Stand der Technik
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben eines piezoelektrischen
Aktors, insbesondere eines Kraftstoffeinspritzventils einer Brennkraftmaschine eines
Kraftfahrzeugs, wobei der piezoelektrische Aktor mit mindestens einer Ansteuergröße,
insbesondere einem Ansteuerstrom und/oder einer Ansteuerspannung beaufschlagt wird,
um einen Betriebszustand des piezoelektrischen Aktors, insbesondere dessen Länge,
zu beeinflussen.
Die Erfindung betrifft ferner ein Steuergerät für einen
derartigen piezoelektrischen Aktor.
Herkömmliche Betriebsverfahren und Steuergeräte sehen die
Verwendung getakteter Ansteuerströme zur Aufladung des piezoelektrischen Aktors
vor oder verwenden Schwingkreise, mit denen eine Resonanzaufladung ermöglicht
ist. Die bekannten Verfahren weisen angesichts des weiten Einsatzfeldes piezoelektrischer
Aktoren beispielsweise in Kraftstoffeinspritzventilen von Brennkraftmaschinen und
der damit einhergehenden verhältnismäßig großen Wertebereiche
der Betriebsparameter und der stark schwankenden zeitlichen Anforderungen eine unzureichende
Flexibilität auf. Insbesondere ist es nicht in allen denkbaren Betriebsbereichen
des piezoelektrischen Aktors beziehungsweise eines dadurch angesteuerten Kraftstoffeinspritzventils
möglich, ein optimales zeitliches Ansprechverhalten des piezoelektrischen Aktors
oder auch einen verlustarmen beziehungsweise wenig verschleißfördernden
Betrieb des piezoelektrischen Aktors zu erhalten.
Offenbarung der Erfindung
Dementsprechend ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Betriebsverfahren
und ein Steuergerät der eingangs genannten Art dahingehend weiterzuentwickeln,
dass ein flexiblerer Betrieb des piezoelektrischen Aktors ermöglicht ist, der
insbesondere auch über größere Betriebsparameterbereiche hinweg ein
zufriedenstellendes Betriebsverhalten des piezoelektrischen Aktors gewährleistet.
Diese Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art
erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die Ansteuerung des piezoelektrischen
Aktors in mindestens zwei verschiedenen Ansteuerbetriebsarten erfolgt, wobei die
jeweilige Ansteuerbetriebsart dadurch gekennzeichnet ist, dass der Ansteuerstrom
gesteuert oder geregelt wird, und dass die Ansteuerspannung gesteuert oder geregelt
wird.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Betriebsverfahren ermöglicht
die vorliegende Erfindung dementsprechend eine Variation hinsichtlich der Ansteuerung
des piezoelektrischen Aktors, wobei vorteilhaft zwischen einer Spannungssteuerung
und einer Spannungsregelung beziehungsweise zwischen einer Stromsteuerung und einer
Stromregelung gewählt werden kann, wodurch gegenüber den herkömmlichen
Systemen weitere Freiheitsgrade bei der Erzielung eines gewünschten Betriebsverhaltens
des piezoelektrischen Aktors gegeben sind.
Unter einer Spannungsregelung, das heißt einer Regelung der Ansteuerspannung
für den piezoelektrischen Aktor, wird hierbei erfindungsgemäß verstanden,
dass der piezoelektrische Aktor auf einen vorgebbaren Spannungssollwert auf- beziehungsweise
entladen wird. Im Gegensatz hierzu wird unter einer Spannungssteuerung, das heißt
einer Steuerung der Ansteuerspannung des piezoelektrischen Aktors, verstanden, dass
ein Auf- beziehungsweise Entladevorgang des piezoelektrischen Aktors nach einer
vorgebbaren Zeit beendet wird.
Analog hierzu wird erfindungsgemäß unter einer Stromregelung,
das heißt einer Regelung des Ansteuerstroms des piezoelektrischen Aktors, verstanden,
dass während eines Auf- beziehungsweise Entladevorgangs des piezoelektrischen
Aktors der Ansteuerstrom bei Erreichen eines vorgebbaren Schwellwerts abgeschaltet
wird, um nach dem Verstreichen einer vorgebbaren Wartezeit gegebenenfalls wieder
eingeschaltet zu werden, so dass der Auf- beziehungsweise Entladevorgang fortgesetzt
werden kann. Unter einer Stromsteuerung, das heißt einer Steuerung des Ansteuerstroms
des piezoelektrischen Aktors, wird erfindungsgemäß verstanden, dass der
Ansteuerstrom mit einem fest vorgebbaren Tastverhältnis ein- und ausgeschaltet
wird.
Insgesamt können durch die erfindungsgemäße Ansteuerung
vorteilhaft vier verschiedene Ansteuerbetriebsarten realisiert werden, wobei in
einer ersten Ansteuerbetriebsart eine Spannungsregelung und eine Stromregelung stattfindet,
wobei in einer zweiten Ansteuerbetriebsart eine Spannungsregelung und eine Stromsteuerung
stattfindet, usw.
Es ist erfindungsgemäß möglich, dass über mindestens
einen vollständigen Auf- und/oder Entladezyklus des piezoelektrischen Aktors
hinweg jeweils nur eine Ansteuerbetriebsart gewählt wird, so dass kein Umschalten
zwischen verschiedenen Ansteuerbetriebsarten innerhalb eines entsprechenden Zyklus
erforderlich ist. Andererseits lässt sich durch ein bewusstes Wechseln zwischen
den verschiedenen erfindungsgemäßen Ansteuerbetriebsarten auch innerhalb
eines einzigen Auf- und/oder Entladezyklus eine besonders flexible Feinansteuerung
des piezoelektrischen Aktors realisieren.
Die erfindungsgemäße Ansteuerung ermöglicht
vorteilhaft die Realisierung unterschiedlicher Lade- und Entladegradienten der Ansteuerspannung
beziehungsweise des Ansteuerstroms, wodurch beispielsweise mit den Bewegungen des
piezoelektrischen Aktors einhergehende akustische Effekte beeinflusst werden können.
Insbesondere kann durch eine Einstellung geringerer Gradienten der Ansteuerspannung
beziehungsweise des Ansteuerstroms das Betriebsgeräusch des piezoelektrischen
Aktors reduziert werden.
Unter Verwendung des erfindungsgemäßen Ansteuerprinzips
kann ferner vorteilhaft ein besonders schnelles Öffnen und/oder Schließen
einer Ventilnadel eines durch den piezoelektrischen Aktor betätigten Kraftstoffeinspritzventils
erfolgen, nämlich durch hinreichend große Gradienten der Ansteuerspannung
beziehungsweise des Ansteuerstroms. Dadurch kann ein verbesserter Strahlbildaufbau
des Kraftstoffeinspritzventils und ein verbesserter Strahlbildabbau erfolgen, so
dass unvollständige Verbrennungen weitestgehend vermieden werden. Hierdurch
ergibt sich primär eine Verbesserung des Emissionsverhaltens der Brennkraftmaschine.
Ein weiterer vorteilhafter Aspekt bei der Anwendung des erfindungsgemäßen
Ansteuerprinzips besteht darin, dass auf einfache Weise ein zeitlicher Verlauf der
Ansteuerspannung beziehungsweise des Ansteuerstroms realisierbar ist, der ein Abbremsen
der Ventilnadel vor dem Erreichen eines entsprechenden Ventilnadelsitzes beziehungsweise
eines den Ventilnadelhub begrenzenden Nadelhubanschlags zum Gegenstand hat, wodurch
ein entsprechendes unerwünschtes Prellen der Ventilnadel vermieden wird und
somit verbesserte Emissionswerte beziehungsweise ein geringerer Kraftstoffverbrauch
erreicht werden.
Auch die Aufschlagskraft der Ventilnadel auf den Ventilsitz kann vorteilhaft
reduziert werden, um einen Verschleiß des Düsensitzes zu vermindern.
Gleichfalls kann das erfindungsgemäße Ansteuerprinzip dazu
verwendet werden, während des Öffnens und/oder Schließens des Kraftstoffeinspritzventils
möglichst schnell solche Betriebszustände des Kraftstoffeinspritzventils
zu durchlaufen, die mit verhältnismäßig hohen Toleranzen behaftet
sind. Auf diese Weise kann eine entsprechende Auswirkung der jeweiligen Toleranzen
auf einen Einspritzverlauf minimiert werden.
Bei einer weiteren ganz besonders vorteilhaften Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Betriebsverfahrens ist vorgesehen, dass unterschiedlichen
Kraftstoffeinspritzventilen zugeordnete piezoelektrische Aktoren gleichzeitig in
unterschiedlichen Ansteuerbetriebsarten im Sinne der vorliegenden Erfindung betrieben
werden, wodurch eine maximale Flexibilität bei dem Betrieb einer Brennkraftmaschine
gegeben ist. Insbesondere können auf diese Weise aktorspezifische Streuungen
der Betriebcharakteristik kompensiert werden, die mit herkömmlichen Systemen
bisher nicht kompensierbar waren.
Von besonderer Bedeutung ist die Realisierung des erfindungsgemäßen
Verfahrens in Form eines Computerprogramms, das auf einem Computer beziehungsweise
einer Recheneinheit eines Steuergeräts ablauffähig und zur Ausführung
des Verfahrens geeignet ist. Das Computerprogramm kann beispielsweise auf einem
elektronischen Speichermedium abgespeichert sein, wobei das Speichermedium seinerseits
zum Beispiel in dem Steuergerät enthalten sein kann.
Weitere Vorteile, Merkmale und Einzelheiten ergeben sich aus der nachfolgenden
Beschreibung, in der unter Bezugnahme auf die Zeichnung verschiedene Ausführungsbeispiele
der Erfindung dargestellt sind. Dabei können die in den Ansprüchen und
in der Beschreibung erwähnten Merkmale jeweils einzeln für sich oder in
beliebiger Kombination erfindungswesentlich sein.
Kurze Beschreibung der Zeichnung
In der Zeichnung zeigt:
1a eine schematische Schnittdarstellung eines Ausführungsbeispiels
eines Kraftstoffeinspritzventils zur Ausführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens,
1b ein vereinfachtes Blockschaltbild eines erfindungsgemäßen
Steuergeräts,
2–5 jeweils unterschiedliche
erfindungsgemäße Ansteuerbetriebsarten, und
6 ein Flussdiagramm einer Ausführungsform des
erfindungsgemäßen Betriebsverfahrens.
Ausführungsformen der Erfindung
In der 1a ist ein als Kraftstoffeinspritzventil
10 ausgebildetes Einspritzventil einer Brennkraftmaschine eines Kraftfahrzeugs
dargestellt, das mit einem piezoelektrischen Aktor 12 versehen ist. Der
piezoelektrische Aktor 12 wird wie in 1a durch
den Pfeil angedeutet von einem Steuergerät 20 angesteuert. Weiterhin
weist das Kraftstoffeinspritzventil 10 eine Ventilnadel 13 auf,
die auf einem Ventilsitz 14a im Inneren des Gehäuses des Kraftstoffeinspritzventils
10 aufsitzen kann.
Ist die Ventilnadel 13 von dem Ventilsitz 14a abgehoben,
so ist das Kraftstoffeinspritzventil 10 geöffnet
und es wird Kraftstoff eingespritzt. Dieser Zustand ist in der 1a
dargestellt. Ein vollständig geöffneter Zustand des Kraftstoffeinspritzventils
10 ist dadurch gekennzeichnet, dass die Ventilnadel 13 an einem
in dem Bereich 14b angeordneten und nicht näher dargestellten Nadelhubanschlag
anliegt, der eine weitere Bewegung der Ventilnadel 13 weg von ihrem Ventilsitz
14a, d. h. auf den Aktor 12 zu, verhindert. Sitzt die Ventilnadel
13 auf dem Ventilsitz 14a auf, so ist das Kraftstoffeinspritzventil
10 geschlossen. D. h., der gesamte, bei der Abbildung nach 1a
vertikal verlaufende, Hubweg, den die Ventilnadel 13 zurücklegen kann,
ist einerseits durch den Ventilsitz 14a (Schließposition) und andererseits
durch den Nadelhubanschlag in dem Bereich 14b (Öffnungsposition) begrenzt.
Der Übergang von dem geschlossenen in den geöffneten Zustand
wird mithilfe des piezoelektrischen Aktors 12 bewirkt. Hierzu wird eine
nachfolgend auch als Aktorspannung U bezeichnete elektrische Spannung an den Aktor
12 angelegt, die eine Längenänderung eines in dem Aktor
12 angeordneten Piezostapels hervorruft, welche ihrerseits zum Öffnen
beziehungsweise Schließen des Kraftstoffeinspritzventils 10 ausgenutzt
wird.
Das Kraftstoffeinspritzventil 10 weist ferner einen hydraulischen
Koppler 15 auf. Der hydraulische Koppler 15 ist innerhalb des
Kraftstoffeinspritzventils 10 angeordnet und weist ein Kopplergehäuse
16 auf, in dem zwei Kolben 17, 18 geführt sind.
Der Kolben 17 ist mit dem Aktor 12 und der Kolben 18
ist mit der Ventilnadel 13 verbunden. Zwischen den beiden Kolben
17, 18 ist ein Volumen 19 eingeschlossen, das die Übertragung
der von dem Aktor 12 ausgeübten Kraft auf die Ventilnadel
13 bewerkstelligt.
Der Koppler 15 ist von unter Druck stehendem Kraftstoff
11 umgeben. Das Volumen 19 ist ebenfalls mit Kraftstoff gefüllt.
Über die Führungsspalte zwischen den beiden Kolben 17,
18 und dem Kopplergehäuse 16 kann sich das Volumen
19 über einen längeren Zeitraum hinweg an die jeweils vorhandene
Länge des Aktors 12 anpassen. Bei kurzzeitigen Änderungen der
Länge des Aktors 12 bleibt das Volumen 19 jedoch nahezu unverändert
und die Änderung der Länge des Aktors 12 wird auf die Ventilnadel
13 übertragen.
1b zeigt ein vereinfachtes Blockschaltbild des erfindungsgemäßen
Steuergeräts 20 aus 1a. Das Steuergerät
20 weist eine beispielsweise als Mikrocontroller oder digitaler Signalprozessor
ausgebildete Recheneinheit 21 auf, die einer beispielhaft extern ausgebildeten
Ansteuereinheit 22 ein Taktsignal CLK zuführt. Die Ansteuereinheit
22 kann beispielsweise als ASIC (Application Specific Integrated Circuit)
ausgebildet sein und steuert ihrerseits die Leistungsendstufe 23 an, welche
Leistungs-Ausgangssignale wie einen Ansteuerstrom I und eine Ansteuerspannung U
für das Kraftstoffeinspritzventil 10 beziehungsweise den darin enthaltenen
piezoelektrischen Aktor 12 bereitstellt.
Neben dem Taktsignal CLK führt die Recheneinheit 21
der Ansteuereinheit 22 auch weitere Signale zu, bei denen es sich vorliegend
beispielhaft um Sollwerte Isoll, Usoll für die Ansteuerspannung
und den Ansteuerstrom für den piezoelektrischen Aktor 12 handelt.
In Abhängigkeit dieser Sollwerte Isoll, Usoll beaufschlagt
die Ansteuereinheit 22 die Leistungsendstufe 23.
Zur Erfassung von Betriebsgrößen des piezoelektrischen Aktors
12 ist auch eine entsprechende Signalisierung von der Ansteuereinheit
22 zu der Recheneinheit 21 vorgesehen, die in 1b
beispielhaft durch die Signalleitungen sig symbolisiert ist.
Über die Signalleitungen sig kann der Recheneinheit
21 beispielsweise das Erreichen eines Sollwerts für den Ansteuerstrom
I oder auch eines Sollwerts für die Ansteuerspannung U angezeigt werden.
Zur Realisierung einer möglichst flexiblen Formung des zeitlichen
Verlaufs der Ansteuerspannung U und/oder des Ansteuerstroms I sieht das erfindungsgemäße
Betriebsverfahren vor, dass die Ansteuerung des piezoelektrischen Aktors
12 in mindestens zwei verschiedenen Ansteuerbetriebsarten erfolgt, wobei
die jeweilige Ansteuerbetriebsart durch eine Regelung oder Steuerung des Ansteuerstroms
I und durch eine Regelung oder Steuerung der Ansteuerspannung U gekennzeichnet ist.
Das heißt, im Gegensatz zu herkömmlichen Betriebsverfahren,
bei denen allenfalls eine einzige Ansteuervariante verwendet wird, sieht die vorliegende
Erfindung eine Kombination beziehungsweise Variation zwischen den verschiedenen
Ansteuerbetriebsarten vor und erzielt damit eine größtmögliche Flexibilität
bei der Ansteuerung des piezoelektrischen Aktors 12.
Es ist sowohl denkbar, mindestens einen vollständigen Auf- und/oder
Entladezyklus des piezoelektrischen Aktors 12 hinweg mit einer einzigen
der erfindungsgemäß möglichen Ansteuerbetriebsarten durchzuführen.
Eine gesteigerte Flexibilität ist demgegenüber jedoch vorteilhaft
durch eine Variation zwischen verschiedenen Ansteuerbetriebsarten innerhalb eines
Auf- und/oder Entladezyklus gegeben.
Nachfolgend werden die vier unterschiedlichen erfindungsgemäßen
Ansteuerbetriebsarten unter Bezugnahme auf die 2–5
näher beschrieben.
2 zeigt den zeitlichen Verlauf der Ansteuerspannung
U und des Ansteuerstroms I im Rahmen eines Aufladevorgangs des piezoelektrischen
Aktors 12 gemäß einer ersten erfindungsgemäßen Ansteuerbetriebsart,
bei der sowohl die Ansteuerspannung U als auch der Ansteuerstrom I geregelt wird.
Aus der 2 ist ersichtlich, dass der piezoelektrische
Aktor 12 dabei ausgehend von einer Ausgangsspannung U1 auf eine Sollspannung
U2 aufgeladen wird, was zwischen den entsprechenden Zeitpunkten t1 und t2 erfolgt.
Bei der in 2 verdeutlichten erfindungsgemäßen
ersten Ansteuerbetriebsart wird die Ist-Spannung des piezoelektrischen Aktors
12 gemessen und mit dem Sollwert Usoll (1b)
verglichen, was der Auswertung einer Regelabweichung entspricht. Der Ansteuerstrom
I wird in an sich bekannter Weise über einen Shunt gemessen, und mit dem Überschreiten
eines oberen Sollwerts Imax wird der Ladestrom zunächst abgeschaltet,
bis er nach einer durch das Taktsignal CLK vorgegebenen Wartezeit gegebenenfalls
wieder angeschaltet wird, um den Aufladevorgang des piezoelektrischen Aktors
12 fortzusetzen, wenn nicht bereits die Sollspannung U2 erreicht worden
ist.
Die vorstehend beschriebene erste Ansteuerbetriebsart mit Strom- und
Spannungsregelung kann beispielsweise dazu eingesetzt werden, den Gradienten der
Ansteuerspannung U auf einen vorgebbaren Wert einzustellen, um das akustische Verhalten
des piezoelektrischen Aktors 12 zu steuern, insbesondere um dessen Betriebsgeräusche
zu vermindern. Diese Betriebsweise ist insbesondere bei einem Leerlauf der Brennkraftmaschine
zweckmäßig. Eine bestimmte Flankensteilheit der Ansteuerspannung U sollte
jedoch insbesondere während des Öffnens eines durch den piezoelektrischen
Aktors 12 betätigten Kraftstoffeinspritzungsventils 10 nicht
unterschritten werden, da in diesem Fall der Einfluss der Fertigungstoleranzen des
Kraftstoffeinspritzventils 10 zunähme und eine Verschlechterung des
Emissionsverhaltens bewirkte.
3 zeigt analog zu 2 einen
zeitlichen Verlauf der Betriebsgrößen U, I, CLK, wie sie sich bei einer
Ansteuerung des piezoelektrischen Aktors 12 (1a)
im Rahmen einer zweiten erfindungsgemäßen Ansteuerbetriebsart ergeben,
die gekennzeichnet ist durch eine Spannungsregelung und eine Stromsteuerung. Das
heißt, im Vergleich zu dem vorstehend unter Bezugnahme auf 2
beschriebenen ersten Betriebsmodus wird bei der zweiten erfindungsgemäßen
Ansteuerbetriebsart nach 3 der Ansteuerstrom I gesteuert
und nicht geregelt. Vorliegend wird diese Steuerung des Ansteuerstroms I über
ein festes zeitliches Ein- und Ausschaltverhältnis des Ansteuerstroms I, beispielsweise
im Sinne einer Pulsweitenmodulation, erreicht. Das heißt, es wird insbesondere
nicht das Überschreiten eines vorgebbaren Maximalstroms Imax (2)
überwacht, wie dies bei der ersten Ansteuerbetriebsart zur Realisierung der
Stromregelung erfolgt ist.
Das Ein- und Ausschaltverhältnis ist in 3
durch die entsprechenden Ein- und Ausschaltzeiten T_an, T_aus des Taktsignals CLK
angedeutet. Es wird erfindungsgemäß im Sinne einer Steuerung vorgegeben,
sein Wert ist jedoch frei wählbar, wodurch wiederum flexibel ein gewünschter
zeitlicher Verlauf des Ansteuerstroms I beziehungsweise der Ansteuerspannung U erzielt
werden kann.
Die vorliegend unter Bezugnahme auf 3
erläuterte zweite Ansteuerbetriebsart mit Spannungsregelung und Stromsteuerung
kann beispielhaft dann vorteilhaft angewandt werden, wenn die Flankensteilheit des
zeitlichen Verlaufs der Ansteuerspannung U und ein ripple der Ansteuerspannung U
eine untergeordnete Rolle spielen, wie dies beispielsweise bei einem Nachladen des
piezoelektrischen Aktors 12 während eines bereits zumindest teilweise
aufgeladenen Betriebszustands gegeben ist. Je nach dem verwendeten Injektorprinzip
kann das durch den piezoelektrischen Aktor 12 betätigte Kraftstoffeinspritzventil
10 hierbei geöffnet oder auch geschlossen sein. Das vorstehend beschriebene
Nachladen kann insbesondere dazu eingesetzt werden, um den aktuellen Betriebszustand
des Kraftstoffeinspritzventils 10 aufrechtzuerhalten. Da die vorstehend
diskutierte zweite Ansteuerbetriebsart ebenso wie die erste erfindungsgemäße
Ansteuerbetriebsart eine Regelung der Ansteuerspannung U zum Gegenstand hat, wird
auch in 3 der Ladevorgang beendet, sobald die Ansteuerspannung
U den vorgebbaren Sollwert U2 erreicht hat, vgl. den Zeitpunkt t2.
4 zeigt einen zeitlichen Verlauf der Betriebsgrößen
I, U, CLK, wie er sich während eines Aufladevorgangs des piezoelektrischen
Aktors 12 gemäß einer dritten erfindungsgemäßen Ansteuerbetriebsart
ergibt, bei der die Ansteuerspannung U gesteuert und der Ansteuerstrom I geregelt
wird.
Im Unterschied zu der unter Bezugnahme auf 2
erläuterten ersten erfindungsgemäßen Ansteuerbetriebsart mit Spannungsregelung
wird der Ladevorgang des piezoelektrischen Aktors 12 vorliegend nach einer
fest vorgegebenen Zeit – bezogen auf den Beginn des Ladevorgangs –
beendet, um die erfindungsgemäße Spannungssteuerung zu realisieren. Vorliegend
handelt es sich hierbei um die Zeitdifferenz t2–t1.
Die erfindungsgemäße dritte Ansteuerbetriebsart ist insbesondere
dann bevorzugt einzusetzen, wenn ein möglichst großer Gradient der Ansteuerspannung
U erreicht werden soll. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn der piezoelektrische
Aktor 12 möglichst schnell von einem ersten Betriebszustand, der beispielsweise
einem Öffnungszustand des Kraftstoffeinspritzventils 10 entspricht,
in einen zweiten Betriebszustand zu verbringen ist, der beispielsweise einem Schließzustand
des Kraftstoffeinspritzventils 10 entspricht.
Für das Umladen des piezoelektrischen Aktors 12 auf
Zwischenspannungsniveaus ist die dritte erfindungsgemäße Ansteuerbetriebsart
ebenfalls verwendbar.
Da der piezoelektrische Aktor 12 üblicherweise aus einem
so genannten Piezostack, das heißt einer Stapelanordnung mehrerer einzelner
piezoelektrische Elemente, besteht, ist er bei gängigen Systemen mittels einer
Feder druckvorbelastet, um zu verhindern, dass sich Zugkräfte in dem piezoelektrischen
Aktor 12 ausbilden. Infolge der Massenträgheit des Piezostacks kann
es bei einem zu schnellen Entladen dennoch zu einer lokalen Zugbeanspruchung und
damit zu einer Zerstörung des Piezostack kommen. Um dies zu verhindern, darf
daher eine vorgebbare Flankensteilheit der Ansteuerspannung U nicht überschritten
werden, was ergänzend auch durch die Stromregelung bei der dritten Ansteuerbetriebsart
sichergestellt werden kann.
Die vierte erfindungsgemäße Ansteuerbetriebsart ist durch
eine Spannungssteuerung und eine Stromsteuerung gekennzeichnet. Der zeitliche Verlauf
des Ansteuerstroms I ist hierbei über ein festes, aber vorgebbares, zeitliches
Ein- und Ausschaltverhältnis im Sinne einer Pulsweitenmodulation vorgegeben,
vergleiche auch die zweite erfindungsgemäße Ansteuerbetriebsart nach
3. Um die Steuerung der Ansteuerspannung U im Sinne
der vorliegenden Erfindung zu realisieren, ist bei der vierten Ansteuerbetriebsart
ferner vorgesehen, dass ein Lade- beziehungsweise Entladevorgang nach einer fest
vorgegebenen Zeit, vergleiche beispielsweise die Zeitdifferenz t2–t1 gemäß
4 oder 5, beendet wird.
Die erfindungsgemäße vierte Ansteuerbetriebsart ist insbesondere
zur Ermittlung von Kenngrößen des piezoelektrischen Aktors 12
beziehungsweise des ihn aufweisenden Kraftstoffeinspritzventils 10 verwendbar.
Die durch die Recheneinheit 21 (1b) vorgegebenen
Soll- beziehungsweise Schwellwerte für die Ansteuerspannung U und den Ansteuerstrom
I werden zumindest temporär konstant gehalten und insbesondere gespeichert,
um in Verbindung mit den zugehörigen Messgrößen zum Beispiel für
die tatsächliche Spannung an dem piezoelektrischen Aktor 12 einen
zeitlichen Verlauf der Ladung des piezoelektrischen Aktors 12 und hieraus
Aussagen über eine Drift, Alterung und gegebenenfalls Defekte des piezoelektrischen
Aktors 12 beziehungsweise des Kraftstoffeinspritzventils 10 zu
erhalten. Die vorstehenden Informationen können einerseits zur Diagnose verwendet
werden, andererseits können entsprechende Kompensationsverfahren zum Ausgleich
der Drift- beziehungsweise Alterungseffekte durchgeführt werden.
Dadurch, dass das erfindungsgemäße Betriebsverfahren mit
Hilfe einer Recheneinheit 21 realisiert ist, kann ohne jede Einschränkung
zwischen den erfindungsgemäßen Ansteuerbetriebsarten gewechselt werden,
entweder innerhalb eines einzelnen Lade-/Entladezyklus oder auch zwischen verschiedenen,
aufeinander folgenden Ladezyklen. Über die bereits unter Bezugnahme auf
1b beschriebenen Signale Isoll, Usoll
gibt die Recheneinheit 21 die Abschaltspannung für den spannungsgeregelten
Betrieb und die Stromschwelle für den stromgeregelten Betrieb an die nachgeordneten
Elemente 22, 23 weiter. Auf dieselbe Weise kann auch eine Lade-/Entladezeit
t2–t1 für einen spannungsgesteuerten Betrieb vorgegeben werden. Die
Stromsteuerung kann – wie bereits beschrieben – durch das Taktsignal
CLK beeinflusst werden.
Die eigentliche Strom- beziehungsweise Spannungsregelung im Sinne
der vorliegenden Erfindung, das heißt das Abarbeiten der zugehörigen Regelalgorithmen,
kann einer Ausführungsform zufolge bevorzugt in der Recheneinheit
21 stattfinden. Bei dieser Erfindungsvariante liefert die Ansteuereinheit
22 lediglich das Vergleichsergebnis zwischen den Sollgrößen Usoll,
Isoll und den tatsächlichen Betriebsgrößen des piezoelektrischen
Aktors 12. Sofern beispielsweise der Strom-Istwert den Strom-Sollwert Isoll
überschreitet, wird eine Zustandsänderung des Logiksignals auf einer der
Signalleitungen sig erzeugt. Diese Zustandsänderung erkennt die Recheneinheit
21 und verwendet sie als Triggerereignis beispielsweise zur Abschaltung
eines Highside-Transistors, der einen Ladestrom zum Aufladen des piezoelektrischen
Aktors 12 steuert.
Nach einer gewissen Pausenzeit bezogen auf die Zustandsänderung
des Signals sig wird der Highside-Transistor wieder eingeschaltet. Bei einer besonders
bevorzugten Erfindungsvariante ist das Aus- und Einschalten des Transistors dabei
ohne Softwareunterstützung seitens der Recheneinheit 21 möglich,
vielmehr ist der entsprechende Algorithmus hardwaremäßig entweder direkt
in der Recheneinheit 21 oder auch in der Ansteuereinheit 22 realisiert.
Analog hierzu kann auch bei dem Erreichen des Sollwerts Usoll
für die Ansteuerspannung eine Zustandsänderung auf einer entsprechenden
Signalleitung sig hervorgerufen werden, die den Highside-Transistor
deaktiviert und beispielsweise auch das Taktsignal CLK beeinflussen kann.
Anstelle der in 1b abgebildeten Struktur
können die funktionalen Einheiten 21, 22, 23 auch
in einem einzigen integrierten Schaltkreis integriert sein oder in anderer Weise
auf verschiedene Komponenten verteilt sein.
Insgesamt ist durch die erfindungsgemäße Kombination der
vier erfindungsgemäßen Ansteuerbetriebsarten ein sehr flexibler Betrieb
des piezoelektrischen Aktors 12 sichergestellt. Ganz besonders vorteilhaft
kann eine Ansteuerung des piezoelektrischen Aktors 12 unter Reduktion seiner
Betriebsgeräusche erfindungsgemäß durchgeführt werden. Ferner
kann durch ein Abbremsen einer durch den piezoelektrischen Aktor 12 betätigten
Ventilnadel 13 (1a) auch der Verschleiß
des Kraftstoffeinspritzventils 10 verringert werden. Darüber hinaus
können durch entsprechende Ansteuerung auch ein Prellen der Ventilnadel
13 und sonstige unerwünschte Betriebszustände vermieden werden,
so dass die Emissionseigenschaften und auch ein Kraftstoffverbrauch verbessert werden.
Ganz besonders vorteilhaft kann bei der Verwendung des piezoelektrischen
Aktors 12 in Kraftstoffeinspritzventilen 10 von Brennkraftmaschinen
jeder piezoelektrische Aktor 12 eines individuellen Kraftstoffeinspritzventils
10 auf unterschiedliche Weise, das heißt z. B. in einer unterschiedlichen
erfindungsgemäßen Ansteuerbetriebsart betrieben werden, so dass für
die einzelnen Zylinder der Brennkraftmaschine gleichzeitig verschiedene Ansteuercharakteristiken
möglich sind.
6 zeigt ein Flussdiagramm einer Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Betriebsverfahrens, bei der in einem ersten Schritt
100 überprüft wird, ob ein Taktsignal CLK vorhanden ist. Sofern
das Taktsignal vorhanden ist, werden in dem nachfolgenden Verfahrensschritt
110 Sollwerte Usoll, Isoll für die Ansteuerspannung
U und den Ansteuerstrom I beispielsweise durch die Ansteuereinheit 22 eingelesen
und für die nachfolgende Ansteuerung des piezoelektrischen Aktors
12 verwendet. Eine hierauf folgende weitere Abfrage 120 hat die
Überprüfung zum Gegenstand, ob im Laufe der Ansteuerung des piezoelektrischen
Aktors 12 ein vorgebbarer Schwellwert beispielsweise für die Ansteuerspannung
U oder für den Ansteuerstrom I erreicht worden ist. Sofern dies nicht der Fall
ist, wird in dem nachfolgenden Verfahrensschritt 130 eine weitere Ansteuerung
des piezoelektrischen Aktors 12 mit Hilfe der Leistungsendstufe
23 vorgenommen.
Ist zuvor jedoch einer der genannten Schwellwerte erreicht worden,
so verzweigt das erfindungsgemäße Verfahren wiederum in den Verfahrensschritt
100.
Nach der Ansteuerung gemäß Verfahrensschritt 130
erfolgt analog zu Verfahrensschritt 100 in dem weiteren Verfahrensschritt
140 erneut eine Überprüfung, ob ein Taktsignal CLK vorhanden
ist. Falls ja, verzweigt das erfindungsgemäße Verfahren zu der Abfrage
gemäß Verfahrensschritt 120. Andernfalls verzweigt das erfindungsgemäße
Verfahren wiederum zu dem Verfahrensschritt 100.