Die vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung von thermoplastischer
PMMA-Formmasse zur Herstellung von Formkörpern, insbesondere durch Formpressen
oder Spritzgießen.
Formteile aus Kunststoffen werden, sofern sie in großen Stückzahlen
benötigt werden, wirtschaftlich im Spritzgießverfahren hergestellt. Haben
solche Formteile eine komplizierte Formteilgeometrie, die mit höchster Präzision
abgeformt werden soll, so integriert man oft in die Spritzgießwerkzeuge galvanisch
aufgebaute Einsätze, sogenannte Galvanos. Diese Technik bietet den Vorteil,
daß von einem ”Master” viele Galvanoeinsätze abgenommen
werden können und damit die Werkzeugkosten gesenkt werden können. Bei
der Verarbeitung von PMMA-Formmassen auf buntmetallhaltigen Werkzeugen, z. B. den
oben beschriebenen Galvanos, bzw. Maschinenteilen werden je nach Einsatzgebiet und
Verarbeitungsparametern mehr oder weniger starke Verschleißerscheinungen beobachtet.
Dadurch werden Werkzeuge bzw. Maschinenteile nach einer gewissen Zeit unbrauchbar
bzw. die erzeugten Formteile haben nicht mehr die geforderte Qualität. Hauptproblem
ist hierbei die Schädigung der Oberfläche (Politur). Durch Abblättern
von schwarzen Belägen der Werkzeug- bzw. Maschinenteile kann es aber auch zu
Verunreinigungen in Formteilen kommen.
Man nahm bisher an, daß diese Probleme durch die sehr hohen Temperaturen,
die durch die Kompression von Luft in den Gußwerkzeugen entstehen, verursacht
werden. Insbesondere in schmalen Vertiefungen der Formen bleiben kleine Luftblasen
zurück, die beispielsweise durch den Einspritzdruck stark komprimiert werden.
Die Hersteller von PMMA-Formmassen empfehlen daher zur Vermeidung der oben genannten
Probleme die Form gut zu entlüften oder bei möglichst niedriger Temperatur
zu arbeiten.
So wird die Herstellung von dimerem &agr;-Methylstyrol in der Patentschrift
DE 966 375 beschrieben. Enolether aliphatischer
und/oder cycloaliphatischer Aldehyde sind in der Patentschrift DE
3 010 373 offenbart. DE 3010373
beschreibt ein Polymerisationsverfahren zur Herstellung von Copolymeren aus Methacrylsäureestern,
mit Methacrylsäureestern copolymerisierbaren Vinylmonomeren und Enolethern,
wobei sich die Enolether aus aliphatischen oder cycloaliphatischen Aldehyden oder
Ketonen ableiten.
Die Enolether fungieren als Regler, ohne die negativen Eigenschaften,
wie beispielsweise Geruch, der schwefelhaltigen Regler aufzuweisen.
Die Darstellung von Terpenen wird in der EP
80 405 erläutert. Die Offenlegungsschriften JP
78/121 891 und JP 78/121 890
erläutern die Darstellung von &bgr;-Terpinen, Terpinolen, 1,4-Cyclohexadien,
1,4-Dihydronaphthalin, 1,4,5,8-Tetrahydronaphthalin. Die Herstellung von 2,5-Dihydrofuran,
2,5-Dimethylfuran und 3,6-Dihydro-2H-pyran wird in der Offenlegungsschrift
DE 2 502 283 dargestellt.
In Anbetracht des Standes der Technik ist es nun Aufgabe der vorliegenden
Erfindung, den Verschleiß der buntmetallhaltigen Werkzeuge bzw. Maschinenteile
wirksam zu reduzieren.
Weiters ist es Aufgabe der Erfindung, die Qualität von PMMA-Formteilen
zu verbessern, insbesondere im Hinblick auf deren Reinheit und Oberflächengüte.
Gelöst werden diese Aufgaben sowie weitere nicht explizit genannte
Aufgaben, die aus den hierin diskutierten Zusammenhängen ableitbar oder erschließbar
sind, durch die im Anspruch 1 beschriebenen Maßnahmen. Zweckmäßige
Abwandlungen der erfindungsgemäßen Verwendung werden in den auf Anspruch
1 rückbezogenen Unteransprüchen unter Schutz gestellt.
Dadurch, daß man im wesentlichen schwefelfreie thermoplastische
PMMA-Formmasse zur Herstellung von Formkörpern mit buntmetallhaltigen Werkzeugen
verwendet, gelingt die effektive Reduktion des Verschleißes der buntmetallhaltigen
Werkzeuge bzw. Maschinenteile.
Insbesondere wird unter anderem die chemische Korrosion der Metalle
zu den Metallsulfiden verhindert. Dies ist überraschend, da der Schwefelgehalt
der handelsüblichen Formmassen nur 500 bis 800 ppm beträgt. Des weiteren
stammt ein Großteil des Schwefelgehalts von sog. Molekulargewichtsreglern.
Diese werden jedoch größtenteils über kovalente Bindungen in das
Polymer eingebaut.
Der Begriff ”im wesentlichen schwefelfrei” bedeutet,
daß keine schwefelhaltigen Regler eingesetzt werden und daß der Schwefelgehalt
der PMMA-Formmassen geringer als 50 ppm, bevorzugt geringer als 30 ppm, besonders
bevorzugt geringer als 10 ppm und ganz besonders bevorzugt geringer als 5 ppm ist.
Thermoplastische PMMA-Formmassen sind Homo- oder Copolymere, die durch
Polymerisation von Methylmethacrylat allein oder in Kombination mit einem oder mehreren
ethylenisch ungesättigten Monomeren erhältlich sind und die thermoplastisch
verarbeitet werden können.
Buntmetallhaltige Werkzeuge sind Werkzeuge, insbesondere Einsätze,
Düsen und Kanäle, die Buntmetalle enthalten. Unter Buntmetallen sind Metalle
zu verstehen, die schwerlösliche Sulfide bilden. Hierzu gehören u. a.,
ohne daß hierdurch eine Einschränkung erfolgen soll, Nickel, Kupfer und
Legierungen dieser beiden Metalle miteinander bzw. mit anderen Metallen wie z. B.
Beryllium, Zink oder Zinn.
Die Herstellung von Formkörpern aus den oben erwähnten PMMA-Massen
kann auf jede dem Fachmann bekannte Art erfolgen. Hierzu gehören insbesondere
die Extrusion, das Spritzgießen und das Formpressen, bevorzugt ist hiervon
das Spritzgießen und das Formpressen.
Die oben erwähnten PMMA-Formmassen sind Formmassen, die auf PMMA-Homo-
und/oder Copolymeren beruhen, welche erhältlich sind durch die Polymerisation
von
- (i) 5 bis 100 Gew.-%, vorzugsweise 50 bis 100 Gew.-% und besonders bevorzugt
80 bis 100 Gew.-% Methylmetacrylat (MMA)
- (ii) 0 bis 95 Gew.-%, vorzugsweise 0 bis 50 Gew.-% und besonders bevorzugt 0
bis 20 Gew.-% eines oder mehrerer ethylenisch ungesättigter mit (i) copolymerisierbaren
Monomere,
wobei (i) und (ii) zusammen 100 Gew.-% ergeben,
- (iii) 0,05 bis 5 Gew.-%, bezogen auf 100 Gew.-% der Summe aus (i) und (ii),
wenigstens eines schwefelfreien Molekulargewichtsreglers, und
- (iv) bis 100 Gew.-% relativ zu der Summe aus (i) und (ii), für thermoplastische
Formmassen übliche Zusätze,
und welche ein durchschnittliches Gewichtsmittel des Molekulargewichts
Mw
im Bereich von 2 × 104 bis 3 × 105, vorzugsweise
5 × 104 bis 2,5 × 105 und besonders bevorzugt 8
× 104 bis 2 × 105 aufweisen.
Die Komponente (i) ist kommerziell erhältlich. Ihr Gewichtsanteil
beträgt 5 bis 100 Gew.-%, vorzugsweise 50 bis 100 Gew.-% und besonders bevorzugt
80 bis 100 Gew.-%. Ist der Gewichtsanteil kleiner als 5 Gew.-%, so treten die Eigenschaften
der Methylmethacrylat-Komponenten nicht in Erscheinung.
Zu oben erwähnten ethylenisch ungesättigten Monomeren, die
als Komponente (ii) in den PMMA-Formmassen neben Methylmethacrylat enthalten sein
können, gehören u. a. Vinylester, Ester der Acrylsäure, beispielsweise
Methyl- und Ethylacrylat, Ester der Methacrylsäure, die sich von Methylmethacrylat
unterscheiden, beispielsweise tert-Butylmethacrylat, n-Butylmethacrylat und Ethylhexylmethacrylat
sowie Cycloalkylacrylate und Cycloalkylmethacrylate, Vinylchlorid, Vinylidenchlorid,
Vinylacetat, Styrol, substituierte Styrole mit einem Alkylsubstituenten in der Seitenkette,
wie z. B. &agr;-Methylstyrol und &agr;-Ethylstyrol, substituierte Styrole mit
einem Alkylsubstituenten an dem Ring, wie beispielsweise Vinyltoluol und p-Methylstyrol,
halogenierte Styrole, wie beispielsweise Monochlorstyrole, Dichlorstyrole, Tribromstyrole
und Tetrabromstyrole, Vinyl- und Isopropenylether, Maleinsäurederivate, wie
beispielsweise Maleinsäureanhydrid, Methylmaleinsäureanhydrid, Maleinimid,
Methylmaleinimid, Phenylmaleinimid und Cyclohexylmaleinimid, und Diene, wie beispielsweise
1,3-Butadien und Divinylbenzol, bevorzugt sind Acrylester, Methacrylsäureester,
die von (i) verschieden sind, Vinylacetat, Vinylchlorid, Vinylidenchlorid, Styrol,
&agr;-Methylstyrol, halogensubstituierte Styrole, Vinylether, Isopropenylether
und Diene.
Alle oben genannten Monomere sind kommerziell erhältlich. Sie
werden in einer Menge von 0 bis 95 Gewichts-%, vorzugsweise 0 bis 50 Gew.-% und
besonders bevorzugt 0 bis 20 Gew.-% bezogen auf die Gesamtmenge der monomeren Komponenten,
mit Methylmethacrylat copolymerisiert. Ist der Gewichtsanteil größer als
95% so treten die Eigenschaften der Methacrylsäure-Komponente (i) nicht in
Erscheinung.
Als erfindungsgemäße Komponente (iii) muß zur Steuerung
des Molekulargewichts ein schwefelfreier Regler eingesetzt werden.
Erfindungsgemäße schwefelfreie Molekulargewichtsregler sind
beispielsweise, ohne daß hierdurch eine Einschränkung erfolgen soll, dimeres
&agr;-Methylstyrol (2,4 Diphenyl-4-methyl-1-penten), Enolether aliphatischer und/oder
cycloaliphatischer Aldehyde, Terpene, &bgr;-Terpinen, Terpinolen, 1,4-Cyclohexadien,
1,4-Dihydronaphthalin, 1,4,5,8-Tetrahydronaphthalin, 2,5-Dihydrofuran, 2,5-Dimethylfuran
und/oder 3,6-Dihydro-2H-pyran, bevorzugt ist dimeres &agr;-Methylstyrol.
Die schwefelfreien Molekulargewichtsregler werden in einer Menge im
Bereich von 0,05 bis 5 Gew.-%, bevorzugt 0,1 bis 2 Gew.-%, bezogen auf 100 Gew.-%
der monomeren Komponenten eingesetzt. Ist der Gewichtsanteil des Molekulargewichtsreglers
größer als 5 Gew.-%, so wird das Gewichtsmittel des Molekulargewichts
des Polymeren zu klein. Ist der Gewichtsanteil des Molekulargewichtsreglers kleiner
als 0,05 Gew.-%, so wird das Gewichtsmittel des Molekulargewichts des Polymeren
zu groß.
Diese Regler sind handelsüblich. Sie lassen sich aber auch auf
dem Fachmann bekannte Weise herstellen.
Als Komponente (iv) können die PMMA-Formmassen für thermoplastische
Formmassen übliche Zusätze erhalten.
Beispielhaft seien folgende Zusatzstoffe genannt: Antistatika, Antioxidantien,
Biostabilisatoren, chemische Treibmittel, Entformungsmittel, Flammschutzmittel,
Schmiermittel, Farbmittel, Fließverbesserungsmittel, Füllstoffe, Gleitmittel,
Lichtschutzmittel, optische Aufheller, organische Phosphite, Pigmente, Schlagzähigkeitsverbesserer,
Vernetzungsmittel, Verstärkungsmittel, Verstärkungsfasern, Verwitterungsschutzmittel
und Weichmacher. Bei der Auswahl geeigneter Zusatzstoffe muß darauf geachtet
werden, daß diese im wesentlichen schwefelfrei sind.
Die Zusatzstoffe werden in üblicher Menge, d. h. bis zu 100 Gew.-%,
vorzugsweise bis zu 10 Gew.-% relativ zu der Summe aus (i) und (ii) eingesetzt.
Ist die Menge größer als 100 Gew.-% relativ zu der Summe aus (i) und (ii),
so können Eigenschaften der Formmasse, wie beispielsweise die Verarbeitbarkeit
und/oder die mechanischen Eigenschaften, nachteilig beeinflußt werden.
Die erfindungsgemäß verwendbaren Formmassen können
zur Modifikation von Eigenschaften andere Polymere enthalten. Diese Polymermischungen
sind dem Fachmann als ”blends” bekannt. Zu diesen Polymeren gehören
beispielsweise, ohne daß hierdurch eine Einschränkung erfolgen soll, alle
die durch radikalische Polymerisation der oben genannten Monomere oder Mischungen
dieser Monomere entstehen, sowie Polycarbonate, Polyester, Polyamide, Polyimide,
Polyurethane und Polyether.
Das Gewichtsmittel des Molekulargewichts
Mw
der erfindungsgemäß zu verwendenden Homo- und/oder Copolymere liegt im
allgemeinen im Bereich zwischen 20 000 und 300 000, vorzugsweise 50 000 bis 250
000 und besonders bevorzugt 80 000 bis 200 000. Ist das Gewichtsmittel des Molekulargewichts
kleiner als 20 000, so verliert die Formmasse ihre mechanischen Eigenschaften. Ist
das Gewichtsmittel des Molekulargewichts hingegen größer als 300 000,
so kann die Formmasse nur schlecht thermoplastisch verarbeitet werden.
Die Herstellung der oben erwähnten erfindungsgemäß
zu verwendenden PMMA-Homo- und/oder Copolymere nach den verschiedenen Verfahren
der radikalischen Polymerisation ist an sich bekannt. So können die Polymere
in Substanz-, Lösungs-, Suspensions- oder Emulsionspolymerisation hergestellt
werden. Die Substanzpolymerisation ist beispielhaft in Houben-Weyl, Band E20, Teil
2 (1987), S. 1145ff. beschrieben. Wertvolle Hinweise hinsichtlich der Lösungspolymerisation
finden sich eben dort auf S. 1156ff.
Erläuterungen zur Suspensionspolymerisationstechnik finden sich
eben dort auf S. 1149ff., während die Emulsionspolymerisation eben dort auf
S. 1150ff. ausgeführt und erläutert wird.
Erfindungsgemäß einzusetzenden Polymere lassen sich günstigerweise
zu Kunststofformmassen in Granulatform verarbeiten. Diese Formmassengranulate sind
dann für die weitere Verarbeitung durch Formpressen, Extrusion oder Spritzgießen
besonders geeignet. Die Herstellung der Formmassengranulate erfolgt durch Extrusion
und Granulation der in Platten oder Perlform angefallenen Kunststoffe, wobei niedermolekulare
Begleitstoffe von den Polymeren durch Entgasung im Extruder abgetrennt und die oben
erwähnten Zusatzstoffe während des Extrusionsvorgangs beigemischt werden
können. Ein derartiges Verfahren wird z. B. im Handbuch der Kunststoff-Extrusionstechnik,
Bd. I und II (Hrsg.: F. Heusen, W. Kappe, H. Potente; Hauser Verlag 1986 und 1989)
beschrieben.
Die besondere wirtschaftliche Bedeutung der Verwendung der erfindungsgemäßen
Formmassen ist überall dort gegeben, wo aus technischen Gründen nur Werkzeuge
aus Buntmetallen verwendet werden können bzw. wo sich durch Einsatz dieser
Metalle ein wirtschaftlicher Vorteil ergibt.
So können Mikrostrukturen oder spezielle optische Strukturen
oft nur durch galvanische Abformtechnik hergestellt werden. Formwerkzeuge,
mit denen Reflektoren oder Rückstrahler für Fahrzeuge hergestellt werden,
werden beispielsweise aus Paketen von äußerst präzise geschliffenen
und polierten Stahlstiften aufgebaut. Diese Werkzeuge sind sehr teuer, so daß
aus Kostengründen von einem Stahlstiftpaket viele galvanische Nickelabzüge
hergestellt werden, um diese als Werkzeugeinsätze zu verwenden.
Aufgrund der guten Wärmeleitfähigkeit werden in Werkzeugen
und Maschinen oft Heißkanaldüsen oder Verteilerkanäle aus Kupferlegierungen
eingesetzt. In Kontakt mit einer schwefelhaltigen Schmelze bildet sich ein schwarzer
Belag auf der Oberfläche, aus dem schwarze Partikel in das Formteil ”geschleppt”
werden. Diese schwarzen Partikel stören insbesondere bei optischen Anwendungen
(Lupen, Linsen, Lichtleiter und Sichtteile) und führen zu Ausschuß.
Die erfindungsgemäße Verwendung verringert diese Nachteile.
Die nachfolgenden Beispiele dienen ebenso wie die beigefügten
Figuren zur Veranschaulichung des Gegenstandes der Erfindung.
In den Figuren zeigen:
: Werkzeugeinsatz indem eine Formmasse mit
725 ppm Schwefelgehalt 34 mal abgeformt wurde.
: Werkzeugeinsatz indem eine Formmasse mit
630 ppm Schwefelgehalt 100 mal abgeformt wurde.
: Werkzeugeinsatz indem eine Formmasse ohne
meßbaren Schwefelgehalt 360 mal abgeformt wurde.
: REM Aufnahme der Oberfläche eines Werkzeugeinsatzes
indem eine Formmasse mit 725 ppm Schwefelgehalt 34 mal abgeformt wurde.
: REM Aufnahme der Oberfläche eines Werkzeugeinsatzes
indem eine Formmasse mit 630 ppm Schwefelgehalt 100 mal abgeformt wurde.
: REM Aufnahme der Oberfläche eines Werkzeugeinsatzes
indem eine Formmasse ohne meßbaren Schwefelgehalt 360 mal abgeformt wurde.
: REM-Spektrum der Oberfläche eines Werkzeugeinsatzes
indem eine Formmasse mit 725 ppm Schwefelgehalt 34 mal abgeformt wurde.
: REM-Spektrum der Oberfläche eines Werkzeugeinsatzes
indem eine Formmasse mit 630 ppm Schwefelgehalt 100 mal abgeformt wurde.
: REM-Spektrum der Oberfläche eines Werkzeugeinsatzes
indem eine Formmasse ohne meßbaren Schwefelgehalt 360 mal abgeformt wurde.
Beispiel 1
Herstellungsbeispiel:
Eine Lösung aus 940 Teilen Methylmetacrylat (MMA), 60 Teilen
n-Butylacrylat, 8 Teilen dimeres &agr;-Methylstyrol und 9 Teilen Dilauroylperoxid
wurde in 2000 Teilen Wasser, in dem 1,1 Teile des Ammoniumsalzes eines wasserlöslichen
Coplymeren aus MMA und Methacrylsäure gelöst waren, suspendiert und nach
dem Suspensionsverfahren 2 Stunden bei 78°C und 1 Stunde bei 49°C polymerisiert.
Die erhaltenen Polymerisationsperlen wurden abfiltriert, gründlich
mit vollentsalztem Wasser ausgewaschen und bei 80°C getrocknet. Es wurden 970
Teile klarer Polymerisatperlen mit einem Schmelzindex nach DIN 7745 von 2,8 g/10
min erhalten.
Beispiel 2
Herstellungsbeispiel:
In einem 51 Polymerisationsgefäß, ausgestattet mit Rührer,
Rückflußkühler und Thermometer, wurde ein Gemisch aus 3200 g vollentsalztem
Wasser und 64 g einer 6 prozentigen wäßrigen Lösung des Ammoniumsalzes
eines Methylmetacrylatmethacrylsäure-Copolymeren auf 40°C erwärmt.
Unter Rühren wurden nun 1600 g eines Gemisches aus 92,4 Gewichtsteilen Methylacrylat,
5,9 Gewichtsteilen n-Butylacrylat,
0,8 Gewichtsteilen dimeres &agr;-Methylstyrol und
0,9 Gewichtsteilen Dilauroylperoxid zugegeben. Der Ansatz wurde 2 Stunden bei 78°C
und 1 Stunde bei 98°C polymerisiert und dann auf Raumtemperatur abgekühlt.
Die Polymerisatperlen wurden abfiltiert, gründlich mit vollentsalztem Wasser
ausgewaschen und in einem Wirbelbett-Trockner bei 80°C getrocknet.
Es wurden 1565 g klare Polymerisatperlen mit einem Schmelzindex nach
DIN 7745 von 2,4 g/10 min erhalten.
Beispiel 3
Formpressen:
Es wurden 3 PMMA-Formmassen mit unterschiedlichem Schwefelgehalt geprüft:
- Plexiglas® 7 N von Röhm dessen Schwefelgehalt ca. 725 ppm
betrug,
- Lucryl® G 66 Q 14 von BASF dessen Schwefelgehalt ca.
- 630 ppm betrug und
eine gemäß Beispiel 2 hergestellte Formmasse deren Schwefelgehalt nicht
nachweisbar war.
Das Formpressen findet bei folgenden Verarbeitungsparametern statt:
Werkzeugtemperaturen:
ca. 160–200°C
Preßdruck:
100 bis 500 bar
Preßzeit:
5 bis 60 Minuten.
In den und
ist dargestellt, daß die Werkzeugansätze bei diesem Verfahren von schwefelhaltigen
Formmassen sehr schnell korrodiert und dadurch unbrauchbar werden. Die abgebildeten
Werkzeugteile besitzen fünf Formen. Die formgebenden Bereiche befinden sich
am Rand der einzelnen Formen. Dort tritt die störende Korrosion auf.
Abhängig vom Schwefelgehalt und den Verarbeitungsparametern wurden
folgende Standzeiten erreicht:
725 ppm Schwefel
nach 34 Abformungen unbrauchbar (siehe Abb. 1)
630 ppm Schwefel
nach 100 Abformungen unbrauchbar (siehe Abb. 2)
kein Schwefel
nach 360 Abformungen noch unbeschädigt (siehe Abb. 3).
Die Nickeloberfläche der Werkzeugeinsätze in denen schwefelhaltige
Formmassen verarbeitet wurden, läuft schwarz an, wobei an den betroffenen Stellen
Schwefel nachweisbar ist.
Die entsprechenden Analysen wurde anhand der obengenannten Werkzeugeinsätze
durchgeführt. Die (34 Abformungen, Schwefelgehalt
725 ppm), 5 (100 Abformungen Schwefelgehalt 630 ppm) und 6 (360 Abformungen, kein
Schwefelgehalt) zeigen REM-Aufnahmen der Werkzeugeinsätze. Der Verschleiß
der Oberfläche ist in den
und deutlich
durch eine rauhe Oberfläche im Vergleich zu der in
dargestellten zu erkennen.
Die (34 Abformungen, Schwefelgehalt
725 ppm), 8 (100 Abformungen Schwefelgehalt 630 ppm) und 9 (360 Abformungen, kein
Schwefelgehalt) stellen REM-Spektren dar, aus denen der Schwefelgehalt der Oberfläche
der Werkzeugeinsätze hervorgeht.
Der Nachweis von Schwefel unter dem REM-Mikroskop erfolgt durch energiedispersive
Röntgenmikroanalyse. Hierbei wird die Probe mit einem Elektronenstrahl (20
000 V) angeregt. Die in der Probe vorhandenen Elemente mit einer
Ordnungszahl größer 12 emittieren durch die Anregung Röntgenstrahlen.
Jedes Element emittiert charakteristische Energien, wobei die Menge (Häufigkeit)
der emittierten Strahlung ein Maß für den Gehalt des Elements in der Probe
ist. Als Detektor dient ein Vielkanalanalysator (1024 Kanäle à 20 eV).
Es zeigt sich, daß die Oberfläche der Werkzeugeinsätze
in denen schwefelhaltige Formmassen verarbeitet wurden, Schwefel enthalten, der
sich auf den Oberfläche des Werkzeugeinsatzes indem keine schwefelhaltige Formmasse
verarbeitet wurde, nicht nachweisen läßt.
Beispiel 4
Spritzgießen mit Messingeinsätzen:
Es wurden folgende Formmassen verwendet:
- Resarit® 830 ZK von Resart-IHM AG dessen Schwefelgehalt 365
ppm betrug,
- Degalan® G 7 E von Degussa dessen Schwefelgehalt 520 ppm betrug,
und
eine gemäß Beispiel 2 hergestellte Formmasse deren Schwefelgehalt nicht
nachweisbar war.
Das Spritzgießen findet bei folgenden Verarbeitungsparametern
statt:
Massetemperaturen:
220–260°C
Werkzeugtemperaturen:
60–80°C
Spritzdruck:
500–1000 bar
Zykluszeit:
ca. 30 sec.
Bei vergleichenden Produktionen wurden folgende Unterschiede festgestellt:
- PMMA mit 520 ppm Schwefel:
nach 16 Stunden Anlaufen der Werkzeuge, Produktionsunterbrechung zwecks Nachpolitur
- PMMA mit 365 ppm Schwefel:
nach 26 Stunden Anlaufen der Werkzeuge, Produktionsunterbrechung zwecks Nachpolitur
- PMMA ohne Schwefel:
kein Anlaufen der Werkzeuge.
Der schwarze Belag wurde durch REM-Analyse als Kupfersulfid identifiziert.
Weitere Vorteile und Ausführungsformen der Erfindung ergeben
sich aus den nachfolgenden Patentansprüchen.