Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben einer Gaserzeugungseinrichtung
(Gaserzeuger) in einer vom normalen Betriebsmodus (Normal-Modus) abweichenden Betriebsart
(Stand-by-Modus), in der der Gaserzeuger mit minimal möglicher Last gefahren
wird, jedoch zumindest ein Gasstrom (P-Strom), der im Normal-Modus als Gasprodukt
vollständig an einen Verbraucher weitergeleitet wird, in einer Menge erzeugt
wird oder aus einem Zwischenprodukt erzeugbar ist, die zumindest nicht vollständig
von dem Verbraucher aufgenommen werden kann.
Darüber hinaus betrifft die Erfindung eine nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren betreibbare Gaserzeugungseinrichtung.
Unter einem Gaserzeuger sei im Folgenden eine Einrichtung zu verstehen,
in der ein Einsatzstoff (fest, flüssig oder gasförmig) in zumindest ein
Gasprodukt umgesetzt wird. Beispiele für derartige Einrichtungen sind Synthesegasanlagen.
In Synthesegasanlagen werden aus Kohlenstoff enthaltenden Einsatzstoffen
Gasprodukte wie Wasserstoff (H2), Kohlenmonoxid (CO), Oxogas (ein H2/CO-Gemisch
mit definierter Zusammensetzung) oder Ammoniaksynthesegas (eine Mischung aus Stickstoff
und Wasserstoff im Verhältnis 1:3) erzeugt. In einem ersten Verfahrensschritt
wird der Kohlenstoff enthaltende Einsatzstoff in ein Syntheserohgas umgesetzt, das
vorwiegend aus Wasserstoff, Kohlenmonoxid, Wasser und Kohlendioxid besteht, daneben
aber auch Staub und Ruß enthalten kann.
Als wichtigstes Verfahren zur Erzeugung von Syntheserohgas ist die
katalytische Dampfreformierung zu nennen, bei der Erdgas, Flüssiggas oder Naphta
unter Zugabe von Wasserdampf umgesetzt werden. Ein weiteres gängiges Verfahren
ist die partielle Oxidation (PDX-Anlagen), bei der auch andere Einsatzstoffe, wie
z. B. Schweröl oder Kohle zur Erzeugung von Synthesegasen verwendet werden
können.
Aus dem Syntheserohgas wird in nachfolgenden Verfahrensschritten (Wasserwäsche,
physikalische oder chemische Sauergaswäsche, Wassergas-Shift, adsorptive Gastrocknung)
ein wasserfreies Synthesegas gewonnen, das nachfolgend in das oder die gewünschten
Gasprodukte zerlegt wird. Häufig umfasst dieser Zerlegungsschritt ein kryogenes
Verfahren, bei dem das – dann auch kohlendioxidfreie – Synthesegas
auf Temperaturen von weit unterhalb von 0°C abgekühlt und dabei zumindest
teilweise verflüssigt wird. Durch Trennverfahren wie Gaswäsche, Rektifikation
oder Strippung wird das Synthesegas in Komponenten zerlegt, die nachfolgend gegen
abzukühlende Verfahrensströme angewärmt werden. Auf diese Weise wird
wenigstens eine Gaskomponente gewonnen, die entweder direkt als Gasprodukt an einen
Verbraucher abgegeben werden kann oder ein Zwischenprodukt darstellt, aus dem in
einem nachfolgenden Zerlegungsschritt, wie beispielsweise durch Druckwechseladsorption,
ein Gasprodukt erzeugt wird.
Synthesegasanlagen sind komplexe Einrichtungen und können nur
mit erheblichem Zeit- und Finanzaufwand angefahren werden. So müssen die Dampfreformer
oder die zur Vergasung der Einsatzstoffe verwendeten Reaktoren u. U. über einen
Zeitraum von mehreren Tagen langsam auf Betriebstemperatur aufgeheizt werden. Insbesondere
ist auch die Abkühlung eines kryogenen Gaszerlegers nur mit großem Aufwand
möglich.
Eine Synthesegasanlage ist i. Allg. Teil eines Industriekomplexes,
in dem auch Anlagen (Verbraucher) vorhanden sind, denen die in der Synthesegasanlage
erzeugten Gasprodukte zugeführt werden. Im Normalbetrieb wird jedes Gasprodukt
in einer Menge erzeugt, die von einem Verbraucher gefordert wird. In der Inbetriebnahmephase
des Industriekomplexes oder wenn eine Störung seitens eines Verbrauchers vorliegt,
kann es jedoch vorkommen, dass die von einem Gasprodukt erzeugte Menge größer
ist, als die vom Verbraucher geforderte Menge; im Extremfall kann überhaupt
kein Gasprodukt an den Verbraucher abgegeben werden. Da das Ab- und Anfahren einer
Synthesegasanlage aufwendig und mit hohen Kosten verbunden ist, wird sie in solchen
Fällen in den sog. Stand-by-Modus versetzt, in dem geringere Mengen an Gasprodukt
erzeugt werden, deren Höhe von der minimal möglichen Last bestimmt wird,
mit der der kryogene Gaszerleger betrieben werden kann. Obwohl im Stand-by-Modus
weniger Gasprodukt als im Normal-Modus erzeugt wird, übersteigt die in der
Synthesegasanlage erzeugte Menge dennoch häufig die an einen Verbraucher abgebbare
Menge.
Nach dem Stand der Technik wird im Stand-by-Modus einer Synthesegasanlage
mit beträchtlichem Aufwand überschüssig erzeugtes Gasprodukt und/oder
Zwischenprodukt in eine Fackel geführt und dort ohne wirtschaftlichen Nutzen
verbrannt.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der
eingangs beschriebenen Art sowie eine Vorrichtung zu dessen Durchführung anzugeben,
die es erlauben, eine Synthesegasanlage im Stand-by-Modus mit geringeren Kosten
und damit wirtschaftlicher zu betreiben, als dies nach dem Stand der Technik möglich
ist.
Die gestellte Aufgabe wird verfahrensseitig erfindungsgemäß
dadurch gelöst, dass zumindest ein Teil der überschüssig erzeugten
Menge des P-Stromes oder des Zwischenprodukts, aus dem der P-Strom erzeugbar ist,
verdichtet, zurückgeführt und dem Gaserzeuger an geeigneter Stelle aufgegeben
wird, wobei zur Verdichtung wenigstens ein Gasverdichter verwendet wird, der Teil
des Gaserzeugers ist und im Normal-Modus in anderer Weise eingesetzt wird.
Die Zusammensetzung des P-Stromes kann mit der Zusammensetzung des
im Normal–Modus erzeugten und an den Verbraucher abgegebenen Gasproduktes
übereinstimmen oder von dieser abweichen. Je nachdem bezeichnet man den P-Strom
bzw. das Zwischenprodukt, aus dem der P-Strom erzeugbar ist, als spezifikationsgerecht
(on spec.) oder als nicht spezifikationsgerecht (off spec.). Zumindest dann, wenn
während des Stand-by-Modus kein P-Strom vom Verbraucher angefordert wird, kann
der P-Strom bzw. das Zwischenprodukt, aus dem der P-Strom erzeugbar ist, off spec.
erzeugt werden, was häufig mit wirtschaftlichen Vorteilen verbunden ist. Eine
zweckmäßige Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens sieht
daher vor, dass der P-Strom bzw. das Zwischenprodukt, aus dem der P-Strom erzeugbar
ist, off spec. erzeugt wird.
Mit besonderem Vorteil kann das erfindungsgemäße Verfahren
zum Betreiben einer Synthesegasanlage im Stand-by-Modus angewendet werden, da eine
im Vergleich zum Stand der Technik erheblich geringere Menge an u. U. sehr teueren
Einsatzstoffen erforderlich ist. Insbesondere dann, wenn die Synthesegasanlage einen
kryogenen Gaszerleger umfasst, ist dieser Vorteil beträchtlich, da kryogene
Gaszerleger, wie Methanwäschen, Stickstoffwäschen und Kondensationsanlagen,
mit einer vergleichsweise hohen Mindestlast (typischer Weise mehr als 35% der Nominallast)
betrieben werden müssen, die i. Allg. wesentlich größer ist als die
Mindestlasten, mit denen die übrigen Teile einer Synthesegasanlage betrieben
werden können. Eine bevorzugte Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens
sieht daher vor, dass es zum Betreiben einer Synthesegasanlage, besonders bevorzugt
einer einen kryogenen Gaszerleger umfassende Synthesegasanlage im Stand-by-Modus
eingesetzt wird.
Weiterhin betrifft die Erfindung eine Gaserzeugungseinrichtung (Gaserzeuger),
die in einer vom normalen Betriebsmodus (Normal-Modus) abweichenden Betriebsart
(Stand-by-Modus) betreibbar ist, in der der Gaserzeuger mit minimal möglicher
Last gefahren wird, jedoch zumindest ein Gasstrom (P-Strom), der im Normal-Modus
als Gasprodukt vollständig an einen Verbraucher weitergeleitet wird, in einer
Menge erzeugt wird oder aus einem Zwischenprodukt erzeugbar ist, die zumindest nicht
vollständig von dem Verbraucher aufgenommen werden kann.
Vorrichtungsseitig erfindungsgemäß wird die gestellte Aufgabe
dadurch gelöst, dass der Gaserzeuger mit Rohrleitungen, Absperr- und Regeleinrichtungen
ausgestattet ist, über die zumindest ein Teil der überschüssig erzeugten
Menge des P-Stromes oder des Zwischenprodukts, aus dem der P-Strom erzeugbar ist,
zur Verdichtung und Rückführung wenigstens einem Verdichter zuführbar
ist, der im Normal-Modus in anderer Weise eingesetzt wird.
Eine bevorzugte Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Gaserzeugers sieht vor, dass er als Synthesegasanlage, besonders bevorzugt als eine
einen kryogenen Gaszerleger umfassende Synthesegasanlage ausgeführt ist.
Im Folgenden soll die Erfindung anhand zweier in den 1
und 2 schematisch dargestellter Ausführungsbeispiele
näher erläutert werden.
Die 1 zeigt eine Synthesegasanlage, in
der durch Reformierung aus einem Kohlenwasserstoffe enthaltenden Einsatz ein Kohlenmonoxid-
und ein Wasserstoffprodukt erzeugt werden. Die Synthesegasanlage umfasst einen Verdichter,
in dem im Normal-Modus in einer chemischen Gaswäsche anfallendes Kohlendioxid
verdichtet und vor den Reformer zurückgeführt wird.
Die 2 zeigt den Gaszerlegungsteil einer
Synthesegasanlage, in dem aus einem weitgehend kohlendioxidfreien Synthesegas durch
Adsorption und kryogene Gaszerlegung ein Kohlenmonoxid- und ein Wasserstoffprodukt
erzeugt werden. Im Normal-Modus wird in einem Druckwechseladsorber anfallendes Spülgas
verdichtet und vor die Adsorberstation zurückgeführt.
Dem Reformer R in der 1 werden ein Kohlenwasserstoff
enthaltender Einsatz 1 und Wasserdampf 2 zugeführt und in
ein Kohlenmonoxid (CO), Wasserstoff (H2), Wasser und Kohlendioxid (CO2)
enthaltendes Syntheserohgas 3 umgesetzt, wobei die jeweiligen Mengen dieser
Stoffströme wesentlich geringer sind als während des Normal-Modus. Im
Extremfall kann der Reformer auch vollständig abgestellt werden. Das Syntheserohgas
3 wird anschließend in die chemischen Gaswäsche W eingeleitet,
in der es weitgehend von Wasser und Kohlendioxid gereinigt und zum Synthesegas
4 aufbereitet wird. In der Gaswäsche W abgetrenntes Kohlendioxid
5 wird dem Verdichter V11 zur Druckerhöhung zugeleitet und über
Leitung 6 vor die Gaswäsche W zurückgeführt. Im Normal-Modus
dient der Verdichter V11 allein zur Rückführung des in der Gaswäsche
W abgetrennten Kohlendioxids 5 über Leitung 7 vor den Reformer
R. Das aus der Gaswäsche W austretende Synthesegas 4 wird in der Adsorberstation
A1 von verbliebenen Wasser- und Kohlendioxidresten gereinigt, bevor
es über Leitung 8 in den kryogenen Gaszerleger K1 eingeleitet wird.
Hier wird aus dem Synthesegas 8 Produktreinheit aufweisendes Kohlenmonoxid
abgetrennt, nachfolgend über Leitung 9 dem Verdichter V12 zugeführt
und dort zum Kohlenmonoxidstrom 10 verdichtet. Ein Teil 11 des
verdichteten Kohlenmonoxids 10 wird in den kryogenen Gaszerleger K1 zurückgeführt
und dort zu Kühlzwecken eingesetzt, während der CO-Produktqualität
aufweisende Rest 12 über Leitung 5 der Saugseite des CO2-Verdichters
V11 zugeführt wird. Falls von Seiten eines CO-Verbrauchers (nicht dargestellt)
auch während des Stand-by-Modus CO-Produkt angefordert wird, kann solches über
Leitung 13 abgegeben werden.
Neben dem CO-Produkt 12 wird im kryogenen Gaszerleger K1
auch ein H2-reicher Stoffstrom 14 erzeugt, der ein Zwischenprodukt
darstellt, und aus dem im Normal-Modus durch Druckwechseladsorption P1 ein H2-Produkt
15 erzeugt wird. Ist es im Stand-by-Modus nicht möglich, die gesamte
aus dem Stoffstrom 14 erzeugbare H2-Produktmenge 15
an einen H2-Verbraucher (nicht dargestellt) abzugeben, so wird die nicht
für die Erzeugung von H2-Produkt 15 benötigte Menge
16 des Zwischenprodukts 14 ebenfalls über Leitung
5 zur Saugseite des CO2-Verdichters V11 geführt. Die Stoffströme
12 und 16 werden im CO2-Verdichter V11 gemeinsam mit
dem CO2-Strom 5 verdichtet und anschließend über Leitung
6 in die Gaswäsche W zurückgeführt.
In dem in 2 dargestellten Ausführungsbeispiel
wird ein bereits weitgehend kohlendioxid- und wasserfreies Synthesegas
21 in der Adsorberstation A2 durch die Entfernung von CO2- und
Wasserresten getrocknet. Das getrocknete Synthesegas 22 wird nachfolgend
in den kryogenen Gaszerleger K2 eingeleitet und dort in einen CO-Produktreinheit
aufweisenden Stoffstrom 23 und ein H2-reiches Zwischenprodukt
24 zerlegt. Der CO-Strom 23 wird im CO-Verdichter V21 zum CO-Strom
25 verdichtet und anschließend in die beiden Teilströme
26 und 27 aufgesplittet. Während der Teilstrom
26 zu Kühlzwecken zurück in den kryogenen Gaszerleger K2 geleitet
wird, wird der CO-Produktqualität aufweisende Teilstrom 27 über
Leitung 28 der Saugseite des Verdichters V22 zugeführt, der im Normal-Modus
allein zur Rückführung von Spülgas 28 aus dem Druckwechseladsorber
P2 vor die Adsorberstation A2 dient. Falls von Seiten eines CO-Verbrauchers (nicht
dargestellt) CO-Produkt angefordert wird, kann solches auch im Stand-by-Modus über
Leitung 29 abgegeben werden.
Aus dem H2-reichen Zwischenprodukt 24 wird im
Normal-Modus im Druckwechseladsorber P2 ein H2-Produkt 30 erzeugt
und an einen H2-Verbraucher (nicht dargestellt) abgegeben. Wird im Stand-by-Modus
weniger oder kein H2-Produkt vom H2-Verbraucher angefordert, wird der
nicht zur Erzeugung von H2-Produkt benötigte Teil 31 des Zwischenprodukts
24 in die Spülgasleitung 28 eingeleitet und ebenfalls der
Saugseite des Verdichters V22 zugeführt. Über Leitung 32 werden
die im Verdichter V22 verdichteten Stoffströme schließlich vor die Adsorberstation
A2 zurückgeleitet.