Die Erfindung bezieht sich auf eine Flügelspitzenverlängerung
zum Abmindern von Wirbelschleppen eines Flugzeugs. Sie betrifft ferner auch einen
Flügel eines Flugzeugs, der dazu eingerichtet ist, Wirbelschleppen des Flugzeugs
abzumindern.
Bei jedem Flugzeug mit Auftrieb erzeugenden Tragflächen entstehen
aufgrund physikalischer Gesetzmäßigkeiten Wirbelschleppen. Der physikalische
Mechanismus zur Erzeugung von Auftrieb am Flügel besteht darin, dass im Flug
die Luftströmung entlang der Flügelunterseite eine geringere Beschleunigung
erfährt als entlang der Flügeloberseite. Dies führt dazu, dass der
Druck auf der Unterseite relativ zur Oberseite des Flügels größer
ist. Die den Flügel umströmende Luft ist aus diesem Grunde bestrebt, einen
Druckausgleich zwischen der Unterseite und der Oberseite des Flügels herzustellen.
Hierdurch kommt es zu einer Umströmung der Flügelspitze, bei der die Luftströmung
durch das Druckgefälle um die Flügelspitze umgelenkt wird. Als Folge davon
entsteht auf der Flügeloberseite eine Geschwindigkeitskomponente von der Flügelspitze
weg, während die Geschwindigkeit auf der Flügelunterseite eine Komponente
in Spannweitenrichtung auf die Flügelspitze zu. Diese Umströmung der Flügelspitze
führt zu einer kreisförmigen Bewegung der Luft, die durch die überlagerte
Anströmung einen Wirbel verursacht, der sich schleppenförmig hinter dem
Flugzeug ausbreitet. Bei größeren Flugzeugen können derartige Wirbel
so ausgeprägt sein, dass bei in die Wirbel hineinfliegenden kleineren Flugzeugen
eine ernstzunehmende Gefahr eines Absturzes besteht. Die Wirbel haben in der Regel
eine sehr hohe Stabilität und können noch Minuten nach ihrer Entstehung
existieren. Die Wirbelstärke ist dabei unter anderem abhängig von der
Größe und dem Gewicht des Flugzeugs und führt dazu, dass zwischen
startenden und landenden Flugzeugen ein Mindestabstand („Staffelung") vorgeschrieben
ist. Je geringer die Wirbelstärke ist, desto geringer kann auch die Staffelung
der Flugzeuge sein. Die Tendenz zu ansteigenden Fluggastzahlen und damit auch stetig
größer werdenden Flugzeugen, welche theoretisch immer größere
Wirbelschleppen erzeugen, würde zu einem vergrößerten Staffelungsabstand
führen. Dieser jedoch würde durch eine in Folge sinkende Start- und Landefrequenz
ein beabsichtigtes vergrößertes Passagieraufkommen konterkarieren, so
dass Möglichkeiten geschaffen werden müssen, die Stärke von Wirbelschleppen
zu verringern.
Im Stand der Technik sind Vorrichtungen und Systeme bekannt, die Wirbelschleppen
abmindern können. Beispielsweise wird in DE
10 2005 017825 A1 beschrieben, dass ein an einem äußeren Ende
eines Flügels eines Flugzeugs angebrachtes Bauteil den Aufrollvorgang der Luft
im Bereich des Außenflügels durch periodische Schwenkbewegungen stört
und dadurch Randwirbel und damit auch die entstehenden Wirbelschleppen reduziert.
Nachteilig bei einem solchen System ist, dass es sich um ein aktives System handelt,
welches relativ aufwändig, kosten- und wartungsintensiv ist und außerdem
oszillierende Lasten erzeugt, die zu Ermüdungsbrüchen an der Flügelspitze
führen können.
Ein weiteres System ist aus der DE
199 09 190 C2 bekannt, bei dem an jedem Flügel des Flugzeugs mindestens
ein Wirbelgenerator angeordnet ist. Der Wirbelgenerator erzeugt einen Störwirbel,
dessen Drehrichtung entgegengesetzt zu dem am Flügel entstehenden Randwirbel
ist, welcher dadurch destabilisiert wird und sich hinter dem Flugzeug auflöst.
Der Nachteil dieses Systems liegt darin, dass diese zusätzlichen Störwirbel
nur bei speziellen Konstellationen der inneren und äußeren Landeklappen
zuverlässig in ausreichendem Maße erzeugt werden können und außerdem
einen höheren Widerstand erzeugen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn
eine – wie auch in der obigen Druckschrift vorgestellt – an der Flügeloberseite
angeordnete Finne zum permanenten Generieren von Störwirbeln verwendet wird.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist, die oben genannten Nachteile
zu verringern oder gänzlich zu eliminieren. Insbesondere ist es eine Aufgabe
der Erfindung, ein einfaches und im Idealfall passives System vorzuschlagen, welches
einen beschleunigten Wirbelzerfall begünstigt und damit die hinter einem Flugzeug
bei Start und Landung befindlichen Wirbelschleppen deutlich zu reduzieren.
Die Erfindung löst die Aufgabe durch eine Flügelspitzenverlängerung
– wie in Anspruch 1 definiert – mit einer Vorderkante und einer Hinterkante,
die an einem äußeren Ende eines Flügels anbringbar ist, wobei die
Vorderkante zumindest abschnittsweise im Wesentlichen gerade ist, der gerade Abschnitt
der Vorderkante einen Vorderkantenpfeilungswinkel aufweist, der größer
ist als der Vorderkantenpfeilungswinkel des Flügels und die lokale Tiefe der
Flügelspitzenverlängerung zwischen einem Anschlussbereich zur Verbindung
mit dem Flügel und dem äußeren Ende der Flügelspitzenverlängerung
stetig abnimmt. Diese Flügelspitzenverlängerung bedient sich des Phänomens
des Wirbelaufplatzens, welches bei Deltaflügeln auftritt. Bei Deltaflügeln
ist bekannt, dass insbesondere bei hohen Anstellwinkeln die durch Deltaflügel
erzeugten Randwirbel zunehmend instabil werden und „aufplatzen". Der sogenannte
„Wirbelaufplatzbereich" wandert je nach Ausgestaltung des Flügels, Anstellwinkel
und Geschwindigkeit von einer Position hinter dem Flügel bis in den Flügelbereich
hinein und kann insbesondere durch die Pfeilung der Vorderkante des Flügels
beeinflusst werden. Deltaflügel mit kleiner Vorderkantenpfeilung
(zum Beispiel 45°) verschieben den Beginn des Wirbelaufplatzens zu kleineren
Anstellwinkeln hin verglichen mit einer größeren Vorderkantenpfeilung
(zum Beispiel 70°). Wird eine Flügelspitze derart modifiziert, dass sie
eine geeignete Vorderkantenpfeilung aufweist, wird der Randwirbelzerfall positiv
beeinflusst. Dabei muss die Vorderkante der Flügelspitzenverlängerung
keine strikte Gerade darstellen, sondern kann auch lediglich abschnittsweise gerade
sein. Dies führt zu verschiedenen alternativen Vorderkantenformen, die etwa
wie bei einem Doppel-Delta-Flügel oder einem Flügel mit Strake einen Knick
aufweisen oder ähnlich wie bei den Tragflächen der Concorde geschwungen
sind. Die Geometrie der Flügelspitzenverlängerung an der Flügelspitze
ist dabei so einzustellen, dass bei den für Start und Landung üblichen
Anstellwinkeln ein Aufplatzen der Wirbel in einem Bereich zwischen der Vorderkante
und der Hinterkante oder nur unwesentlich weiter stromabwärts erfolgt. Ein
entstehender Flügelrandwirbel wird in Folge durch einen aufplatzenden Wirbelkern
so beeinflusst, dass ausgehend davon der gesamte Randwirbel deutlich schneller zerfällt
als bei einer herkömmlichen Flügelspitze.
Weitere vorteilhafte Ausführungsformen sind den Unteransprüchen
zu entnehmen.
Die Aufgabe wird weiterhin auch durch einen Flügel eines Flugzeugs
gelöst, der dazu eingerichtet ist, Wirbelschleppen des Flugzeugs abzumindern
und eine am äußeren Ende des Flügels angebrachte Flügelspitzenverlängerung
gemäß der obigen Anführungen aufweist.
Schließlich wird die Aufgabe auch durch ein Flugzeug mit Flügeln
nach den oben genannten Kriterien gelöst, ebenso durch die Verwendung einer
Flügelspitzenverlängerung gemäß dem ersten Hauptanspruch und
die darauf rückbezogenen Unteransprüche.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand der Figuren näher erläutert.
In den Figuren werden gleiche Objekte durch gleiche Bezugszeichen gekennzeichnet.
Es zeigen:
1: eine schematische Ansicht eines Flügelabschnitts
mit einem ersten Ausführungsbeispiel einer Flügelspitzenverlängerung;
2: schematische Ansicht eines Flügelabschnitts
mit einem zweiten Ausführungsbeispiel einer Flügelspitzenverlängerung;
3: eine schematische Ansicht eines Flügelabschnitts
mit einem dritten Ausführungsbeispiel einer Flügelspitzenverlängerung;
und
4: eine schematische Ansicht einer weiteren Variation
der erfindungsgemäßen Flügelspitzenverlängerung.
1 zeigt den allgemeinen Aufbau der erfindungsgemäßen
Flügelspitzenverlängerung. Dargestellt ist ein Flügelabschnitt
2 mit einer Vorderkante 4, einer Hinterkante 6 und einem
äußeren Flügelende 8. An diesem äußeren Flügelende
8 ist die Flügelspitzenverlängerung 10 angeordnet und
exemplarisch durch ein geeignetes Verbindungsverfahren – etwa Nieten, Schweißen,
Kleben, Verbolzen, Laminieren etc. – mit diesem verbunden. Zu diesem Zweck
weist die Flügelspitzenverlängerung 10 einen Anschlussbereich
12 auf.
Die erfindungsgemäße Flügelspitzenverlängerung
10 weist ebenfalls eine Vorderkante 14 und eine Hinterkante
16 auf. Die Vorderkante 14 ist gegenüber der Vorderkante
4 des Flügels sichtbar stärker gepfeilt, so dass an der Verbindungsstelle
zwischen der Flügelspitzenverlängerung 10 und dem Flügel
2 an den Vorderkanten 4 und 14 ein deutlicher Knick entsteht.
Der in 1 als &phgr;S gekennzeichnete Winkel
steht für den Vorderkantenpfeilungswinkel der erfindungsgemäßen Flügelspitzenverlängerung
10. Der Vorderkantenpfeilungswinkel des Flügels 2 wird mit
&phgr;V gekennzeichnet. &phgr;V beträgt bei üblichen
Verkehrsflugzeugen, die ihre Reisefluggeschwindigkeit im transsonischen Bereich
haben, im allgemeinen ungefähr 25–30°. Der Vorderkantenpfeilungswinkel
&phgr;S der Flügelspitzenverlängerung 10 beträgt
in 1 ca. 60°.
Durch die starke Pfeilung der Flügelspitzenverlängerung
10 wird bei den in Start- und Landephasen auftretenden Anstellwinkeln des
Flugzeugs ein Deltaflügeln immanenter Wirbelaufplatzbereich so platziert, dass
Flügelrandwirbel hinter der Tragflügelspitze im Kern aufplatzen und infolge
dessen so instabil werden, dass sie sich vergleichsweise schnell auflösen und
eine entsprechend deutlich schwächer ausgeprägte Wirbelschleppe verursachen.
Abhängig von der Größe, der spezifischen Aerodynamik
und weiteren Randbedingungen kann der Vorderkantenpfeilungswinkel &phgr;S
kleiner oder größer als in der 1 gezeigt
gewählt werden. Der zu beachtende Auslegungspunkt ist dabei jeweils der einzustellende
Anstellwinkel bei Start und/oder Landung, so dass der Deltaflügeleffekt bei
diesem Winkel vollständig zur Geltung kommt. Denkbar sind insbesondere Winkel
in einem Bereich von 40° bis 75°.
Im Ausführungsbeispiel aus 1 erstreckt
sich die Hinterkante 16 der erfindungsgemäßen Flügelspitzenverlängerung
10 parallel zur Hinterkante 6 des Flügels 2. Dadurch
ist die gesamte Hinterkante des Arrangements aus Flügel und Flügelspitzenverlängerung
einheitlich, da keine Notwendigkeit besteht, die Hinterkante der
Flügelspitzenverlängerung in Bezug auf den Deltaflügeleffekt besonders
zu gestalten.
2 zeigt dagegen ein Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen
Flügelspitzenverlängerung 10, bei der die Hinterkante
16 gegenüber der Hinterkante 6 des Flügels
2 stärker gepfeilt ist, so dass auch im Übergangsbereich der
beiden Hinterkanten 6 und 16 ein Knick entsteht. Eine den Darstellungen
aus 1 und 2 innewohnende
Gemeinsamkeit ist, dass die Vorderkante 14 und die Hinterkante
16 am äußersten Ende 18 der Flügelspitzenverlängerung
10 aufeinandertreffen, so dass das äußere Ende der am Flügel
2 angebrachten Flügelspitzenverlängerung 10 eine Spitze
aufweist.
In 3 wird ein weiteres Ausführungsbeispiel
der erfindungsgemäßen Flügelspitzenverlängerung 10
dargestellt, bei der das äußere Ende 18 der Flügelspitzenverlängerung
10 keine Spitze, sondern eine im Wesentlichen parallel zur Flugzeuglängsachse
verlaufende Kante 20 aufweist. Die Hinterkante 16 und die Vorderkante
14 sind demnach stets voneinander beabstandet. Verliefen die Hinterkante
16 der Flügelspitzenverlängerung und die Hinterkante
6 des Flügels 2 parallel zueinander und wäre der Pfeilungswinkel
&phgr;S relativ gering, würde sich die Flügelspitzenverlängerung
10 unnötig in der Querrichtung des Flugzeugs erstrecken müssen,
um eine Spitze wie in den ersten beiden Ausführungsbeispielen zu bilden.
Zum Steigern des Deltaflügeleffekts kann es weiterhin vorgesehen
sein, dass sich alle dargestellten Flügelspitzenverlängerungen
10 positiv verwinden. Dies bedeutet, dass der jeweilige Anstellwinkel eines
lokalen Profils 22 der Flügelspitzenverlängerung 10
– wie schematisch in 4 dargestellt –
zum äußeren Ende 18 hin ansteigt. Dadurch kann ein besonders
harmonischer Übergang zwischen dem Flügel 2 und der Flügelspitzenverlängerung
10 hergestellt werden, wenn aerodynamische, konstruktive oder optische
Gesichtsgründe einen höheren Anstellwinkel erforderlich machen. Gleichzeitig
sind durch eine Verwindung tendenziell größere Pfeilungswinkel &phgr;S
möglich, durch die insbesondere das Widerstandsverhalten der Flügelspitzenverlängerung
10 bei transsonischer Strömung verbessert werden kann. An dieser Stelle
sei darauf hingewiesen, dass das Profil 22 der Flügelspitzenverlängerung
10 keineswegs eine herkömmliche Flügelprofilform mit abgerundeter
Profilnase aufweisen muss. Für die Nutzung des Deltaflügeleffekts reicht
es aus, ein flaches, brettartiges Profil zu verwenden oder die Profilnase spitz
zulaufend zu gestalten, so dass zuverlässig Wirbelaufplatzbereiche entstehen.
Die dargestellten Ausführungsbeispiele der erfindungsgemäßen
Flügelspitzenverlängerung 10 sind nicht als Beschränkung
der Erfindung zu interpretieren. Die Erfindung wird durch den Gegenstand der Ansprüche
bestimmt. Insbesondere ist die Erfindung nicht auf bestimmte Pfeilungswinkel von
Flügel oder Flügelspitzenverlängerung beschränkt, sondern es
sind sämtliche Pfeilungswinkel zwischen etwa 40° und 75° denkbar,
die ein Fachmann unter Berücksichtigung der aerodynamischen Zusammenhänge,
der Größe des Flugzeugs und der Fluggeschwindigkeiten auszuwählen
vermag.
Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass „umfassend" keine
anderen Elemente oder Schritte ausschließt und „eine" oder „ein"
keine Vielzahl ausschließt. Ferner sei darauf hingewiesen, dass Merkmale oder
Schritte, die mit Verweis auf eines der obigen Ausführungsbeispiele beschrieben
worden sind, auch in Kombination mit anderen Merkmalen oder Schritten anderer oben
beschriebener Ausführungsbeispiele verwendet werden können. Bezugszeichen
in den Ansprüchen sind nicht als Einschränkung anzusehen.
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung.
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Zitierte Patentliteratur
- - DE 102005017825 A1 [0003]
- - DE 19909190 C2 [0004]