethanelastomeren wurde in der Veröffentlichung „Initial Bond Strength of Polyurethane Contact Adhesives" (Adv. Urethane Sci. Tec., 1992, 11, 192–216) beschrieben. Hier wurden ausschließlich lösemittelbasierende Polyurethan-Systeme untersucht, welche einen Feststoffanteil von 22% oder 28% aufweisen. Die in dieser Veröffentlichung für diese lösemittelbasierenden Systeme beschriebenen Ergebnisse geben jedoch keinen Aufschluss, wie sich Nukleierungsmittel in Schmelzklebstoffsystemen verhalten, die im Wesentlichen lösemittelfrei sind.

Zusammenfassend ist somit nicht bekannt, wie die Auswirkung von Nukleierungsmitteln auf das Rekristallisationsverhalten von Schmelzklebstoffsystemen auf der Basis von niedermolekularen NCO-terminierten Prepolymeren, enthaltend kristalline bzw. teilkristalline und/oder amorphe Polyolkomponenten, ist.

PUR-Hotmelts werden beispielsweise zum Verkleben von Holzmaterialien verwendet. Dabei weisen die für die Verklebung von Holzelementen verwendeten Schmelzklebstoffsysteme den Nachteil auf, dass sie nicht zu einer Verstärkung des Zusammenhalts des Holzes führen, wenn sie auf die entsprechenden Holzelemente aufgetragen und gehärtet sind. Bei der Untersuchung von verklebten Holzelementen hat sich nämlich herausgestellt, dass nach vollständiger Aushärtung des Hotmelts die Endfestigkeit im Allgemeinen durch die Stabilität des Holzes bestimmt wird, während die Haftung durch das Schmelzklebstoffsystem unkritisch ist. Anders ausgedrückt, bevor die Kohäsion durch das Schmelzklebstoffsystem aufgebrochen wird, kommt es zu Holzausrissen. Hier wären somit Klebstoffsysteme bevorzugt, welche nach dem Aushärten so mit den verwendeten Holzmaterialien Wechselwirken, dass auch das Holzmaterial an sich, beispielsweise durch ein Penetrieren in das Holz durch das Klebstoffsystem, eine Verfestigung erfährt, die beispielsweise einem Holzausriss entgegen wirkt.

Dem gemäß sind nicht nur Klebstoffsysteme gefragt, welche einen schnelleren Anfangsfestigkeitsaufbau ermöglichen, sondern auch Klebstoffsysteme, welche im ausgehärteten Zustand gleichzeitig die Festigkeit der verwendeten Holzelemente erhöhen.

Die Aufgabe der Erfindung besteht somit vorzugsweise darin, Formulierungen von reaktiven Polyurethan-Hotmelts so zu modifizieren, dass ein schnellerer Anfangsfestigkeitsaufbau erfolgt. Dies soll dadurch erreicht werden, dass die Formulierung eine höhere Rekristallisationstemperatur der kristallinen und/oder teilkristallinen Polyolkomponente im reaktiven Polyurethan Hotmelt hat. Darüber hinaus sollen die Formulierungen, wenn sie zur Verklebung von Holzmaterialien verwendet werden, vorzugsweise eine Erhöhung der Holzmaterialfestigkeit bewirken, so dass beispielsweise ein Holzausriss vermieden werden kann.

Es wurde nun überraschend gefunden, dass Schmelzklebstoffsysteme auf Basis von kristallinen oder teilkristallinen Polyesterpolyolen oder Mischungen dieser mit kristallinen, teilkristallinen, amorphen, flüssigen Polyolen oder anderer Komponenten durch Nukleierungsmittel auf anorganischer bzw. organischer Basis sich im Vergleich zu Formulierungen ohne Nukleierungsmittel durch einen besonders raschen Aufbau der Anfangsfestigkeit und eine erhöhte Endfestigkeit verklebter Holzelemente auszeichnen.

Dies ist insbesondere überraschend, da sich die Rekristallisationstemperaturen sowie die Rekristallisationsenthalpie der reinen Polyester mit und ohne Zugabe von Nukleierungsmittel kaum unterscheiden, was die in Tabelle 2 der vorliegenden Erfindung dargestellten DSC-Untersuchungen zeigen.

Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind somit Polyurethan enthaltende Schmelzklebstoffe, welche mindestens ein Nukleierungsmittel umfassen.

Die erfindungsgemäßen Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoffe unterscheiden sich von den thermoplastischen Polyurethanelastomeren gemäß der Veröffentlichung „Initial Bond Strength of Polyurethane Contact Adhesives" (Adv. Urethane Sci. Tec., 1992, 11, 192–216) dahingehend, dass die erfindungsgemäßen Schmelzklebstoffsysteme nicht lösemittelbasierend sind, wie es im Stand der Technik beschrieben ist. Die in dem Stand der Technik beschriebenen Systeme weisen einen Feststoffanteil von 22% oder 28% auf.

Eine Übertragbarkeit der Ergebnisse aus dem Stand der Technik, welcher lösemittelbasierende Systeme betrifft, auf die erfindungsgemäßen Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoffe, ist nicht zu erwarten, da sich die Systeme völlig voneinander unterscheiden. Wenn Nukleierungsmittel in lösemittelbasierenden Systemen verwendet werden, so weisen diese aufgrund der deutlich niedrigeren Viskosität eine hohe Beweglichkeit auf. Die entsprechenden Klebstoffmoleküle können sich somit recht leicht an die Nukleierungsmittel anlagern und kristallisieren dann leichter aus. Aufgrund der sehr stark eingeschränkten Beweglichkeit der Nukleierungsmittel in Systemen basierend auf Schmelzklebstoffen ist für den Fachmann nicht davon auszugehen, dass die Ergebnisse, welche im Stand der Technik für lösemittelbasierende Systeme beschrieben sind, auch auf Schmelzklebstoffsysteme übertragbar sind.

Lösemittel, welche in den erfindungsgemäßen Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoffen enthalten sein können, können nur aus der Herstellung der entsprechenden Bestandteile, d. h. der Polyester sowie der Isocyanate stammen. Damit ist allenfalls die Gegenwart von Glykolen und Säuren, welche bei der Polyesterherstellung verwendet werden, und von Aminen, welche bei der Isocyanatherstellung verwendet werden, denkbar. Diese niedermolekularen Reste machen jedoch einen im Wesentlichen vernachlässigbaren Anteil des erfindungsgemäßen Schmelzklebstoffsystems aus.

Im Rahmen der vorliegenden Erfindung wird in einer bevorzugten Ausführungsform unter einem Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoff ein System verstanden, welches einen Lösemittelanteil von weniger als 10 Gew.-%, besonders bevorzugt weniger als 8 Gew.-%, insbesondere weniger als 6 Gew.-%, speziell weniger als 4 Gew.-%, ganz speziell weniger als 2 Gew.-%, noch spezieller weniger als 1 Gew.-%, noch spezieller weniger als 0,5 Gew.-%, jeweils bezogen auf das Schmelzklebstoffsystem, umfasst.

Das in den erfindungsgemäßen Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoffen verwendete Nukleierungsmittel kann dabei ein organisches und/oder anorganisches Nukleierungsmittel sein.

In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung sind die Polyurethan enthaltende Schmelzklebstoffe erhältlich durch Umsetzung von

  • (A) mindestens einem aromatischen, aliphatischen, araliphatischen und/oder cycloaliphatischen Diisocyanat, bevorzugt mit einem Gehalt an freien NCO-Gruppen von 5 bis 60 Gew.-%, besonders bevorzugt von 20 bis 55 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt von 30 bis 50 Gew.-% (bezogen auf A)

    und
  • (B) einem Polyol bzw. Polyolgemisch enthaltend mindestens ein kristallisierendes Polyol,

    wobei das Verhältnis von A zu B so gewählt wird, dass das molare Verhältnis von NCO zu OH > 1, bevorzugt von 1,2 bis 4,0, besonders bevorzugt von 1,3 bis 3,0 beträgt und
  • C) mindestens einem organischen und/oder anorganischem Nukleierungsmittel, mit Anteilen von 0,001 bis 10, bevorzugt von 0,01 bis 1,0 und besonders bevorzugt von 0,05 bis 0,5 Gew.-% (bezogen auf A + B) beträgt.

Gegenstand der Erfindung sind auch Zubereitungen, welche die erfindungsgemäßen Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoffe enthalten, und die Verwendung der erfindungsgemäßen Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoffe oder Zubereitungen beispielsweise als Dichtstoff Schaumstoff, sowie als Klebstoff Schmelzklebstoff. Weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung der erfindungsgemäßen Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoffe und/oder Zubereitungen.

Isocyanatkomponente A):

Als Isocyanatkomponente A) geeignete Isocyanate sind beispielsweise solche mit Isocyanatgehalten von 5 bis 60 Gew.-% (bezogen auf das Isocyanat) mit aliphatisch, cycloaliphatisch, araliphatisch und/oder aromatisch gebundenen Isocyanatgruppen, wie z. B. 1,4-Diisocyanatobutan, 1,6-Diisocyanatohexan (HDI), 2-Methyl-1,5-diisocyanatopentan, 1,5-Diisocyanato-2,2-dimethylpentan, 2,2,4- bzw. 2,4,4-Trimethyl-1,6-diisocyanatohexan, 1,10-Diisocyanatodecan, 1,3- und 1,4-Diisocyanatocyclohexan, 1,3- und 1,4-Bis-(isocyanatomethyl)-cyclohexan, 1-Isocyanato-3,3,5-trimethyl-5-isocyanatomethylcyclohexan (Isophorondiisocyanat, IPDI), 4,4'-Diisocyanatodicyclohexylmethan, 1-Isocyanato-1-methyl-4(3)isocyanatomethylcyclohexan, Bis-(isocyanatomethyl)-norbornan, 1,3- und 1,4-Bis-(2-isocyanato-prop-2-yl)-benzol (TMXDI), 2,4- und/oder 2,6-Diisocyanatotoluol (TDI), 2,2'-, 2,4'- und/oder 4,4'-Diisocyanatodiphenylmethan (MDI), 1,5-Diisocyanatonaphthalin, 1,3- und 1,4-Bis-(isocyanatomethyl)-benzol oder Mischungen dieser. Selbstverständlich können auch Polyisocyanate verwendet werden.

Als Diiscocyanatkomponente A) bevorzugte Diisocyanate sind 1,6-Diisocyanatohexan (HDI), 1-Isocyanato-3,3,5-trimethyl-5-isocyanatomethylcyclohexan (Isophorondiisocyanat, IPDI), 4,4'-Diisocyanatodicyclohexylmethan, 2,4- und/oder 2,6-Diisocyanatotoluol (TDI), 2,2'-, 2,4'- und/oder 4,4'-Diisocyanatodiphenylmethan (MDI).

Als Diiscocyanatkomponente A) besonders bevorzugte Diisocyanate sind 2,4'- und/oder 4,4'-Diisocyanatodiphenylmethan (MDI).

Polyolkomponente B):

Unter einem Polyol wird im Rahmen der vorliegenden Erfindung ein Polyol mit mehr als einer OH-Gruppe, bevorzugt zwei endständigen OH-Gruppen verstanden. Solche Polyole sind dem Fachmann bekannt. Bevorzugt werden Polyesterpolyole. Sie können auf bekanntem Wege hergestellt werden, beispielsweise aus aliphatischen Hydroxycarbonsäuren oder aus aliphatischen und/oder aromatischen Dicarbonsäuren und einem oder mehreren Diolen. Es können auch entsprechende Derivate eingesetzt werden, wie z. B. Lactone, Ester von niederen Alkoholen oder Anhydride. Beispiele für geeignete Ausgangsprodukte sind Bernsteinsäure, Adipinsäure, Korksäure, Azelainsäure, Sebazinsäure, Dodecandisäure, Glutarsäure, Glutarsäureanhydrid, Phthalsäure, Isophthalsäure, Terephthalsäure, Phthalsäureanhydrid, Ethylenglykol, Diethylenglykol, 1,4-Butandiol, 1,6-Hexandiol, Neopentylglykol, &egr;-Caprolacton.

Polyesterpolyole sind bei Raumtemperatur entweder flüssig (Glasübergangstemperatur Tg < 20°C) oder fest. Bei Raumtemperatur feste Polyesterpolyole sind dabei entweder amorph (Glasübergangstemperatur Tg > 20°C) oder kristallisierend.

Geeignete kristallisierende Polyester sind beispielsweise solche auf Basis linearer aliphatischer Dicarbonsäuren mit mindestens 2 Kohlenstoffatomen, bevorzugt mindestens 6 Kohlenstoffatomen, besonders bevorzugt 6 bis 14 Kohlenstoffatomen im Molekül wie z. B. Adipinsäure, Azelainsäure, Sebacinsäure und Dodecandisäure, vorzugsweise Adipinsäure und Dodecandisäure und linearen Diolen mit mindestens 2 Kohlenstoffatomen, bevorzugt mindestens 4 Kohlenstoffatomen, besonders bevorzugt 4–6 Kohlenstoffatomen im Molekül, vorzugsweise mit einer geraden Anzahl von Kohlenstoffatomen wie beispielsweise 1,4-Butandiol und 1,6-Hexandiol. Ebenso sind die Polycaprolactonderivate basierend auf bifunktionellen Startmolekülen wie beispielsweise 1,6-Hexandiol als besonders geeignet zu nennen.

Geeignete amorphe Polyesterpolyole sind beispielsweise solche auf Basis von Adipinsäure, Isophthalsäure, Terephthalsäure, Ethylenglykol, Neopentylglykol und 3-Hydroxy-2,2-dimethylpropyl-3-hydroxy-2,2-dimethylpropanoat.

Geeignete bei Raumtemperatur flüssige Polyesterpolyole sind beispielsweise solche auf Basis von Adipinsäure, Ethylenglykol, 1,6-Hexandiol und Neopentylglykol.

Als Polyetherpolyol geeignet sind die in der Polyurethan-Chemie üblichen Polyether, wie beispielsweise die unter Verwendung von zwei- bis sechswertigen Startermolekülen wie beispielsweise Wasser, Ethylenglykol, 1,2- oder 1,3-Propylenglykol, Neopentylglykol, Glycerin, Trimethylolpropan, Pentaerythrit, Sorbit oder 1- bis 4-NH-Bindungen aufweisenden Aminen hergestellten Addition- oder Mischadditionsverbindungen des Tetrahydrofurans, Styroloxids, Ethylenoxids, Propylenoxids, der Butylenoxide oder des Epichlorhydrins, vorzugsweise des Ethylenoxids und/oder des Propylenoxids. Vorzugsweise sind die bifunktionellen Propylenoxid- und/oder Ethylenoxid-Addukte sowie Polytetrahydrofuran zu nennen. Solche Polyetherpolyole und ihre Herstellung sind dem Fachmann bekannt.

Nukleierungsmittel C):

Unter Nukleierungsmittel C) werden im Rahmen der vorliegenden Erfindung alle Additive verstanden, die die Bildung einer kristallinen Phase aus der Schmelze oder Lösung und/oder das Kristallwachstum an bestehende Kristallflächen auslösen bzw. begünstigen.

Geeignete Nukleierungsmittel C) werden beispielsweise ausgewählt aus der Gruppe, bestehend aus anorganischen Salzen und Oxiden wie Talk, Calcit oder Attapulgit; kolloidalem Silber oder Gold; Hydrazonen, Natrium- oder Aluminiumbenzoaten; Aluminium-, Natrium- und Calcium-Salzen von aromatischen oder aliphatischen bzw. cycloaliphatischen Säuren wie beispielsweise Calciumterephtalat; Derivaten von Phosphorsäuren oder Organophosphate; Pigmenten; Sorbitolen; Kieferharzen; oder polymeren Nukleierungsmitteln wie beispielsweise Polycyclopenten oder Polyvinylcyclohexan und Mischungen aus diesen.

Beispiele geeigneter Nukleierungsmittel C) sind Natriumchlorid, Kaliumchlorid, Kaliumbromid, Titandioxid (beispielsweise im Rutiltyp), Magnesiumoxid, Zinkoxid, Kohlenstoff (schwarz), Dibenzathron, Kupferphthalocyanin, Indigo, Bis(p-methylbenzyliden)sorbitol, Natriumbenzoat oder Natrium-2,2'-methyl-bis-(4,6-di-tert.-butylphenyl)phosphat.

Weitere geeignete Nukleierungsmittel sind in der WO 2005/066256 A1 beschrieben, dessen diesbezügliche Offenbarung durch Bezugnahme in die vorliegende Erfindung eingeschlossen ist.

Besonders bevorzugte Nukleierungsmittel C) sind Bis(p-methylbenzyliden)sorbitol, Natriumbenzoat und Natrium-2,2'-methyl-bis-(4,6-di-tert.-butylphenyl)phosphat.

Solche Nukleierungsmittel und ihre Herstellung sind dem Fachmann bekannt.

Die Herstellung der erfindungsgemäßen Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoffe erfolgt beispielsweise derart, dass die Polyole mit einem Überschuß der Polyisocyanate vermischt werden und die homogene Mischung abgefüllt wird oder bis zum Erhalt eines konstanten NCO-Wertes, der meist nach zwei Stunden erreicht wird, gerührt wird und dann abgefüllt wird. Als Reaktionstemperatur werden 60 bis 150°C, vorzugsweise 80 bis 130°C, gewählt. Selbstverständlich kann die Herstellung der reaktiven Hotmelts auch kontinuierlich in einer Rührkesselkaskade oder geeigneten Mischaggregaten, wie beispielsweise schnelldrehenden Mischern nach dem Rotor-Stator-Prinzip oder einem Statikmischer, erfolgen.

Es ist selbstverständlich möglich, die Polyester- und/oder Polyetherpolyole oder einen Teil derselben mit einem Unterschuss an Diisocyanaten, vorzugsweise 1,6-Diisocyanatohexan (HDI), 2,4- und/oder 2,6-Diisocyanatotoluol (TDI) und/oder 2,4'- und/oder 4,4'-Diisocyanatodiphenylmethan (MDI), zu modifizieren und nach beendeter Reaktion die urethangruppenhaltigen Polyole mit einem Überschuß von Diisocyanaten zu einem Isocyanatgruppen enthaltendem Hotmelt umzusetzen.

Ebenso ist es möglich, die Umsetzung der Polyole mit den Diisocyanaten in Gegenwart von bis zu 5 Gew.-% von beispielsweise Trimerisaten aliphatischer Diisocyanate, wie z. B. HDI, durchzuführen oder solche Trimerisate nach beendeter Prepolymerisation zuzusetzen.

Zubereitungen

Die Zubereitungen können neben den erfindungsgemäßen Schmelzklebstoffsystemen noch mit üblichen Additiven versehen sein. Entsprechende Additive können beispielsweise ausgewählt werden aus der Gruppe, bestehend aus die Reaktion mit Feuchtigkeit aktivierenden Katalysatoren, weiteren anorganischen oder organischen Füllstoffen, Farbstoffen, Harzen, reaktiven und nichtreaktiven Polymeren und Streckölen.

Verwendung

Die erfindungsgemäßen Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoffe können vielfältig eingesetzt werden, beispielsweise als Dichtstoff, Beschichtung, Schaumstoff, als Klebstoff insbesondere als Schmelzklebstoff, als Montageklebstoff zur vorläufigen Fixierung von Bauteilen, als Buchbindeklebstoff, als Klebstoff für die Herstellung von Kreuzbodenventilsäcken, zur Herstellung von Verbundfolien und Laminaten oder als Kantenumleimer.

Beispiele:

Sofern nicht abweichend vermerkt beziehen sich alle Prozentangaben auf Gewichtsprozent.

In den Beispielen und Vergleichsbeispielen wurden die folgenden Polyole verwendet:

Polyester A:

Polyesterpolyol auf Basis von Adipinsäure und 1,6-Hexandiol mit einer Hydroxylzahl von etwa 30 mg KOH/g und einer Säurezahl von etwa 0,5 mg KOH/g. Die Herstellung erfolgt in einer dem Fachmann bekannten Art und Weise und ist z. B. beschrieben in Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie, "Polyester", 4. Auflage, Verlag Chemie, Weinheim, 1980 .

Polyester B:

Polyesterpolyol auf Basis von 1,12-Dodecandisäure und 1,6-Hexandiol mit einer Hydroxylzahl von etwa 30 mg KOH/g und einer Säurezahl von etwa 1,0 mg KOH/g. Die Herstellung erfolgt in einer dem Fachmann bekannten Art und Weise und ist z. B. beschrieben in Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie, "Polyester", 4. Auflage, Verlag Chemie, Weinheim, 1980 .

Polyester C:

Polyesterpolyol auf Basis von Fumarsäure und 1,6-Hexandiol mit einer Hydroxylzahl von etwa 55 mg KOH/g und einer Säurezahl von etwa 1,2 mg KOH/g. Die Herstellung erfolgt in einer dem Fachmann bekannten Art und Weise und ist beschrieben in DE 102 38 005 A1.

Polyester D:

Polyesterpolyol mit bestehen aus den Hauptkomponenten:

Ethylenglycol, Neopentylglycol, Isophthalsäure, Adipinsäure, Terephthalsäure. (Desmophen® XP 2462, Bayer MaterialScience AG, Leverkusen, DE) und einer Hydroxylzahl von etwa 35,0 mg KOH/g und einer Säurezahl von etwa 2,0 mg KOH/g. Die Herstellung erfolgt in einer dem Fachmann bekannten Art und Weise und ist z. B. beschrieben in Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie, "Polyester", 4. Auflage, Verlag Chemie, Weinheim, 1980 .

Isocyanat I:

Desmodur® 44M (4,4'-Diphenylmethandiisocyanat) Bayer MaterialScience AG, Leverkusen, DE. Nukleierungsmittel N: N1: Natrium-2,2'-methyl-bis-(4,6-di-tert.-butylphenyl)phosphat; Irgastab NA11®, Ciba Spezialitätenchemie Lampertheim GmbH, Lampertheim. N2: Bis(p-methylbenzyliden)sorbitol; Irgaclear DM®, Ciba Spezialitätenchemie Lampertheim GmbH, Lampertheim. N3: Talk; Luzenac A3®, Luzenac Europe, Toulouse, Frankreich.

Herstellung der reaktiven Polyurethan-Hotmelts Beispiele und Vergleichsbeispiele):

In einem 2 L-Planschliffbecher werden die in Tabelle 1 angegebenen Anteile an Polyol vorgelegt, bei 130°C aufgeschmolzen und dann 1 h bei 130°C und 15 mbar (+/– 10 mbar) Unterdruck entwässert. Anschließend gibt man die entsprechende Stoffmenge an Isocyanat I und Nukleierungsmittel N hinzu. Nach einer Einrührzeit von 20 min werden die Produkte in Alukartuschen abgefüllt und diese Luftdicht verschlossen. Die Kartuschen werden dann 4 h bei 100°C im Umlufttrockenschrank getempert. Tabelle 1: Zusammensetzung der Beispiele und Vergleichsbeispiele Bezeichung Polyester Polyester Anteil [Gew.-%] 4,4'-MDI Anteil [Gew.-%] Nukleierungsmittel (0,25 Gew.-%) Vergleichsbeispiel 1 A 87,21 12,79 - Vergleichsbeispiel 2 B 87,48 12,52 - Vergleichsbeispiel 3 C 81,08 18,92 - Vergleichsbeispiel 4 A 42,88 14,23 - D 42,88 Vergleichsbeispiel 5 C 41,30 17,40 - D 41,30 Vergleichsbeispiel 6 A 20,92 16,33 - C 20,92 D 41,83 Beispiel 1 A 87,00 12,75 N1 Beispiel 2 B 87,27 12,48 N1 Beispiel 3 C 80,86 18,89 N1 Beispiel 4 A 42,77 14,21 N1 D 42,77 Beispiel 5 C 41,19 17,38 N1 D 41,19 Beispiel 6 A 20,86 16,31 N1 C 20,86 D 41,72 Beispiel 7 A 20,82 16,47 N2 C 20,82 D 41,64 Beispiel 8 A 20,82 16,47 N3 C 20,82 D 41,64

Bestimmung von physikalischen Umwandlungen:

Die Bestimmung von physikalischen Umwandlungen wie Schmelzpunkten oder Glasübergangstemperaturen erfolgt über Messung der Wärmetönung mit einem Pyris Diamond DSC Kalorimeter der Firma Perkin-Elmer. Die Temperatur wird über Indium und Blei, die Wärmetönung über Indium kalibriert. Als Spülgas wird Stickstoff mit einer Flussrate von 30 mL/min verwendet. Die Kühlung erfolgt über flüssigem Stickstoff. Der Temperaturgradient beträgt 20 K/min. Gemessen wird im Temperaturbereich zwischen –100°C und +150°C. Die Probeneinwaagen betragen zwischen 9,5 und 11,4 mg Probenmasse in Al-Pfännchen (Normal-Tiegel). Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 zusammengefasst.

Bestimmung der Zugscherfestigkeit von Buchenholz-Verklebungen:

Zur Herstellung der Prüfkörper werden Buchenholzplatten der Größe 40 × 20 × 5 mm, die bei 23°C und 50% rel. Feuchte gelagert werden, verwendet. Die Kartusche mit dem zu charakterisierenden Produkt wird 45 Minuten bei 120°C im Umlufttrockenschrank aufgeschmolzen und der Inhalt anschließend mit Hilfe einer Kartuschenpistole als Klebstoffraupe auf die in einer speziellen Form eingespannten Holzprüfkörper aufgetragen. Anschließend wird die Form fest verschlossen. Die Form garantiert eine Überlappungslänge von 10 mm, eine Klebfläche von 2 cm2 und eine Klebfugendicke von 0,8 mm. Die Prüfkörper werden nach definierter Zeit aus der Form genommen und anschließend bei 23°C und 50% rel. im Zugscherversuch vermessen. Zur Bestimmung der Anfangsfestigkeiten werden die Prüfkörper nach 5, 10, 30, 60 und 120 Minuten ausgeprüft. Die Bestimmung der Endfestigkeit erfolgt nach 14 Tagen. Von jedem Produkt werden 5 Prüfkörper hergestellt, vermessen und die Einzelergebnisse gemittelt. Die Ergebnisse sind in der Tabelle 3 zusammengefasst.

Rheologische Charakterisierung der reaktiven Polyurethan-Hotmelts:

Vor der Untersuchung werden die Produkte, welche in Alu-Kartuschen abgefüllt sind, in einem Umluftheizschrank bei ca. 125°C ca. 30 min lang aufgeschmolzen. Für die Messung der viskoelastischen Kenngrößen an Polyurethan-Hotmelts wird bei der festen Frequenz von 1 Hz gemessen. Für die Messung bei konstanter Abkühlrate wird die Temperatur von 130°C auf 0°C mit 2°C/min abgesenkt. Da die Proben beim Abkühlen schrumpfen, muss die Messung mit einem Rheometer durchgeführt werden, welches über eine „Auto Tension Funktion" verfügt. Zur Auswertung wurde die Temperatur bei zwei verschiedenen Speichermoduli (G') herangezogen. Dabei wurden die aus der Literatur für „pressure sensitive adhesives" bekannten obere und untere Grenze des Dahlquist Bandes gewählt (G'= 5·104 mPas bzw. G' = 5·105 mPas).

Da die Abkühlrate von 2 K/min nicht der realen Abkühlrate eine Hotmelts bei der Applikation entspricht werden Setting-Messungen durchgeführt, die eine deutlich höhere Abkühlrate aufweisen. Für die Setting-Messung wird das aufgeschmolzene, heiße PUR-Hotmelt zügig in den kalten (Raumtemperatur) Messbehälter überführt und sofort bei Raumtemperatur rheologisch vermessen. Die Abkühlrate resultiert demnach aus der Abkühlung durch die Umgebungstemperatur und liegt in der ersten Minute bei ca. 40–80 K/min. Das rheologische Verhalten wird über die Zeit aufgenommen. Als Maß für den Festigkeitsaufbau des Systems wurde die Zeit bis zum erreichen eines Moduls von G' = 1·106 mPas gewählt.

Die Charakterisierung der viskoelastischen Eigenschaften der reaktiven Polyurethan-Hotmelts erfolgt mit dem Rheometer VOR-Melt der Fa. BOHLIN Instruments mittels Oszillationsprogramm und dem Platte/Platte-System 25HT. Das Gerät dient zur Charakterisierung der viskoelastischen Eigenschaften von hochviskosen Substanzen wie Kunststoffschmelzen, Kautschuken usw. in Abhängigkeit von der Temperatur und der Frequenz.

Ergebnisse:

Die aus DSC-Untersuchungen erhaltenen Übergangstemperaturen für die reinen Polyester und Nukleierungsmittel enthaltenden Polyester sind in Tabelle 2 aufgeführt. Die Zugscherfestigkeiten aus der Charakterisierung von Buchenholz-Verklebungen sind in Tabelle 3 und die rheologischen Charakterisierungen in Tabelle 4 zusammengefasst. Tabelle 2: Übergangstemperaturen von Polyestern, enthaltend Nukleierungsmittel (Abkühlrate: 2 K/min) Polyester Nukleierungsmittel Tm Tcrist &Dgr;Hcrist A ohne 56,7 37,3 –90,4 A N1 57,4 40,8 –92,8 A N2 56,5 39,3 –90,3 B ohne 71,7 54,5 –116,0 B N1 71,4 56,6 –114,3 B N2 72,0 55,8 –114,3

Die Ergebnisse der Tabelle 3 zeigen, dass die erfindungsgemäßen Schmelzklebstoffsysteme, enthaltend Nukleierungsmittel, deutlich höhere Zugscherfestigkeiten bereits nach 5 Minuten aufweisen. Diese erhöhten Zugscherfestigkeiten sind insbesondere für Zeiträume von 10 Minuten und 30 Minuten ausgeprägt. Dabei sind die jeweiligen Vergleichsbeispiele 4, 5, 6 mit den erfindungsgemäßen Beispielen 4, 5 und 6 vergleichbar, da sie die gleiche Zusammensetzung aufweisen, wobei in den erfindungsgemäßen Beispielen jeweils das Nukleierungsmittel N1, also „Irgastab NA11" verwendet wurde. Tabelle 4: Abkühlverhalten von reaktiven PU Hotmelts bei verschiedenen Abkühlraten (Konstante Abkühlrate von 2 K/min und nach Setting-Versuch (Starttemperaturen jew. 130°C) Konstante Abkühlrate Setting-Versuch G' = 5·104 Pa [°C] G' = 5·105 Pa [°C] G' = 1·106 Pa [s] Vergleichsbeispiel 1 39,5 38,5 34 Beispiel 1 45 43,5 9 Vergleichsbeispiel. 2 55,5 55 5 Beispiel 2 59,5 59 2 Vergleichsbeispiel 3 73 72 61 Beispiel 3 88,5 87,5 5,3 Vergleichsbeispiel 4 19 1 1282 Beispiel 4 35,5 33,5 193 Vergleichsbeispiel 5 46 26,5 157 Beispiel 5 58 53 350 Vergleichsbeispiel 6 31 12 nicht erreicht Beispiel 6 58,5 46,5 1540 Beispiel 7 47 36 874 Beispiel 8 62,5 52 > 2000

Diskussion der Ergebnisse:

In Tabelle 2 sind die über DSC gemessenen Übergangstemperaturen der reinen Polyester A und B ohne Nukleierungsmittel denen der reinen Polyester A und B, enthaltend Nukleierungsmittel N1 und N2, gegenübergestellt. Die Schmelztemperatur beispielsweise von Polyester B beträgt 71,7°C. Die Schmelztemperaturen des Polyesters B, enthaltend Nukleierungsmittel N1 bzw. N2, betragen jeweils 71,4°C und 72,0°C. Damit wird deutlich, dass die Nukleierungsmittel keinen signifikanten Einfluss auf die Schmelztemperatur zeigen. Bei Betrachtung der Kristallisationstemperaturen wie -enthalpien ist ebenfalls kein signifikanter Einfluss erkennbar. Da die erfindungsgemäß vorgesehenen Schmelzklebstoffsysteme hinsichtlich der Rekristallisation im Wesentlichen auf den Eigenschaften der Rekristallisation der Polyester basieren, ist ausgehend von den Ergebnissen, welche in Tabelle 2 dargestellt sind, nicht davon auszugehen, dass Nukleierungsmittel einen Einfluss auf einen Anfangsfestigkeitsaufbau bzw. eine Holzmaterialfestigkeit nach Härtung aufweisen.

Aus Tabelle 3 ist ersichtlich, dass die Zugscherfestigkeiten für alle Verklebungen (Beispiele 1 bis 8 und Vergleichsbeispiele 1 bis 6) über die Zeit zunehmen. Bedingt durch die chemische Vernetzung der Hotmelts durch die Luftfeuchtigkeit der Atmosphäre, zeigen sich die höchsten Festigkeiten erwartungsgemäß jeweils nach 2 Wochen. Der Klebstoff ist nach dieser Zeit vollständig ausgehärtet. Überraschenderweise ist hier ein Einfluss des Nukleierungsmittels N1 auf die Endfestigkeit zu erkennen. Alle Verklebungen mit Hotmelts, enthaltend Nukleierungsmittel N1 (Beispiele 4, 5 und 6), besitzen nach 2 Wochen eine deutlich höhere Zugscherfestigkeit als die Vergleichsbeispiele ohne Nukleierungsmittel (Vergleichsbeispiele 4, 5 und 6).

Aufgrund physikalischer Phänomene ist bereits innerhalb der ersten 2 Stunden eine Zunahme der Zugscherfestigkeit, also der Anfangsfestigkeit bei allen Verklebungen zu erkennen. Beispielsweise steigt die Festigkeit des Vergleichsbeispieles 4 innerhalb von 120 min auf 6,68 N/mm2.

Im Vergleich der Beispiele 4–8 mit den Vergleichsbeispielen 4–6 ist deutlich der Einfluss des Nukleierungsmittels auf die Anfangsfestigkeit zu sehen. Beispielsweise wird für die Verklebung mit dem das Nukleierungsmittel N1 enthaltenden Hotmelt (Beispiel 4) nach 10 min eine Anfangsfestigkeit von 4,72 N/mm2 gemessen. Damit liegt die Hotmelt-Verklebung, enthaltend Nukleierungsmittel N1 (Beispiel 4), um 4,61 N/mm2 höher als die Verklebung mit dem Hotmelt ohne Nukleierungsmittel N1 (Vergleichsbeispiel 4). Derselbe Effekt wird auch für die Beispiele 5, 6, 7 und 8 im Vergleich zu den Vergleichsbeispielen 5 und 6 beobachtet. Hierbei ist hervorzuheben, dass der Effekt erhöhter Anfangs- wie Endfestigkeiten durch Zugabe von Nukleierungsmitteln für das Nukleierungsmittel N2 am auffälligsten ist (vgl. Beispiel 7 und Vergleichsbeispiel 6).

Die überaschend erhöhte Anfangsfestigkeit eines mit Nukleierungsmittel hergestellten Hotmelts im Vergleich zu einem Hotmelt ohne Nukleierungsmittel, ist auch über rheologische Analysenmethoden zu beobachten (Tabelle 4). In Tabelle 4 sind die Temperaturen und Zeiten der Vergleichsbeispiele und Beispiele bei definierten Speichermoduli G' (obere und untere Grenze des Dahlquistkriteriums sowie G' = 1 × 106 Pa) unter Verwendung verschiedener Abkühlraten (2 K/min und Abkühlung durch Raumtemperatur) aufgeführt. Bei einer konstanten Abkühlrate von 2 K/min werden die Speichermoduli von jew. 5 × 104 bzw. 5 × 105 Pa für alle Hotmelts, enthaltend Nukleierungsmittel (Beispiele 1–8), bei höheren Temperaturen erreicht, als für Hotmelts ohne Nukleierungsmittel (Vergleichsbeispiele 1–6). So wird bei Beispiel 1 der Speichermodul G' von 5 × 104 Pa bei einer Temperatur von 45°C erreicht. Dahingegen muss das Hotmelt ohne Nukleierungsmittel (Vergleichsbeispiel 1) bis auf knapp 40°C abgekühlt werden, bis es eine Festigkeit von 1 × 104 Pa erreicht. Das bedeutet, dass bei geringen Abkühlraten ein Einfluss von Nukleierungsmittel auf das Abkühlverhalten von reaktiven PUR-Hotmelts zu beobachten ist.

Auch bei hohen Abkühlraten (Setting-Versuch) wird der Effekt des Nukleierungsmittels auf die Anfangsfestigkeit deutlich. Alle Hotmelts, enthaltend Nukleierungsmittel (Beispiele 1–8), erreichen den Speichermodul von 1 × 106 Pa erheblich früher, als die Hotmelts ohne Nukleierungsmittel (Vergleichsbeispiele 1–6). Besonders ausgeprägt ist dies beim Beispielpaar 3 (Beispiel 3: 5,3 sec.; Vergleichsbeispiel 3: 61 sec.).

Die Anwesenheit von Nukleierungsmitteln in niedermolekularen NCO-terminierten Polyurethanprepolymeren stellt einen entscheidenden Vorteil in der Anwendung dar, da diese Systeme aufgrund ihrer erhöhten Rekristallisationsneigung bereits früh den Dahlquistbereich erreichen. Damit besitzen sie im Vergleich zu den bisherigen Systemen früher ausreichende Anfangsfestigkeiten, um die zu verklebenden Substrate in ihre Position ohne mechanische Fixierung halten zu können.

ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG

Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde automatisiert erzeugt und ist ausschließlich zur besseren Information des Lesers aufgenommen. Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.

Zitierte Patentliteratur

  • - DE 3827224 A1 [0009]
  • - WO 2005/066256 [0010]
  • - WO 2005/066256 A1 [0038]
  • - DE 10238005 A1 [0050]

Zitierte Nicht-Patentliteratur

  • - „Initial Bond Strength of Polyurethane Contact Adhesives" (Adv. Urethane Sci. Tec., 1992, 11, 192–216) [0011]
  • - „Initial Bond Strength of Polyurethane Contact Adhesives" (Adv. Urethane Sci. Tec., 1992, 11, 192–216) [0019]
  • - Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie, "Polyester", 4. Auflage, Verlag Chemie, Weinheim, 1980 [0048]
  • - Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie, "Polyester", 4. Auflage, Verlag Chemie, Weinheim, 1980 [0049]
  • - Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie, "Polyester", 4. Auflage, Verlag Chemie, Weinheim, 1980 [0051]


Anspruch[de]
Polyurethan enthaltender Schmelzklebstoff, enthaltend mindestens ein Nukleierungsmittel. Schmelzklebstoff nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Nukleierungsmittel um ein organisches und/oder anorganisches Nukleierungsmittel handelt. Schmelzklebstoff nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Nukleierungsmittel ausgewählt ist aus der Gruppe, bestehend aus anorganischen Salzen und Oxiden, kolloidalem Silber oder Gold, Hydrazonen, Natrium- oder Aluminiumbenzoaten, Aluminium-, Natrium- und Calcium-Salzen von aromatischen und/oder aliphatischen und/oder cycloaliphatischen Säuren, Derivaten von Phosphorsäuren oder Organophosphaten, Pigmenten, Sorbitolen, Kieferharzen, polymeren Nukleierungsmittel und Mischungen davon. Schmelzklebstoff nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Schmelzklebstoffe eine Zusammensetzungen umfasst, welche

(a) mindestens ein aromatisches, aliphatisches, araliphatisches und/oder cycloaliphatisches Diisocyanat

und

(b) mindestens ein Polyol;

enthält,

wobei das Verhältnis von (a) zu (b) so gewählt wird, dass das molare Verhältnis von NCO zu OH > 1 beträgt.
Schmelzklebstoff nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Nukleierungsmittel in der Zusammensetzung in Anteilen von 0,001 bis 10 Gew.-%, bezogen auf die Summe von (a) und (b), enthalten ist. Schmelzklebstoff nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Isocyanatgehalt in der Komponente (a) 5 bis 60 Gew.-%, bezogen auf die Komponente (a), beträgt. Schmelzklebstoff nach einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Kompoonente (a) aliphatisch, cycloaliphatisch, araliphatisch und/oder aromatisch gebundenen Isocyanatgruppen aufweist. Schmelzklebstoff nach einem der Ansprüche 4 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Komponente (a) ausgewählt ist aus der Gruppe, bestehend aus 1,4-Diisocyanatobutan, 1,6-Diisocyanatohexan (HDI), 2-Methyl-1,5-diisocyanatopentan, 1,5-Diisocyanato-2,2-dimethylpentan, 2,2,4- bzw. 2,4,4-Trimethyl-1,6-diisocyanatohexan, 1,10-Diisocyanatodecan, 1,3- und 1,4-Diisocyanatocyclohexan, 1,3- und 1,4-Bis-(isocyanatomethyl)-cyclohexan, 1-Isocyanato-3,3,5-trimethyl-5-isocyanatomethylcyclohexan (Isophorondiisocyanat, IPDI, 4,4'-Diisocyanatodicyclohexylmethan, 1-Isocyanato-1-methyl-4(3)isocyanatomethylcyclohexan, Bis-(isocyanatomethyl)-norbornan, 1,3- und 1,4-Bis-(2-isocyanato-prop-2-yl)-benzol (TMXDI), 2,4- und/oder 2,6-Diisocyanatotoluol (TDI), 2,2'-, 2,4'- und/oder 4,4'-Diisocyanatodiphenylmethan (MDI), 1,5-Diisocyanatonaphthalin, 1,3- und 1,4-Bis-(isocyanatomethyl)-benzol und Mischungen davon. Schmelzklebstoff nach einem der Ansprüche 4 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Komponete (b) ein Polyesterpolyol ist. Schmelzklebstoff nach einem der Ansprüche 4 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Komponente (b) ausgehend von aliphatischen Hydroxycarbonsäuren oder aliphatischen und/oder aromatischen Dicarbonsäuren und einem oder mehreren Diolen hergestellt werden. Schmelzklebstoff nach einem der Ansprüche 4 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass als Komponente (b) Derivate von Polyolverbindungen verwendet werden. Schmelzklebstoff nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass als Komponente (b) Lactone, Ester von niederen Alkoholen oder Anhydride verwendet werden. Verfahren zur Herstellung eines Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoffes, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine Polyolkomponente mit einem Überschuß mindestens eines aromatischen, aliphatischen, araliphatischen und/oder cycloaliphatischen Diisocyanat und mit Nukleierungsmittel vermischt werden und die homogene Mischung abgefüllt wird oder bis zum Erhalt eines konstanten NCO-Wertes gerührt wird und dann abgefüllt wird. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Reaktionstemperatur bei dem Vermischen werden 60 bis 150°C beträgt. Verfahren nach Anspruch 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Herstellung kontinuierlich in einer Rührkesselkaskade oder geeigneten Mischaggregaten, insbesondere schnelldrehenden Mischern nach dem Rotor-Stator-Prinzip oder einem Statikmischer, erfolgt. Zubereitungen, umfassend einen Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoff gemäß einem der Ansprüche 1 bis 12. Verfahren zur Herstellung einer Zubereitung gemäß Anspruch 16 durch Zugabe von Additiven zu dem Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoff, wobei das Additiv ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus die Reaktion mit Feuchtigkeit aktivierenden Katalysatoren; anorganischen oder organischen Füllstoffen, Farbstoffen, Harzen, reaktiven und nichtreaktiven Polymeren und Streckölen. Verwendung eines Polyurethan enthaltenden Schmelzklebstoffs gemäß einem der Ansprüche 1 bis 12 oder und/einer Zubereitung gemäß Anspruch 16 als Dichtstoff, Beschichtung, Schaumstoff, Klebstoff Schmelzklebstoff, Montageklebstoff zur vorläufigen Fixierung von Bauteilen, als Buchbindeklebstoff, Klebstoff für die Herstellung von Kreuzbodenventilsäcken, zur Herstellung von Verbundfolien, Laminaten oder als Kantenumleimer.






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