Die Erfindung betrifft ein Kollisions- und Konfliktvermeidungssystem
für autonome unbemannte Flugzeuge (UAV).
Der Betrieb von unbemannten Flugzeugen (UAV) erfordert, dass diese
sich nahtlos in den zivilen und militärischen Luftverkehr einordnen können.
Insbesondere, wenn kein Kontakt zur Bodenstation besteht, muss das UAV in der Lage
sein, selbständig unter Beachtung der Luftverkehrsregeln potentiellen Kollisionen
auszuweichen ohne dabei die eigenen Leistungsgrenzen zu verletzen oder in beschränkte
Lufträume einzufliegen.
Hierzu ist das TCAS System gebräuchlich. Es bestimmt durch seine
Sensorkomponente die Relativposition anderer Flugzeug, ermittelt danach das Kollisionsrisiko
und ermittelt dann reaktive Ausweichkommandos, die es dem menschlichen Piloten vorschlägt
um kurzfristige Kollisionen zu vermeiden.
Beim "Free flight conflict detection and resolution analysis" –
Verfahren (Kroyel, Mueller, Hunter) wird ein zweistufiges System (taktisch, strategisch)
zur Konfliktvermeidung im Luftverkehr vorgeschlagen.
Im Artikel
"A Hybrid A* Automaton approach to online path planning with obstacle avoidance"
von N.D. Richards, M. Sharma, D.G. Ward, in AIAA 2004-6229, pp. 1–17, 2004
wird eine A* Pfadsuche basierend auf Bewegungssegmenten vorgeschlagen.
Demgegenüber wird nach der Erfindung folgendes vorgeschlagen:
Das System verwendet verfüngbare Onboard Sensoren, um sich ein Bild des umgebenden
Luftraumes zu machen. Die so erstellte Lage wird auf drohende Konflikte (Kollisionen,
TCAS Verletzungen, Luftraumverletzungen) hin untersucht. Wird ein Problem festgestellt,
so wird eine Suche nach Ausweichmöglichkeiten gestartet, wobei die Ausweichrouten
soweit möglich dem vorgeschriebenen Luftverkehrsregeln entsprechen. Je nach
verfügbarem Zeitbudget kann ein kurzfristiger reaktiver Algorithmus mittels
direkter FCS Kommandos, oder ein mittelfristiger Pfadplanungsalgorithmus, welcher
einen unter flugtechnischen oder ökonomischen Randbedingungen optimierten Flugplan
bestimmt, angewendet werden. In jedem Fall wird das UAV wieder zurück auf die
Originalroute geführt.
Durch das vorgeschlagene Verfahren und System ergeben sich folgende
Vorteile:
Die Einführung eines onboard Systems in autonomen UAVs zur Konflikt- und Kollisionsvermeidung
erlaubt es diese in zivilem und militärischen Luftraum parallel und transparent
zu konventionellen Flugzeugen einzusetzen. Durch den Onboard Algorithmus funktioniert
das System unabhängig eines Datenlinkes. Durch Berücksichtigung der TCAS
Zonen erfolgt keine unnötige Belästigung des restlichen Luftverkehrs.
Das hybride System erlaubt, sowohl sicherheitskritische Aspekte abzudecken, als
auch höher entwickelte Algorithmen einzusetzen um komplizierte Randbedingungen
bei der Bestimmung des Ausweichkurses zu berücksichtigen.
Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus der Beschreibung, in der
das System mit seinen Komponenten und seine Wirkungsweise anhand von schematischen
Darstellungen erläutert werden. Es zeigen
1 die einzelnen Subsysteme des vorgeschlagenen Systems,
2 das vom System durchgeführte Ausweichmanöver,
3 die zur Bewertung der Lage herangezogenen Luftraumzonen
und
4 ein Ablaufdiagramm des Entscheidungsprozesses.
Die Komponenten des Konflikt- und Kollsionsvermeidungs Systems
Das vorgeschlagene System verwendet verfügbare Onboard Sensoren
um sich ein Bild des umgebenden Luftraumes zu machen. Die so erstellte Lage wird
auf drohende Konflikte (Kollisionen, TCAS Verletzungen, Luftraumverletzungen) hin
untersucht. Wird ein Problem festgestellt, so wird eine hierarchische Suche nach
Ausweichmöglichkeiten gestartet, wobei die Ausweichrouten soweit möglich
dem vorgeschriebenen Luftverkehrsregeln entsprechen. Je nach verfügbarem Zeitbudget
kann ein kurzfristiger reaktiver Algorithmus mittels direkter FCS Kommandos, oder
ein mittelfristiger Pfadplanungsalgorithmus, welcher einen unter flugtechnischen
oder ökonomischen Randbedingungen optimierten Flugplan bestimmt, angewendet
werden. In jedem Fall wird das UAV wieder zurück auf die Originalroute geführt.
In der folgenden Abbildung sind die einzelnen Subsysteme des vorgeschlagenen
Systems (links) sowie das Ausweichmanöver (rechts) dargestellt:
Das Rechnersystem
Das System wird in einem oder mehren physikalischen Rechnern an Board
des UAVs realisiert. Das System kann allerdings prinzipiell auch in einem Rechner
realisiert werden. Eine Aufspaltung auf mehrer Rechner ist jedoch
möglich, wenn entweder die Rechenleistung eines Rechners nicht ausreicht, die
sicherheitskritische von der nicht sicherheitskritischen Software getrennt werden
soll, oder die Module funktional auf verschiedene Rechner aufgeteilt werden sollen.
Positionssensoren zur Ermittlung der Positionen der umgebenden Flugzeuge
Das System verwendet alle an Bord des UAVs verfügbaren Sensoren,
die zur Erkennung anderer Flugzeuge und Hindernisse einsetzbar sind. Beispiele für
die Sensoren sind:
- • TCAS-Sensor
- • Radar
- • IR-Sensoren
- • optische Sensoren
Bahnvorhersage und Risiko Abschätzung für alle umgebenden Flugzeuge
Das Bahnvorhersage-Modul extrapoliert die Bahnen aller mittels der
Sensoren erfasster Objekte und erstellt daraus eine Prognose für die Flugbahnen
dieser Objekte. Für jedes Objekt wird berechnet, ob eine Kollision passieren
kann, indem mit den vorhergesagten Bahnen und dem eigenen Flugplan eine Verletzung
von Zonen um das Flugzeug überprüft wird. Diese Zonen beinhalten die TCAS
Traffic Advisory (TA) & Resolution Advisory (RA) Zonen, siehe Abbildung. Wird eine
Verletzung der TCAS RA Zone prognostiziert wird ein geplantes Ausweichmanöver
eingeleitet. Darüber hinaus wird einen weitere Zone eingeführt (Autonomous
Avoidance Zone [AA]). Eine drohende Verletzung dieser Zone löst ein reaktives
Ausweichmanöver aus.
Alle Zonen sind aus zwei Komponenten aufgebaut: Eine feste Entfernung
um jedes Flugzeug, welche nicht verletzt werden darf und einen Zeit für das
Erreichen dieser Grenze. Zusammen ergeben sich Zonen wie in
skizziert.
Die möglichen Gefahren werden nach der schlimmstmöglichen
Zonenverletzung priorisiert. Diese Priorisierung bestimmt dann den Typ des Ausweichmanövers.
Bei mehreren gleichen Verletzungen, wird eine Ausweichroute gewählt, welche
alle bekannten Konflikte vermeidet.
Modul zur Ermittlung von Luftraumbeschränkungen
Die Ausweichmanöver berücksichtigen beliebige Luftraumbeschränkungen.
Insbesondere können Ausweichmanöver so geplant werden, dass sie einen
speziellen Korridor um den originalen Flugpfad herum nicht verlassen. Zudem können
Lufträume als gesperrt markiert werden. Diese werden dann vom Algorithmus nicht
berücksichtigt.
Alle Luftraum Beschränkungen werden von einem System-Modul den
Planungsalgorithmen zur Verfügung gestellt.
Modul zur Ermittlung der verfügbaren Flugleistung des eigenen Flugzeugs
Mögliche Ausweichmanöver hängen von der zum Zeitpunkt
des Konfliktes verfügbaren Flugleistung des Flugzeuges ab. Diese kann von der
nominalen Leistung durch technische Fehler, externe Beschränkungen, oder durch
die aktuelle Fluglage reduziert sein.
Ein System-Modul überwacht diese Beschränkungen und filtert
mögliche Ausweichmanöver so, dass diese nur innerhalb der zur Verfügung
stehenden Flugleistungsgrenzen erfolgen.
Entscheidungslogik zur Bestimmung der geeigneten Ausweichregeln
Die Bestimmung des gewählten Ausweichalgorithmus (reaktiv oder
geplant) sowie der gewählten Ausweichstrategie erfolgt in einem zweistufigen
hierarchischen Entscheidungsprozess gemäß 4:
Zuerst wird entscheiden, ob genug Zeit für die Berechnung und Durchführung
ein geplantes Ausweichmanöver ist. Ist dies nicht der Fall wird sofort reaktiv
ausgewichen. Ist genug Zeit, wird ein Planungsalgorithmus gestartet. Dieser Algorithmus
basiert auf einem A* Pfadsuchealgorithmus, welcher aber unter Umständen mehrmals
mit verschiedenen Randbedingungen gestartet wird. Diese Konfiguration hängt
von dem Szenario ab, typische Möglichkeiten sind:
- 1. Suche horizontalen 2D Pfad, nach rechts
- 2. Suche vertikalen 2D Pfad oben oder unten
- 3. Suche 3D Pfad rechts oben oder rechts unten
- 4. Suche horizontalen 2D Pfad nach links
- 5. Suche vollen 3D Pfad.
In jedem Fall wird geprüft, ob die Pfadsuche in einem vorgegebenen
Zeitrahmen abläuft. Wird in diesem Rahmen keine Lösung gefunden und damit
eine drohende AA Zonen Verletzung prognostiziert, wird die Entscheidung Ebene 1
wiederholt und eventuell der reaktive Algorithmus als Sicherheitsnetz ausgelöst.
Ermittlung der geplanten Ausweichroute inklusive Rückkehr
auf die ursprüngliche Flugbahn
Reaktive Flugbahnberechnung zur schnellen Ermittlung einer einfachen Ausweichbahn
Der reaktive Algorithmus generiert ein einfaches Kurvenmanöver,
welches das Flugzeug aus der Gefahrenzone herausfliegt. Mögliche Manöver
werden durch Module zur Flugleistung und Luftraumbeschränkungen eingeschränkt.
Ist die Gefahrenzone vermieden, wird ein fliegbares Rückkehrmanöver
auf die Originalroute eingeleitet.
Diese Manöver werden als direkte Kommandos an die Flugsteuerung
weitergegeben.
Geplante Flugbahnberechnung zur Ermittlung einer optimalen Ausweichbahn
Es wird ein Pfadplanungsalgorithmus, z. B. A*, eingesetzt, welcher
es ermöglicht einen optimalen Pfad anhand einer vorgegebener Kostenfunktion
zu berechnen. Der Algorithmus setzt kleine Pfadstücke (Motion primitives, motion
segments) in verschiedenen Kombinationen zusammen um so die optimale Kombination
für die vorgegebene Kostenfunktion zu finden. Diese Pfadstücke werden
als fliegbare Segmente vorgegeben, welches z. B. Kurven und Geradensegmente beinhaltet.
Mögliche Manöver werden durch Module zur Flugleistung und Luftraumbeschränkungen
eingeschränkt. Der Pfadsuchalgorithmus wird so eingestellt, dass er ein gefahrenfreies
Stück auf der Originalroute als Ziel sucht. Dadurch wird die Ausweichroute
von einer Position auf der Originalroute zurück auf einen Position der Originalroute
führen.
Die Kostenfunktion bestimmt, welche Route der Planungsalgorithmus
als optimal findet. Hier können verschiedene Parameter (auch in Kombination)
eingesetzt werden. Beispiele sind:
- • Länge oder Zeit des Ausweichroute
- • Treibstoffverbrauch
- • Luftverkehrsregeln
- • Anzahl der nötigen Manöver bzw. Manöveränderungen
- • Lastvielfache während des Manövers
- • Eindringen in unerwünschten oder verbotenen Luftraum
Der so berechnete optimale Ausweichpfad wird dann in den originalen
Flugplan eingefügt.
Dynamische Hindernisse
Die unter 0 beschriebenen Zonen hängen von der relativen Geometrie
des eigenen Flugzeuges zu jedem möglichem Kollisionspartner ab. Dies ergibt
eine hochdynamische Situation, in der sich die Zonen in Form und Größe
nicht nur ständig im Flug, sondern auch mit jedem Schritt einer Ausweichplanung
ändert. Um diese Situation korrekt zu erfassen, ist es nötig die Flugpfade
aller beteiligten Flugzeuge in jedem Schritt einer Planung zu extrapolieren und
gleichzeitig die Zonenberechnungen zu aktualisieren. Die Algorithmen arbeiten mit
diesen extrapolierten Zonen. Durch die Extrapolation entstandene Fehler werden durch
Einführung von Puffer um die unter 0 beschriebenen Zonen abgefangen. In jedem
Fall ist es wichtig, dass die berechneten Trajektorien während des Ausweichmanövers
auch fliegbar sind, da bei zu großer Abweichung von der geplanten Trajektorie
die aktuellen Zonen nicht mit den vorhergesagten übereinstimmen und dadurch
Konflikte ausgelöst werden können.
Sicherheitsaspekte
Der System beinhaltet zwei Hauptfunktionalitäten für das
Ausweichen:
- 1. Ein sicherheitskritischen reaktiven Teilsystem. Dies kann sehr schnell ein
Ausweichmanöver berechnen. Das Manöver wird keinen harten Randbedingungen
widersprechen, wie z. B. einem TCAS Advisory, aber keine optimale Flugbahn garantieren.
- 2. Einen nicht sicherheitskritischem Teilsystem basierend auf einem Planungsalgorithmus.
Dieser Algorithmus braucht mehr Zeit und ist komplexer, da er alle möglichen
Randbedingungen berücksichtigt. und eine optimale Ausweichroute garantiert.
Zu jeder Zeit, also auch wenn der Planungsalgorithmus läuft,
wird geprüft, ob die Situation kritisch wird (AA Zonen Verletzung droht). Falls
dies der Fall ist wird sofort der reaktive Sicherheitsalgorithmus aktiviert.
Zusammenfassung
Die Einführung eines onboard Systems in autonomen UAVs zur Konflikt-
und Kollisionsvermeidung erlaubt es diese in zivilem und militärischen Luftraum
parallel und transparent zu konventionellen Flugzeugen einzusetzen. Durch den Onboard
Algorithmus funktioniert das System unabhängig eines Datenlinkes. Durch Berücksichtigung
der TCAS Zonen erfolgt keine unnötige Belästigung des restlichen Luftverkehrs.
Das hybride System erlaubt, sowohl sicherheitskritische Aspekte abzudecken, als
auch höher entwickelte Algorithmen einzusetzen um komplizierte Randbedingungen
bei der Bestimmung des Ausweichkurses zu berücksichtigen.
Nach unserem Wissen sind folgende Komponenten des Systems neu:
- • Zweistufiges Verfahren reaktiv und geplant, wobei reaktiv sicherheitskritisch
ist
- • Berücksichtigung der TCAS Zonen um keine RAs auszulösen
- • Entscheidungsprozess, wohin auszuweichen ist
- • Rückführung auf Originalroute (bei anderen oft unklar)
Hingegen sind folgende Komponenten aus der Literatur bekannt:
- • A* Algorithmus
•
P. E. Hart, N. J. Nilsson, B. Raphael, "Correction to: A Formal Basis for
the Heuristic Determination of Minimum Cost Paths", SIGART Newsletter,
37, pp. 28–29, 1972
- • Pfadsegmente (Motion primitives)
•
N.D. Richards, M. Sharma, D.G. Ward, "A Hybrid A*/Automation Approach to On-line
Path Planning with Obstacle Avoidance", AIAA 2004-6229, pp. 1–17, 2004
- • Zweistufiges Verfahren "taktisch" & "strategisch"
•
Free Flight Conflight Detection (Kroyel, Mueller, Hunter)
- • TCAS
•
ICAO Annex 10, "Surveillance Radar and Collision Avoidance Systems", ICAO
Annex 10 Vol. IV, 2002
- • Konfliktvermeidung:
• Aircraft Separation Systems
•
Free Flight Conflight Detection (Kroyel, Mueller, Hunter)
- • Kollisionsvermeidung, als solches
•
Multisensor based Fully Autonomous Non-Cooperative Collision Avoidance System
for UAVs (Fasano et al)
•
Autonomous Collision Avoidance of flying Vehicles (Szu et al)
•
Sense And Avoid (SAA) & Traffic Alert and Collision Avoidance System (TCAS)
Integration for Unmanned Aerial Systems (UAS) (Portilla et al)
•
UAV TRAJECTORY DESIGN USING TOTAL FIELD COLLISION AVOIDANCE (Sigurd et al)
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Nicht-Patentliteratur
- - "A Hybrid A* Automaton approach to online path planning with obstacle avoidance"
von N.D. Richards, M. Sharma, D.G. Ward, in AIAA 2004-6229, pp. 1–17, 2004
[0005]
- - P. E. Hart, N. J. Nilsson, B. Raphael, "Correction to: A Formal Basis for
the Heuristic Determination of Minimum Cost Paths", SIGART Newsletter, 37, pp. 28–29,
1972 [0036]
- - N.D. Richards, M. Sharma, D.G. Ward, "A Hybrid A*/Automation Approach to On-line
Path Planning with Obstacle Avoidance", AIAA 2004-6229, pp. 1–17, 2004
[0036]
- - Free Flight Conflight Detection (Kroyel, Mueller, Hunter) [0036]
- - ICAO Annex 10, "Surveillance Radar and Collision Avoidance Systems", ICAO
Annex 10 Vol. IV, 2002 [0036]
- - Free Flight Conflight Detection (Kroyel, Mueller, Hunter) [0036]
- - Multisensor based Fully Autonomous Non-Cooperative Collision Avoidance System
for UAVs (Fasano et al) [0036]
- - Autonomous Collision Avoidance of flying Vehicles (Szu et al) [0036]
- - Sense And Avoid (SAA) & Traffic Alert and Collision Avoidance System (TCAS)
Integration for Unmanned Aerial Systems (UAS) (Portilla et al) [0036]
- - UAV TRAJECTORY DESIGN USING TOTAL FIELD COLLISION AVOIDANCE (Sigurd et al)
[0036]