Die Erfindung betrifft ein Levitationsverfahren zur Herstellung feuerpolierter
Gobs aus niedrigviskosem Glas, welche insbesondere als Vorformlinge zur Herstellung
blankgepresster optischer Bauteile mit hochwertigen optischen Eigenschaften Verwendung
finden.
Beschreibung
Zur Herstellung von optischen Bauteilen mit hochwertigen optischen
Eigenschaften und hochgenauer Oberflächenstruktur und -qualität, beispielsweise
zur Herstellung von refraktiven und diffraktiven Bauteilen und Linsen, insbesondere
von asphärischen Linsen, ist es bekannt, vorgeformte Glasposten (im weiteren
Gob genannt) blankzupressen.
Das Blankpressen erspart das zeit- und kostenaufwendige Fräsen,
Schleifen und Polieren zur präzisen Ausbildung zumindest einer Oberfläche
des optischen Bauteils. Das Blankpressen erfolgt in der Regel durch Wiedererhitzen
des Gobs und Pressen in hochwertigen Formen. Diese Verfahrensweise kommt vor allem
dann zur Anwendung, wenn das Fräsen, Schleifen und Polieren zur Ausbildung
komplizierterer Oberflächenstrukturen des Bauteils schwierig und aufwendig
wäre.
An den Gob werden hinsichtlich seiner Homogenität und Oberflächenqualität
hohe Anforderungen gestellt, da Mängel des Gobs sich auf das Endprodukt übertragen
und beispielsweise zu Abbildungsverzerrungen führen. Das Endprodukt wäre
dadurch nicht mehr verwendbar.
Die Gobs werden üblicherweise direkt aus der Glasschmelze durch
Abkühlen eines in eine Form eingespeisten Glasposten ohne direkten Kontakt
mit einer Formoberfläche erzeugt, wobei die Gobs eine sogenannte feuerpolierte
Oberfläche erhalten.
Die Herstellung erfolgt dabei unter Anwendung des Levitationsverfahrens,
bei welchem zwischen dem eingespeisten Glasposten und der Form ein Gaspolster aufgebaut
wird und damit der unmittelbare Kontakt vermieden wird. Die Form ist als sogenannte
Levitationsform, d. h. gasdurchlässig ausgebildet, sodass ein Gas mit entsprechendem
Volumenstrom an der Formoberfläche austreten kann. Das in die Levitations-Form
portioniert eingespeiste schmelzflüssige Glas kühlt in der Levitations-Form
ab und nimmt unter den Oberflächenspannungskräften des Glases, der Schwerkraft
und dem Druck des Gaspolsters, welches sich zwischen der Formoberfläche und
dem Glasposten ausbildet, etwa die Gestalt der Form an, wobei die Berührung
mit der Form durch das Gaspolster unterbunden wird.
Zum Einspeisen des Glaspostens in die Levitationsform ist es beispielsweise
bekannt, einen mittels Nadelspeiser portionierten Glasposten in der mit Gas durchströmten
Levitationsform aufzufangen. Die Levitationsform wird während des Füllvorgangs
derart abgezogen, dass der Abstand zwischen Glaspostenoberseite und Speiserdüse
konstant bleibt. Beim Schließen der Nadel schnürt der Glasposten am Ende
des Speisers ein und reißt ab. Um das Reißen zu unterstützen, kann
die Levitationsform mit erhöhter Geschwindigkeit abgezogen werden.
Die Anwendung des Levitationsverfahren zur Herstellung von feuerpolierten
Gobs und deren weitere Verarbeitung durch Blankpressen ist seit längerer Zeit
bekannt. Ein entsprechendes Verfahren und zur Ausführung des Verfahrens geeignete
Formen werden beispielsweise in der DE 24
10 923 A beschrieben.
Jedoch erweist sich die Prozessführung, insbesondere für
niedrigviskose Gläser, auf Grund der komplexen Eigenschaften des Glases, insbesondere
beim Einspeise- und Abkühlungsprozess, als außerordentlich kompliziert.
Die Prozessführung bei der Herstellung des Gobs ist im Wesentlichen
von der Menge des Glaspostens, der Form des herzustellenden Gobs und den Viskositätseigenschaften
des Glases abhängig. Probleme in der Prozessführung treten sowohl beim
Einspeisen des Glaspostens in die Form, beim optimalen Erzeugen und Einstellen des
benötigten Gaspolsters als auch hinsichtlich des zu steuernden Verlaufs des
Abkühlungs- und Formungsprozesses auf. Eine unausgewogene Prozessführung
führt zu qualitativ minderwertigen Gobs mit Blasen, Schlieren, Oberflächenverletzungen
und/oder Kühlwellen.
Zur Verbesserung der Prozessführung beim Einspeisen des Glases
und bei der Formgebung des Gobs wird in der US
2002/0062660 A1 vorgeschlagen, die Flussrate des Gases zur Erzeugung eines
optimalen Gaspolsters gezielt zu steuern. In einem ersten Schritt wird ein nach
unten fließender schmelzflüssiger Glasposten in einer Levitationsform
aufgefangen, in einem zweiten Schritt wird die Form mit erhöhter Geschwindigkeit
(höher als die Flussgeschwindigkeit des nach unten fließenden Glaspostens)
nach unten bewegt und in einem dritten Schritt wird der eingespeiste Glasposten
auf einem Gaspolster geformt. Der erste Schritt wird bei einer geringeren Flussrate
des Gases durchgeführt als der Flussrate im dritten Schritt, wobei die Flussrate
im ersten Schritt auch Null sein kann.
Bei einer derartigen Prozessführung kann es jedoch während
des Einspeisens zu einem Kontakt des Glaspostens mit der Form kommen, was zu einer
verminderten Qualität, d. h. zu Kühlwellen und Oberflächendefekten
der Gobs führt. Außerdem kann während einer derartigen Prozessführung
Glas an der Form anhaften, wobei die Öffnungen der Form verstopfen. Die Formen
können damit nicht mehr verwendet werden oder müssen zumindest aufwendig
gereinigt werden.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, die Qualität
der Gobs weiter zu verbessern und den Herstellungsprozess effektiver zu gestalten.
Die Lösung der Aufgabe gelingt mit einem Verfahren gemäß
Anspruch 1. Vorteilhafte Ausführungsformen sind in den weiteren Ansprüchen
beschrieben.
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung feuerpolierter
Gobs ist ein Levitationsverfahren und umfasst die Schritte:
- – Einspeisen eines schmelzflüssigen Glasposten in eine für
Fluide durchlässige erste Formhälfte,
- – Abkühlen des Glaspostens in der ersten Formhälfte,
- – wobei während des Einspeisens und Abkühlens des Glaspostens
ein erstes Fluidpolster zwischen der ersten Formhälfte und dem Glasposten erzeugt
wird, indem ein Fluid durch die erste Formhälfte geleitet wird,
- – der Durchfluss des Fluids zwischen dem Glasposten und der ersten Formhälfte
zumindest während des Einspeisens des Glaspostens unter Aufrechterhaltung des
ersten Fluidpolsters verringert wird und
- – wobei das Fluid zur Erzeugung des ersten Fluidpolsters die erste Formhälfte,
welche ein für das Fluid durchlässigen, porösen Werkstoff umfasst,
durchströmt.
Die erste Formhälfte, welche zumindest in einem Teilbereich,
vorzugsweise im Bereich einer Mulde bzw. Vertiefung der ersten Formhälfte,
vom Fluid durchströmt wird, ermöglicht dabei ein gleichmäßiges,
über die dem Glasposten zugewandte Oberfläche des durchströmten porösen
Bereichs der Formhälfte verteiltes Ausströmen des Fluids zur Bildung des
Gaspolsters.
Der Durchfluss des Fluids zwischen dem Glasposten und der ersten Formhälfte
wird insbesondere in Abhängigkeit von der Viskosität und der Geometrie
des Glaspostens eingestellt und verringert.
Der zu Beginn des Einspeisens einzustellende maximale Durchfluss ist
dabei derart einzustellen, dass sich der eingespeiste Glasposten als Gob ausbilden
kann und der Glasposten die Formhälfte nicht kontaktiert. Dabei ist ein hoher
Durchfluss wegen der Porosität der Formhälfte und einem damit verbundenem
gleichmäßigen Austreten des Fluids über feinstverteilte Öffnungen
aus der Formhälfte möglich, ohne den Glasposten zu durchströmen und
damit unbrauchbar zu machen.
Der Startwert des Durchflusses wird im Wesentlichen durch die Viskosität
des Glaspostens beim Einspeisen bestimmt. Der Verlauf der Absenkung des Durchflusses
richtet sich nach der Geometrie des Gobs und dem Verlauf der Viskosität des
Glaspostens beim Einspeisen und Abkühlen. So kann beispielsweise der Durchfluss
für Gobs mit flach ausgeprägter konvexer Geometrie schneller und auf einen
geringeren Wert abgesenkt werden als für Gobs gleichen Volumens mit stärker
ausgeprägter konvexer Geometrie.
Die Viskosität stellt eine Stoffeigenschaft des Glases dar und
ist von dessen chemischer Zusammensetzung abhängig. Die Viskosität ist
stark temperaturabhängig und der Viskositäts-Temperaturverlauf besitzt
für alle Gläser einen grundsätzlich gleichen charakteristischen,
weitgehend stetigen Verlauf. Die Viskositätswerte erstrecken sich von <
10 dPa·s (Schmelze) bis 1013 dPa·s bei Raumtemperatur. In der
Praxis unterscheidet man häufig drei Viskositätsbereiche, den Schmelzbereich,
den Verarbeitungsbereich und den Einfrierbereich.
Als niedrigviskose Gläser im Sinne dieser Erfindung werden Gläser
bezeichnet, deren Schmelzbereich bei 700°C bis 1500°C und deren Verarbeitungsbereich
bei 500°C bis 1100°C liegt. Derartige Gläser sind beispielsweise
Phosphatgläser, Fluorphosphatgläser, Fluorgläser, Lantangläser
und Schwerflintgläser.
Das Einspeisen der Glasposten in die Levitationsform, d. h. in die
erste Formhälfte, erfolgt bevorzugt bei einer Viskosität des Glaspostens
innerhalb des Schmelzbereiches, insbesondere erfolgt das Einspeisen niedrigviskoser
Glasposten mit einem Nadelspeiser bei einer Viskosität < 102
dPa·s.
Der Durchfluss des Fluids zwischen dem Glasposten und der ersten Formhälfte
wird bei niedrigviskosen Glasposten in einer vorteilhaften Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens von 20 l/min (unter Normalbedingungen)
auf einen Minimalwert, welcher ausreichend zur Erhaltung des Fluidpolsters ist,
verringert.
Die Verringerung des Durchflusses kann sowohl kontinuierlich als auch
diskontinuierlich erfolgen.
Die Einstellung und Verringerung des Durchflusses kann beispielsweise
mit einem Proportionalregelventil erfolgen, vorzugsweise derart, dass der Spalt
zwischen dem Glasposten und der ersten Formhälfte möglichst minimal ist,
wobei der Glasposten ruhig in der Formhälfte liegt und sich damit eine gute
Rundheit des Gobs einstellt.
Weiterhin besteht die Möglichkeit, den Durchfluss des Fluids
zwischen dem Glasposten und der ersten Formhälfte während des Abkühlens
des Glaspostens wieder zu erhöhen, vorzugsweise ab Erreichen einer Viskosität
des Glaspostens im Bereich des Littletonpunktes. Der Littletonpunkt wird auch als
Erweichungstemperatur, Erweichungspunkt oder Softening Point bezeichnet. Der Viskositätswert
im Bereich des Littletonpunktes ist ca. 107,6 dPa·s.
In einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform wird der Glasposten
mit einem Nadelspeiser in die erste Formhälfte eingespeist. Die erste Formhälfte
wird dazu unterhalb der Speiserdüse angeordnet und der senkrecht nach unten
fließende schmelzflüssige Glasposten wird in der ersten Formhälfte
aufgefangen, wobei der Abstand zwischen Speiserdüsenspitze und Glaspostenoberseite
konstant gehalten wird.
Die Portionierung des Glaspostens erfolgt auf die dem Fachmann bekannte
Weise. Zur Unterstützung des Abreißens des Glaspostens kann der Abstand
zwischen Speiserdüsenspitze und Glaspostenoberseite beim Beenden des Einspeisens
vergrößert werden.
Die Einspeisung ist auch mit anderen, insbesondere auch schnittmarkenfreien
Portionierungsverfahren möglich.
In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung des erfindungsgemäßen
Verfahrens wird nach dem Einspeisen des Glaspostens zwischen der Oberseite des Glaspostens
und einer für Fluide durchlässigen zweiten Formhälfte ein zweites
Fluidpolster erzeugt.
Die erste Formhälfte kann dazu beispielsweise von der Speiserdüse
zur zweiten Formhälfte bewegt werden, so dass die erste Formhälfte genau
unterhalb der zweiten Formhälfte, mit einem erforderlichen Abstand angeordnet
ist.
Das zweite Fluidpolster kann sowohl zur Optimierung der Abkühlung
des Glaspostens und damit zur Vermeidung von ungewolltem Schrumpf als auch zur Formgebung
der Oberseite des Gobs genutzt werden.
Außerdem kann damit der Gob zwischen den beiden Fluidpolstern
fixiert werden, so dass der Gob ruhig in der Form liegt und nicht aufschaukelt,
wodurch ebenfalls eine gute Rundheit gewährleistet wird. Das ist insbesondere
dann von Vorteil, wenn das Verfahren mit einer Rundläuferanlage durchgeführt
wird und durch ein ständiges Anfahren und Abbremsen des Rundläufers sich
die Gobs in den auf dem Rundläufer befindlichen Formen aufschaukeln würden.
Die zweite Formhälfte umfasst vorzugsweise ebenfalls einen für
das Fluid durchlässigen, porösen Werkstoff, insbesondere den gleichen
porösen Werkstoff wie die erste Formhälfte.
Als Fluide zur Erzeugung des ersten und/oder zweiten Fluidpolsters
werden vorzugsweise gereinigte, technische Gase, insbesondere gereinigte Luft verwendet.
Vorzugsweise weisen die erste Formhälfte und/oder zweite Formhälfte
eine Permeabilität k von 1·10–14 m2 bis 30·10–14
m2 für das Fluid auf. Dabei wird in der Regel nicht die gesamte
Form senkrecht zur Formoberfläche durchströmt, sondern hauptsächlich
der Formbereich, der zur Ausbildung des Fluidpolsters zwischen Glasposten und Formhälfte
erforderlich ist.
Die Permeabilität ist ein Maß für das Durchströmen
von Gasen oder Flüssigkeiten (Fluiden) durch einen porösen Körper.
Die Permeabilität k eines Körpers wird annähernd über das Darcysche
Gesetz definiert mit:
k = (q·&mgr;·l)/(&Dgr;p·A)
wobei:
- k
- = Permeabilität,
- q
- = Durchflussrate des Fluids durch den Körper,
- &mgr;
- = Viskosität des Fluids,
- &Dgr;p
- = Druckabfall des Fluids beim Durchströmen des Körpers,
- l
- = Länge des Körpers in Durchströmungsrichtung und
- A
- = Querschnittsfäche des Körpers die durchströmt wird
ist, bei annähernd laminaren Fließbedingungen, konstantem Druck und konstanter
Temperatur. Dabei ist die Permeabilität eines Körpers bei vorgegebener
Geometrie für ein Fluid vorgegebener Viskosität konstant.
Bei einer Verringerung der Durchflussrate des Fluids durch den Körper
ist eine dazu proportionale Veränderung des Druckabfalls des Fluids beim Durchströmen
des Körpers zu beachten.
Vorzugsweise wird als poröser Werkstoff ein Sinterwerkstoff verwendet.
Als Sinterwerkstoffe werden im Sinne dieser Erfindung Produkte der Pulvermetallurgie
betrachtet, welche aus pulverisierten Metallen zu Körpern verdichtet werden.
Durch das Sintern erhält der Körper seine Festigkeit. Durch die gezielte
Auswahl von Korngröße, Korngrößenverteilung, Schüttdichte,
Kornoberfläche und Molmasse wird die Porosität des gesinterten
Körpers und damit seine Permeabilität festgelegt.
Besonders geeignet sind Sinterwerkstoffe auf der Basis von korrosions-
und temperaturbeständigen Chrom-Nickel-Legierungen, Nickel-Kupfer-Legierungen
und/oder Nickel-Chrom-Molybdän-Legierungen, insbesondere Inconel 600, oder
poröse nichtoxidische Keramiken, insbesondere SiC, Si3N4
oder Graphit, welche eine geeignete Porosität für Gase, insbesondere für
Luft, eine hohe Temperaturfestigkeit von mindestens 400°C sowie eine genügende
Formstabilität und Druckfestigkeit aufweisen.
Bedingt durch den Volumenschrumpf des Glaspostens während des
Abkühlens, kann es zum Einzug der Oberseite des Gobs kommen. Es kann eine konkave
Oberfläche entstehen, welche bei zu starker Ausprägung den Gob für
den nachfolgenden Pressprozess untauglich macht.
Zur Optimierung des Abkühlungsprozesses und Vermeidung des Oberflächeneinzugs
wird in weiteren vorteilhaften Ausgestaltungen des Verfahrens der Glasposten nach
dem Einspeisen aktiv gekühlt. Dies kann beispielsweise über die zuvor
beschriebene zweite Formhälfte erfolgen, durch welche ein Kühlgas geleitet
wird oder mit einem Luftformer.
Weitere Optionen zur Optimierung der Kühlung sind Besprühen
des Gobs mit Wassernebel oder eine Veränderung der Luftfeuchtigkeit in der
Umgebung des Gobs.
Hochschmelzende Gläser kühlen bedingt durch Wärmestrahlung
schneller aus. Um den Temperaturunterschied zwischen dem inneren Bereich eines Glaspostens
aus einem hochschmelzenden Glas und dessen äußeren Bereich beim Abkühlen
klein zu halten und damit starke Verspannungen des Gobs und dadurch bedingte Rissbildungen
und Beschädigungen zu vermeiden, ist es vorteilhaft, derartige Glasposten nach
dem Einspeisen von oben zu beheizen.
Dazu kann beispielsweise eine IR-Strahlungsheizung oder eine Konvektionsheizung
oberhalb des Glaspostens positioniert werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit,
eine die Wärmestrahlung des Glaspostens reflektierende Fläche oder eine
feuerfeste Abdeckung zur Isolation oberhalb des Gobs anzuordnen.
Die Erfindung wird im Weiteren an Hand eines Ausführungsbeispieles
erläutert. Es zeigen dazu die
1 die schematische Darstellung eines in eine erste
Formhälfte eingespeisten Glaspostens mit Kühlung von oben
2 den Verlauf des Durchflusses in Abhängigkeit
von der Viskosität des Glases beim Einspeisen des Glaspostens
Das erfindungsgemäße Verfahren wird beispielhaft an Hand
der Herstellung eines Gobs aus einem Lanthanschwerflintglas, beispielsweise aus
dem Schott-Glas N-LaSF43, beschrieben. Der Durchmesser des herzustellenden Gobs
beträgt 15 mm, die Höhe 7 mm, wobei der Gob ein Volumen von 0,9 cm3
aufweist. Typischerweise weisen Gobs ein Volumen zwischen 0,1 cm3 und
5 cm3, einen Durchmesser von ca. 4 mm bis 40 mm und eine Mindestdicke
von 5 mm auf.
Derartige Gobs eignen sich beispielsweise für das Blankpressen
von Linsen oder anderen optischen Elementen für Anwendungen in digitalen Kameras
oder digitalen Projektoren.
Die Herstellung des Gobs erfolgt in einer gemäß
1 schematisch dargestellten ersten Formhälfte
2. Die erste Formhälfte 2 ist als Levitationsform ausgebildet
und auf der Formstation 4 befestigt. Die Formstation 4 ist in
senkrechter Richtung beweglich auf einem Rundläufer angeordnet (nicht dargestellt),
wobei sich auf dem Rundläufer mehrere Formstationen 4 befinden. Der
Rundläufer transportiert die Formstationen 4 zu den verschiedenen
Prozessstationen, wie beispielsweise Einspeisen des Glaspostens 1, Abkühlen
und Formen des Glaspostens 1 und Entnahme des Gobs. 1
zeigt die Formstation 4 in der Position des Abkühlens und Formens
des eingespeisten Glaspostens 1.
Die erste Formhälfte 2 besteht aus Inconel 600, SIKA
IL-05 IS, der Firma GKN Sinter Metals. Die erste Formhälfte 2 hat
für Gas durchlässige Oberflächenbereiche 6 und für
Gas undurchlässige Oberflächenbereiche 7.
Diese Bereiche können durch geeignete Oberflächenbehandlungen
der Form erzeugt werden. Die durchlässigen Oberflächenbereiche
6 entsprechen der Mulde bzw. Vertiefung der ersten Formhälfte
2. Dies ist der Oberflächenbereich, der maximal benötigt wird,
um ein Gaspolster 3 zwischen einem einzuspeisendem Glasposten
1 und der ersten Formhälfte 2 ausbilden zu können.
Es ist ebenso ein in der Mulde zentraler, jedoch die Mulde nicht ganz
abdeckender durchlässiger Oberflächenbereich 6 und ein entsprechend
vergrößerter undurchlässiger Oberflächenbereich 7 ausführbar.
Die erste Formhälfte 2 hat im durchströmten Bereich, welcher
durch die durchlässigen Oberflächenbereiche 6 festgelegt ist,
eine konstante Dicke und wird im wesentlichen senkrecht zur Muldenoberfläche
durchströmt. Die Mulde ist gemäß der gewünschten Form des herzustellenden
Gobs ausgeführt.
Zur Ausbildung des Gaspolsters 3, wird über eine Gaszuleitung
5 zur Formstation 4 gereinigte und entölte Luft unter Druck
zugeführt, welche die erste Formhälfte 2 durchströmt.
Weiterhin ist in 1 eine aktive Kühlung
des Glaspostens 1 gezeigt. Diese erfolgt durch eine oberhalb der Formstation
4 befindlichen Kühlstation 9 mit einer zweiten Formhälfte
8. Die zweite Formhälfte 8 besteht aus Edelstahl 1.4404,
SIKA R-1 IS, der Firma GKN Sinter Metals. Die zweite Formhälfte 8
hat ebenfalls für Gas durchlässige Oberflächenbereiche
6 und für Gas undurchlässige Oberflächenbereiche
7. Diese Bereiche sind parallel zur Formstation 4 verlaufende
Oberflächenbereiche der zweiten Formhälfte 8. Die zweite Formhälfte
8 hat im durchströmten Bereich, welcher durch die durchlässigen
Oberflächenbereiche 6 festgelegt ist, eine konstante Dicke und wird
im wesentlichen senkrecht durchströmt.
Zur Kühlung wird über eine Gaszuleitung 10 zur
Kühlstation 9 ebenfalls gereinigte und entölte Luft unter Druck
zugeführt.
Verfahrensablauf:
Die auf einem Rundläufer befindliche Formstation 4 mit
der ersten Formhälfte 2 wird unter einen Nadelspeiser positioniert,
wobei die Formstation 4 außerdem senkrecht nach oben zum Nadelspeiser
bewegt wird.
Der Formstation 4 wird über die Gaszuleitung
5 unter Druck stehende gereinigte entölte Luft zugeführt und
gleichzeitig wird der Glasposten 1 mit einer Viskosität von < 10
dPa·s eingespeist.
Es wird ein Startwert des Durchflusses der Luft zwischen Glasposten
1 und erster Formhälfte 2 von 20 l/min (unter Normalbedingung)
mittels eines die Gaszuführung steuernden Proportionalregelventils eingestellt.
Während des weiteren Einspeisens des Glaspostens 1 wird
zum einen der Durchfluss verringert, wobei das Gaspolster 3, welches sich
zwischen Glasposten 1 und der ersten Formhälfte 2 sofort
ausbildet, erhalten bleibt und zum anderen die Formstation 4 senkrecht
nach unten bewegt, so dass während des Einspeisens der Abstand zwischen Nadelspeiserspitze
und Oberseite des Glaspostens 1 konstant bleibt.
Zum Beenden des Einspeisens und zur Unterstützung des Abreißen
des Glaspostens 1 wird dieser Abstand durch weiteres Absenken der Formstation
4 vergrößert.
Die Steuerung und Absenkung des Durchflusses während des Einspeisens
erfolgt für den oben beschriebenen herzustellenden Gob gemäß der
in 2 dargestellten Kurve in Abhängigkeit von der
Viskosität des Glaspostens 1.
Nach dem Beenden des Einspeisen des Glaspostens 1 wird der
Durchfluss auf dem Niveau bei etwa 1 l/min (unter Normalbedingung) gehalten.
Nach dem Beenden des Einspeisens wird der Rundläufer weiterbewegt
und die Formstation 4 mit dem auf dem Gaspolster 3 befindlichen
Glasposten 1 in der ersten Formhälfte 2 unter die Kühlstation
9 positioniert.
Zur Kühlung wird eine Luftmenge von 10 l/min der Kühlstation
9 über die Gaszuleitung 10 zugeführt und durchströmt
die zweite Formhälfte 8 in Richtung der Glaspostenoberseite, wobei
diese gekühlt wird.
Nach einem Erreichen einer Viskosität des Glaspostens
1 von 1013 dPa·s kann dieser der ersten Formhälfte
2 entnommen werden.
Bezugszeichenliste
- 1
- Glasposten
- 2
- erste Formhälfte
- 3
- Gaspolster
- 4
- Formstation
- 5
- Gaszuleitung zur Formstation
- 6
- durchlässige Oberfläche
- 7
- undurchlässige Oberfläche
- 8
- zweite Formhälfte
- 9
- Kühlstation
- 10
- Gaszuleitung zur Kühlstation