Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Nutzung
von Sauerstoff in einem Prozess zur thermochemischen Vergasung von Biomasse in Wirbelschichtreaktoren
zur Herstellung von Synthesegas.
Hintergrund der Erfindung
Die Herstellung von Synthesegas aus Biomasse ist eine Schlüsseltechnologie
für die zukünftige Wasserstoffwirtschaft. Dabei wird die Energie überwiegend
als Wasserstoff zu den Endverbrauchern transportiert. Ein Stromnetz wird in dieser
wärmegeführten Energiewirtschaft dann nicht benötigt. Die als Strom
geernteten Sonnenenergien müssen dann per Wasserelektrolyse zu Wasserstoff
umgewandelt werden. Dabei entsteht zwangsläufig Sauerstoff. Dieser Sauerstoff
kann für die thermochemische Vergasung von Biomasse nutzbar gemacht werden.
Damit steht reiner Sauerstoff auch für kleinere Vergaser bis 200 MW kostengünstig
zur Verfügung.
Stand der Technik
Der erste Schritt zur Herstellung von Wasserstoff aus Biomasse besteht
in der Herstellung von Synthesegas mittels Dampfreformierung. Dieser Prozess ist
endotherm. Es muss also thermische Energie in den Prozess eingekoppelt werden. Das
kann durch Teilverbrennung der Biomasse geschehen. Die Zufuhr von Sauerstoff in
einen Reaktor bei einem Temperaturniveau von etwa 800°C ist aber nicht einfach,
weil durch ein hohes Sauerstoffangebot die Ascheanteile der Biomasse aufschmelzen.
Deshalb muss der Sauerstoff entweder mit Wasserdampf oder Stickstoff verdünnt
sein oder die Biomasse muss als kleiner Anteil im inerten Bettmaterial in Form von
kleinen Kokspartikeln vorliegen, welche die Wärme schnell an das Bettmaterial
weitergeben. Deshalb werden Wirbelschichtreaktoren meistens mit Luft betrieben.
Die bekannteste industrielle Anlage dieser Art befindet sich in Güssing, Österreich
(Siehe: Zweibett Wirbelschichtvergasung in Güssung mit 2 MWe/4,5; MWt;
R. Rauch, H. Hofbauer; Holzenergiesymposium 18th October 2002, ETH
Zürich, Switzerland), Diese Anlage weist zwei Wirbelschichtreaktoren
auf, die durch einen Sandkreislauf miteinander verbunden sind. Der Brenner genannte
Reaktor wird mit Luft betrieben. Hier werden die Kokspartikel verbrannt und das
umlaufende Sandbett auf ca. 950°C aufgeheizt. Die Temperatur der Kokspartikel
kann unter diesen oxidierenden Bedingungen mehr als 1100°C betragen. Deshalb
ist dieser Reaktortyp nur mit Holz sicher zu betreiben. Die Verwendung von halmgutartiger
Biomasse würde auf Grund ihres niedrigen Ascheschmelzpunktes zur Verklumpung
des Sandes führen. Für eine druckaufgeladene Vergasung, wie sie für
die Herstellung von Wasserstoff vorteilhaft wäre, ist dieser Reaktortyp weniger
gut geeignet. Im Prinzip kann man Wirbelschichtreaktoren auch autotherm durch direkte
Zuführung von reinem Sauerstoff betreiben. In der Praxis wird dabei aber der
Ascheschmelzpunkt von Biomasse überschritten, auch wenn der Sauerstoff zur
Hälfte mit Wasserdampf verdünnt wird. Der autotherme Betrieb erfordert
dann eine besondere Ausgestaltung der Sauerstoffzufuhr, wie sie in DE
102 42 594 A1 offenbart ist und einen speziellen Austrag für die aufgeschmolzene
Asche. Diese Asche ist als Mineraldünger nicht verwertbar.
Mit reinem Sauerstoff ist also weder ein allothermer Betrieb wie beim
Typ Güssing, noch ein autothermer Betrieb durch Eindüsen von reinem Sauerstoff
möglich, ohne den Ascheschmelzpunkt zu überschreiten. Bereits ein Sauerstoffgehalt
von 21% (Luft) ist problematisch.
Aufgabe der Erfindung und allgemeine Beschreibung
Es ist Aufgabe der Erfindung, die geschilderten Nachteile zu vermeiden
und die Nutzung von Sauerstoff für die Vergasung von Biomasse in Wirbelschichtreaktoren
zu ermöglichen. Insbesondere soll reiner Sauerstoff für die Dampfreformierung
von Biomasse mit niedrigem Ascheschmelzpunkt nutzbar gemacht werden.
Diese Aufgabe wird mit den Merkmalen der Patentansprüche 1 und
6 gelöst. Die Ansprüche 2 bis 5 sowie 7 bis 17 betreffen weitere vorteilhafte
Ausgestaltungen der Erfindung.
Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung wird diese
Aufgabe dadurch gelöst, dass man in die Wirbelschicht eines Wirbelschichtreaktors
eine Vielzahl von porösen Rohren einbringt und Sauerstoff so einführt,
dass dieser mit dem Produktgas in den Poren der Rohre reagiert und die Rohre erwärmt.
Die Wärme wird von den Rohren durch Wärmeübertragung an die Wirbelschicht
abgegeben. Bedingt durch die große Oberfläche werden die Rohre nur wenig
heißer als die Wirbelschicht. Dadurch wird auch Biomasse mit niedrigschmelzender
Asche nutzbar.
Mit der vorliegenden Erfindung wird der direkte Kontakt von Sauerstoff
mit den aus Biomasse gebildeten Kokspartikeln weitgehend vermieden. Erfindungsgemäß
ist sowohl ein allothermer als auch ein autothermer Betrieb möglich. Unter
Sauerstoff wird hier ein sauerstoffhaltiges Gas verstanden, vorzugsweise jedoch
technisch reiner Sauerstoff.
Als Wirbelschicht wird hier jegliche Ausbildung von Reaktionszonen
mit schwebenden Kokspartikeln verstanden, die sich aus Biomasse bilden. Das Wirbelbett
kann inertes Material, wie Sand, enthalten, muss es aber nicht.
Die Erfindung lässt sich auf eine klassische stationäre Wirbelschicht
mit und ohne Sand, eine zirkulierende Wirbelschicht oder eine Kokswolke anwenden.
Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass im Wirbelbett des Wirbelschichtreaktors
ein Körper bzw. eine Struktur angeordnet ist. Die Begriffe ”Körper”
und ”Struktur” werden hier gleichbedeutend verwendet. Vorzugsweise
weist der Körper eine große Oberfläche auf. Weiter vorzugsweise ist
der Körper gasdurchlässig.
Sauerstoff wird hier genutzt, um durch Oxidation oder Teiloxidation
eines Gases eine Struktur aufzuheizen, die ihre Wärme durch Wärmeleitung,
Konvektion und Wärmestrahlung an die Wirbelschicht abgibt. Als Struktur für
die industrielle Vergasung eignen sich vor allem Rohre, die in großer Zahl
in einer Wirbelschicht eines Wirbelschichtreaktors angeordnet werden können.
Die Rohre können je nach Prozessführung gasdurchlässig oder dicht
sein. Gasdurchlässig sind beispielsweise gesinterte Rohre mit verbundenem Porenraum,
Gewebe oder Rohre, die perforiert sind.
Eine vorteilhafte Prozessführung kann mit Rohren erzielt werden,
die eine poröse Struktur aufweisen, wie man sie von Kerzenfiltern kennt. Geeignet
sind keramische und metallische Werkstoffe. In den Rohren können weitere Rohre
angeordnet sein, die ebenfalls eine gasdurchlässige Struktur aufweisen. Die
Aufheizung der äußeren Rohre kann beispielsweise in den folgenden Verfahren
zur Führung des Sauerstoffs und des zu oxidierenden Gases erfolgen.
- (a) Der dem Rohr zugeführte Sauerstoff strömt durch Anlegen einer
Druckdifferenz von innen nach außen durch die gasdurchlässige äußere
Rohrwand. Dann wird das im Wirbelschichtreaktor enthaltene Gas in den Poren der
äußeren Schicht oxidieren und damit das Rohr aufheizen. Bei einem Rohr
mit sehr kleinen Poren oder feiner Perforation wird die Oxidation unmittelbar in
Wandnähe erfolgen, wobei der überwiegende Teil der Energie der Aufheizung
des Rohres dient. Die oxidierten oder teiloxidierten Gase verbleiben damit im Wirbelschichtreaktor.
Es liegt hier also eine autotherme Vergasung vor.
- (b) Durch Anlegen einer negativen Druckdifferenz kann das im Wirbelschichtreaktor
enthaltene Gas auch veranlasst werden, in den Innenraum des gasdurchlässigen
äußeren Rohres zu strömen, um mit dem zugeführten Sauerstoff
im Rohr zu reagieren. Die Oxidation erfolgt hier an der Innenwand analog zum Fall
(a). Die oxidierten oder teiloxidierten Gase werden dabei aus dem Rohr zur weiteren
Verwendung abgezogen. Die weitere Verwendung kann beispielsweise darin bestehen,
die fühlbare Wärme für den Gesamtprozess nutzbar zu machen.
- (c) Bei einer Struktur, die aus einer Vielzahl von jeweils zwei konzentrisch
angeordneten gasdurchlässigen Rohren besteht, kann man zur Aufheizung der Struktur
ein beliebiges brennbares Gas verwenden, das entweder in den Ringraum zwischen den
Rohren oder in das innere Rohr eingeführt wird. Der Sauerstoff wird dann jeweils
in den verbleibenden anderen Raum eingeführt. Wenn der Sauerstoff beispielsweise
in das innere gasdurchlässige Rohr eingeführt wird und das Gas in den
Ringspalt, dann strömt der Sauerstoff bei einer positiven Druckdifferenz in
den Ringraum, wo das Gas mindestens teilweise oxidiert wird. Das Innenrohr wird
dadurch heiß und überträgt die Wärme an das äußere
Rohr, das wiederum die Wärme an die Wirbelschicht des Wirbelschichtreaktors
abgibt. Wählt man als Gas ein teerhaltiges Pyrolysegas, ist es wünschenswert,
dass das Innenrohr eine möglichst hohe Temperatur erreicht. In diesem Falle
ist es vorteilhaft, im Ringraum ein zusätzliches Wärmeschild anzuordnen.
Das kann beispielsweise ein gerolltes perforiertes Blech sein. Dieses Blech kann
so gestaltet sein, dass eine möglichst hohe Turbulenz entsteht, damit die Gasmoleküle
möglichst oft Kontakt mit der heißen Rohrwand bekommen. Zur Unterstützung
der Teerzerstörung ist es vorteilhaft, mindestens das Innenrohr katalytisch
zu beschichten. Geeignet sind dafür beispielsweise nickelbasierte Katalysatoren
aus der Gruppe VIII des Periodensystems, die auch Ammoniak zerstören können.
Auch die Dotierung nickelbasierter Katalysatoren mit MgO, ZrO2 oder ZrO2-Al2O3
ist vorteilhaft. Durch die katalytische Teerzerstörung von Pyrolysegas bei
erhöhten Temperaturen erhält man ein weitgehend teerfreies Synthesegas.
Falls das äußere Rohr gasdurchlässig ist, kann dieses Gas durch Anlegen
einer entsprechenden Druckdifferenz in den Wirbelschichtreaktor strömen. Das
weitgehend teerfreie Synthesegas kann aber auch aus dem Ringraum zur weiteren Verwendung
abgezogen werden. In diesem Fall kann das äußere Rohr gasdicht sein. (d)
Die mindestens teilweise Oxidation des Gases mit Sauerstoff kann auch außerhalb
der Struktur erfolgen. Im einfachsten Fall heizt dieses Gas dann die äußere
Struktur auf, die die Wärme an die Wirbelschicht des Wirbelschichtreaktors
abgibt. Die mindestens teilweise Oxidation kann außerhalb des Wirbelschichtreaktors
erfolgen oder unmittelbar unterhalb der Rohre. Auch in diesen Fällen kann ein
gasdurchlässiges Innenrohr vorteilhaft sein, weil damit die Temperaturunterschiede
in axialer Richtung verkleinert werden können. Falls als Gas ein teerhaltiges
Pyrolysegas verwendet wird, ist es vorteilhaft, mindestens das Innenrohr mit einem
Katalysator auszurüsten. Der besondere Vorteil der nach außen verlagerten
Oxidation liegt darin, dass das gesamte teiloxidierte Pyrolysegas
durch mindestens eine katalytisch aktive Struktur strömen muss und damit der
Teergehalt deutlicher reduziert werden kann als bei der Passage nach Fall (c). Falls
das Gas durch Anlegen einer entsprechenden Druckdifferenz durch das gasdurchlässige
äußere Rohr in den Wirbelschichtreaktor strömen soll, kann auch dieses
Rohr mit einem Katalysator ausgerüstet sein. Es ist indes nicht zwingend, den
katalytischen Prozess in das Innere der Struktur zu verlagern. Dieser Prozess kann
auch in einem Apparat außerhalb des Wirbelschichtreaktors erfolgen.
Eine Vorstufe zur Erzeugung von Pyrolysegas ist in DE
198 07 988 A1 beschrieben. Auch die Patentanmeldungen DE
10 2008 014799.8 und DE 10 2008 032
166.4 nutzen Vorstufen in denen teerhaltiges Pyrolysegas erzeugt wird.
Wenn Gas aus einem vorgelagerten Prozess, wie bei einer Pyrolyse,
verwendet wird, fehlt mindestens ein Teil dieses Gases als Wirbelgas für den
nachfolgenden Wirbelschichtreaktor. In diesem Fall ist möglicherweise ein Umlaufgebläse
erforderlich, das Synthesegas vom Ausgang des Wirbelschichtreaktors an den Eingang
zurückführt.
Soll Pyrolysegas zur Aufheizung der Struktur verwendet werden, so
empfiehlt es sich, dieses Gas vorher zu entstauben und gegebenenfalls von Katalysatorgiften,
wie Schwefel, zu befreien. Eine Heißgasentschwefelung ist im Allgemeinen ausreichend
und an sich bekannt. Zwar lässt sich Staub von den Rohren, wie bei Filterkerzen
üblich, durch einen Druckstoß ablösen, doch kann das bei niedrigschmelzenden
Aschen wegen der zusätzlichen Temperaturerhöhung zu Problem führen.
Soll das eingeführte Gas mit technisch reinem Sauerstoff total
oxidiert werden, so geht das möglicherweise nur mit einem Umlaufgebläse,
weil sonst die hohen Temperaturen die Struktur zu stark belasten würde.
Der Erzeugung von Synthesegas folgt häufig ein weiterer Prozess
zur Verarbeitung dieses Gases zu gasförmigen oder flüssigen Stoffen wie
beispielsweise Wasserstoff, Methan, Methanol oder Treibstoffen. Bei der Umsetzung
und Reinigung dieser Produkte fallen häufig brennbare Gase und Dämpfe
an, die für die Aufheizung der Struktur im Wirbelschichtreaktor verwendbar
sind. Das können auch Fraktionen mit hohem Wasserstoffanteil sein, aus denen
durch Totaloxidation Wasserdampf entsteht, der für den Gesamtprozess sehr nützlich
sein kann. Wasserdampf ist beispielsweise als Wirbelgas für den hier beschriebenen
Wirbelschichtreaktor, für die homogene Wasserdampfreaktion (Shift) oder bei
der Methanisierung gut verwendbar.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung sowie das erfindungsgemäße
Verfahren sind für eine druckaufgeladene Prozessführung und ebenso für
einen drucklosen Prozess geeignet. Reiner Sauerstoff wird für größere
druckaufgeladene Anlagen bevorzugt eingesetzt, bei kleinen drucklosen Anlagen kann
Luft vorteilhafter sein.
Der Vorteil der Erfindung liegt darin, dass die Kokspartikel nicht
direkt mit Sauerstoff in Kontakt kommen. Während heißer Koks bei Kontakt
mit Sauerstoff nach dem Stand der Technik eine sehr starke Temperaturerhöhung
erfährt, wird bei dem erfindungsgemäßen Verfahren der Kontakt mit
Sauerstoff vermieden bzw. reduziert. Die Wärme wird vielmehr durch Strahlung,
Konvektion und Wärmeleitung an die Kokspartikel übertragen. Wegen der
endothermen Reaktion sind die Kokspartikel vorzugsweise stets kälter als die
Struktur oder ein benachbartes Sandpartikel. Die Übertemperatur lässt
sich zudem durch die Größe der Strukturoberfläche zwischen 20°C
und 300°C steuern. Die Erfindung ist daher auch für Biomassen mit niedrigem
Ascheschmelzpunkt geeignet. Das trifft auf eine Vielzahl von ertragreichen halmgutartigen
Biomassen zu. Ein weiter Vorteil der Erfindung ist darin zu sehen, dass der Prozess
trotz Nutzung von Sauerstoff allotherm gefahren werden kann. Das erhöht die
Produktqualität des Synthesegases. Die Erfindung ermöglicht auch eine
thermisch katalytische Reduzierung des Teergehaltes.
Beispiele
Nachstehend wird die Erfindung anhand der Ausführungsbeispiele
darstellenden 1 bis 13
näher erläutert.
1 zeigt einen Wirbelschichtreaktor mit
stationärer Wirbelschicht, bei dem Sauerstoff durch Rohre mit poröser
Wand eingeleitet wird.
2 zeigt einen Längsschnitt des porösen
Rohres aus 1.
3 zeigt einen Querschnitt des porösen
Rohres aus 1.
4 zeigt einen Wirbelschichtreaktor mit
zirkulierender Wirbelschicht bei dem Sauerstoff durch Rohre mit poröser Wand
eingeleitet wird.
5 zeigt einen Wirbelschichtreaktor mit
außen liegender Oxidation.
6 zeigt einen Wirbelschichtreaktor mit
zwei konzentrisch angeordneten gasdurchlässigen Rohren.
7 zeigt einen Längsschnitt
der gasdurchlässigen Rohre aus 6.
8 zeigt einen Querschnitt der gasdurchlässigen
Rohre aus 6.
9 zeigt einen Querschnitt der gasdurchlässigen
Rohre aus 6 mit Wärmeschild.
10 zeigt einen kaskadierten Wirbelschichtreaktor
mit zwei konzentrisch angeordneten Rohren, wobei nur das Innenrohr gasdurchlässig
ist.
11 zeigt einen Längsschnitt der
Rohre aus 10.
12 zeigt einen Querschnitt der Rohre
aus 10.
13 zeigt einen Wirbelschichtreaktor,
bei dem die Oxidation eines Gases auf der Innenseite eines porösen Rohres geschieht.
1 zeigt einen Wirbelschichtreaktor
9a mit einer stationären Wirbelschicht 10 zwischen dem Düsenboden
12 und dem oberen Ende 16. Um die Zerkleinerung der Biomasse zu
unterstützen, kann das Wirbelbett Sand enthalten. Die Wirbelschicht wird durch
ein Wirbelgas 13, beispielsweise Wasserdampf oder Pyrolysegas, fluidisiert.
Biomasse 14 wird dem Wirbelschichtreaktor über ein Förderorgan
zugeführt. Das Synthesegas 15 passiert den Raum über der Wirbelschicht
11 (Freeboard) und verlässt den Wirbelschichtreaktor 9a am
Kopfende. In der Wirbelschicht befindet sich eine Vielzahl von porösen Rohren
1a, denen Sauerstoff 6 über Leitungen 5 zugeführt
wird. Der Sauerstoff 6 strömt durch die porösen Rohre
1a in die Wirbelschicht 10.
In die äußere Schicht der porösen Rohre 1a
dringt das brennbare Gas aus der Wirbelschicht 10 durch Diffusion und Konvektion
ein und wird durch den Sauerstoff 6 oxidiert. Dadurch wird das Rohr
1a aufgeheizt und gibt seine Wärme durch Wärmeübertragung
an die Wirbelschicht 10 ab. Die Kokspartikel im Wirbelbett werden überwiegend
indirekt durch Wärmeleitung von Sand und Gas aufgeheizt. Da die Vergasung von
Koks endotherm ist, sind die Kokspartikel die kältesten Partikel im Wirbelbett
10. Porosität und Porengröße der Rohre 1a werden
zweckmäßigerweise so gewählt, dass der Druckverlust des Sauerstoffs
deutlich größer ist als die Druckdifferenz am oberen und unteren Ende
der Wirbelschicht 10. Damit wird eine annähernd gleichmäßige
Beheizung erreicht.
4 zeigt einen Wirbelschichtreaktor
9b mit zirkulierender Wirbelschicht. Bei diesem Typ ist die Gasgeschwindigkeit
so hoch, dass sich keine stationäre Wirbelschicht einstellt. Das Bettmaterial
wird über einen Zyklon 27 und einen mit Siphongas 8 betriebenen
Siphon in an sich bekannter Weise ständig umgewälzt. Die porösen
Rohre 1a können daher fast den gesamten Reaktionsraum ausfüllen.
Der Düsenboden 12 besteht aus einen durch die Platten 17
und 18 gebildeten Doppelboden. Dieser Doppelboden wird zur Verteilung des
Sauerstoffs 6 genutzt. Erfahrungsgemäß ist die Wärmeübertragung
an den Rohren 1a in den ersten Zentimetern am Düsenboden nicht so
hoch wie im Mittelteil des Wirbelschichtreaktors 9b. Deshalb ist es zweckmäßig,
das Rohr 1a im unteren Bereich nicht zu beheizen. Das kann durch Einstecken
oder Ummanteln des Rohres 1a mit einem kurzen dichten Rohr 4 geschehen.
Bedingt durch den Doppelboden wird das Wirbelgas 13 durch eine Vielzahl
von Rohrdüsen 20 geleitet, die durch den von den Platten
17 und 18 gebildeten Doppelboden hindurchgehen. Die Rücklaufsperre
21 wird hier durch eine Platte angedeutet.
5 zeigt einen Wirbelschichtreaktor
9a mit stationärer Wirbelschicht 10, bei der ein beliebiges
Gas 7 aus dem Gesamtprozess außerhalb des Wirbelschichtreaktors in
einer besonderen Apparatur 22 zumindest teilweise mit Sauerstoff
6 oxidiert wird. Das erhitzte und teiloxidierte Gas strömt durch einen
Doppelboden, wie in 4 beschrieben, durch eine Vielzahl
von porösen Rohren 1a in die Wirbelschicht 10. Wenn die Anzahl
der Rohre 1a groß ist, wird die Wärme überwiegend durch
Strahlung, Wärmeleitung und Konvektion auf die Wirbelschicht übertragen.
Bei geringer Anzahl der Rohre 1a wird die Wärme durch das teiloxidierte
Gas selbst übertragen. In beiden Fällen kommen die Kokspartikel nicht
mit Sauerstoff in Berührung. Diese Konstruktion ist besonders für teerhaltiges
Pyrolysegas geeignet, welches vorzugsweise entstaubt sein sollte. Die erhöhte
Temperatur des teiloxidierten Pyrolysegases kann man zur katalytischen Zerstörung
von Teeren nutzen. Das kann geschehen, indem man die Rohre 1a mit einem
Katalysator ausrüstet oder einen katalytischen Reaktor außerhalb des Wirbelschichtreaktors
anordnet. Bei starker Überhitzung des Gases durch Teiloxidation oder katalytische
Reaktionen sollte vorzugsweise durch eine Vielzahl von Rohren 1a dafür
gesorgt werden, dass die Übertemperatur der Rohre 1a nicht so groß
wird, dass die Asche in der Wirbelschicht 10 aufschmilzt.
6 zeigt einen Wirbelschichtreaktor
9a mit stationärer Wirbelschicht 10, bei dem in den Rohren
1a ein weiteres poröses Rohr 2a konzentrisch angeordnet ist.
Diese Konstruktion ermöglicht eine stärkere Überhitzung des brennbaren
Gases 7, weil die Oxidation oder Teiloxidation mit Sauerstoff
6 am Innenrohr 2a erfolgt, das die Wärme überwiegend
als Strahlung an das Außenrohr 1a abgibt. Die Temperaturerhöhung
kann man verstärken, wenn im Ringraum noch ein zusätzliches gasdurchlässiges
Rohr 3 angeordnet wird. Das Rohr 3 kann beispielsweise aus
einem gerollten Blech gebildet sein, bei dem die Öffnungen so gestanzt wurden,
dass Blechfahnen als Stromstörer am Blech verbleiben. Diese Konstruktion eignet
sich besonders für die thermisch katalytische Zerstörung von Teeren. Vorzugsweise
sollte mindestens das Innenrohr 2a eine katalytisch wirksame Schicht aufweisen.
In diesem Fall sollte das Schutzrohr 4 vorzugsweise länger sein, weil
den Teermolekülen die Gelegenheit gegeben werden sollte, mit dem heißen
Innenrohr 2a Kontakt zu haben. Anstelle eines Bleches kann das Wärmeschutzschild
3 in diesem Fall auch als poröses Rohr mit katalytisch wirksamer Schicht
zur Teerzerstörung ausgebildet werden.
Wie 6 bis 9
zeigen, wird das oxidierte oder teiloxidierte Gas 7 in die Wirbelschicht
10 entlassen. Die Zufuhr des Gases 7 und des Sauerstoffs
6 geschieht hier über einen Düsenboden 12, der zwei
Kammern besitzt, die aus den Platten 17, 18 und 19 gebildet
werden.
10 zeigt einen kaskadierten Wirbelschichtreaktor
9c mit einer stationären Wirbelschicht 10, der ein inertes
Bettmaterial, wie Sand, enthält und zwei weitere Wirbelschichten
23, die nur aus Kokswolken bestehen, die aus der Wirbelschicht
10 emporgestiegen sind. Wie bei 6 wird die
Struktur aus einer Vielzahl von Rohren 1b gebildet, die jeweils ein zusätzliches
konzentrisch angeordnetes Innenrohr 2a oder 2b aufweisen. Das
brennbare Gas 7 wird in den Ringraum eingeführt, der von den beiden
Rohren gebildet wird. Der Sauerstoff 6 wird dem Innenrohr 2a zugeführt.
Im Bereich der sandhaltigen Wirbelschicht 10 besteht das Innenrohr
2a aus einem porösen Rohr 2a und im oberen Bereich aus einem
perforierten Rohr 2b oder einem Rohr 2b mit höherem Stömungswiderstand,
das weniger Sauerstoff 6 hindurchlässt als das poröse Rohr in
der Wirbelschicht 10. Das ist zweckmäßig, weil die Wärmeübertragung
in der Wirbelschicht 10 deutlich höher ist als in den Gaswolken-Wirbelschichten
11 und 23. Das Rohr 1b ist gasundurchlässig. Das
oxidierte oder teiloxidierte Gas 24 muss daher in den Raum 26
entlassen werden, der durch den Zwischenboden 25 gebildet wird. Es gelangt
von dort zur weiteren Verwendung in den Gesamtprozess.
13 zeigt einen Wirbelschichtreaktor
9a mit einer Vielzahl von porösen Rohren 1a im Bereich der
Wirbelschicht 10, die im Raum über der Wirbelschicht in ein gasdichtes
Rohr 1b übergehen. In jedem Rohr 1a ist ein weiteres poröses
Rohr 2a konzentrisch angeordnet, das Sauerstoff 6 in den Ringraum
einströmen lässt. Der Sauerstoff 6 strömt durch den Doppelboden,
gebildet aus den Platten 17 und 18, in die Rohre 2a.
Das brennbare Gas 7 wird in diesem Fall durch Anlegen eines Unterdrucks
der Wirbelschicht 10 entnommen. Das oxidierte oder teiloxidierte Gas
24 gelangt zur weiteren Verwendung in den Gesamtprozess. Der Prozess lässt
sich als allothermes Vergasungsverfahren einstufen, weil das Synthesegas nicht mit
dem gebildeten Kohlendioxid belastet ist. Der oxidierte Wasserstoff und das oxidierte
Kohlenmonoxid werden in der Wirbelschicht immer wieder neu gebildet, weil es sich
um eine Gleichgewichtsreaktion handelt.
Bezugszeichenliste
- 1a
- Beheizbares poröses oder perforiertes Rohr
- 1b
- Beheizbares Rohr
- 2a
- Poröses Innenrohr
- 2b
- Perforiertes Innenrohr
- 3
- Wärmeschutzschild
- 4
- Schutzrohr zur Abdichtung des Einlaufbereichs
- 5
- Rohrzuführung
- 6
- Sauerstoff
- 7
- Brennbares Gas
- 8
- Siphongas
- 9a
- Wirbelschichtreaktor mit stationärer Wirbelschicht
- 9b
- Wirbelschichtreaktor mit zirkulierender Wirbelschicht
- 9c
- Mehrstufiger Wirbelschichtreaktor
- 10
- Stationäre Wirbelschicht
- 11
- Raum über der Wirbelschicht (Freeboard)
- 12
- Düsenboden
- 13
- Wirbelgas
- 14
- Biomasse oder Koks (Restkoks)
- 15
- Synthesegas oder Produktgas
- 16
- Obere Grenze der stationären Wirbelschicht
- 17
- Obere Platte des Düsenbodens
- 18
- Untere Platte des Düsenbodens
- 19
- Mittelplatte des Düsenbodens
- 20
- Düse im Düsenboden
- 21
- Rücklaufsperre über der Düse
- 22
- Brenner
- 23
- Wirbelstufen für Koks
- 24
- Gas zur weiteren Verwendung im Gesamtprozess
- 25
- Zwischenboden
- 26
- Gas-Sammelraum
- 27
- Zyklon
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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erzeugt und ist ausschließlich zur besseren Information des Lesers aufgenommen.
Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung.
Das DPMA übernimmt keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
Zitierte Patentliteratur
- DE 10242594 A1 [0003]
- DE 19807988 A1 [0013]
- DE 102008014799 [0013]
- DE 102008032166 [0013]
Zitierte Nicht-Patentliteratur
- R. Rauch, H. Hofbauer; Holzenergiesymposium 18th October 2002, ETH Zürich,
Switzerland [0003]