C12N 9/99 (2006.01) A, L, I, 20070307, B, H, DE
A61K 31/137 (2006.01) A, L, I, 20070307, B, H, DE
IPC additional class
A61P 3/10 (2006.01) A, L, N, 20070307, B, H, DE
A61P 25/28 (2006.01) A, L, N, 20070307, B, H, DE
A61P 25/06 (2006.01) A, L, N, 20070307, B, H, DE
A61P 11/06 (2006.01) A, L, N, 20070307, B, H, DE
A61P 19/02 (2006.01) A, L, N, 20070307, B, H, DE
Beschreibung[de]
Die Erfindung betrifft die Verwendung basische Acetophenone zur Herstellung
von Arzneimitteln, die die enzymatische Aktivität der NO-Synthase hemmt.
NO-Synthasen (NOS) katalysieren die Umsetzung der Aminosäure
L-Arginin zu Stickstoffmonoxid (NO) und L-Citrullin. Aufgrund der Beteiligung einer
Überproduktion von Stickstoffmonoxid in zahlreichen pathophysiologischen Prozessen
(Stuehr, 1999, Biochim Biophys Acta, 1411, 217–230) wird die Entwicklung
von Hemmstoffen der NO-Synthasen als viel versprechende Strategie angesehen (Babu
und Griffith, 1998, Curr Opin Chem Biol, 2, 491–500). Eine verstärkende
Wirkung auf das Krankheitsgeschehen von übermäßig produziertem Stickstoffmonoxid
besteht beispielsweise bei der Alzheimerkrankheit (Dorheim et al., 1994, Biochem
Biophys Res Commun, 205, 659–665), Diabetes mellitus (Li und Förstermann,
2000, J Pathol, 190, 244–254), der Parkinsonkrankheit (Schulz et al., 1995,
J Neurochem, 64, 936–939), multipler Sklerose (Reales et al., 1999, Biochim
Biophys Acta, 1410, 215–228), rheumatoider Arthritis (Stefanovic-Racic et
al., 1993, Arthritis Rheum, 36, 1036–1046), dem septischen Schock (Crossin,
1991, Trends Biochem Sci, 1991, 16, 81–82), Asthma bronchiale (Ligget et
al., 1995, Am J Respir Crit Care Med, 152, 394–402), chronisch-entzündlichen
Darmerkrankungen (Boughton-Smith et al., 1993, Lancet, 342, 338–340), und
der Migräne (Olesen et al., 1994, Trends Pharmacol Sci, 15, 149–153).
Vor diesem Hintergrund wurden in den letzten Jahren zahlreiche Hemmstoffe entwickelt,
die sich z. T. auch in Tiermodellen für die erwähnten Krankheiten als
wirksam erwiesen haben. Besonders viel versprechend ist die pharmakologische Blockade
von NO-Synthasen bei solchen Schmerzgeschehen, die eine Entzundungskomponente beinhalten.
Hier wirken im Tiermodell NOS-Inhibitoren sowohl auf der Nociceptorebene als auch
auf der Weiterleitungsebene (Stegmann et al., 2001, Anasthesiol Intensivmed Notfallmed
Schmerzther, 36, 276–281). Leider konnte bislang keiner dieser Hemmstoffe
zum Arzneistoff weiterentwickelt werden (Roman et al., 2002, Chem Rev, 102, 1179–1189).
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, Verbindungen bereitzustellen,
die als Hemmstoffe für NO-Synthasen wirken und sich als pharmazeutische Wirkstoffe
in Arzneimitteln eignen.
Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch die
die Merkmale des Anspruchs 1. Die Unteransprüche geben vorteilhafte Ausgestaltungen
der Erfindung an.
Als ein charakteristisches Beispiel für eine der erfindungsgemäß
verwendeten Substanzen, die inhibierend auf die NO-Synthase wirkt, ist 4'-(4-Bromphenyl)-3-dimethylaminopropiophenonhydrochlorid
zu nennen:
In einem in vitro Testsystem, bei dem L-Arginin in Anwesenheit von
NO-Synthase zu L-Citrullin und Stickstoffmonoxid umgesetzt wird (Griess-Assay),
bewirkt 4'-(4-Bromphenyl)-3-dimethylaminopropiophenonhydrochlorid eine konzentrationsabhängige
Hemmung der im Zentralnervensystem vorkommenden bNOS von bis zu 88%. Die Verbindung
ist zwar literaturbekannt (Niwa, H., 1957, Tohoku Yakka Daigaku Kiyo, 4, 69–78),
eine NOS-inhibierende Wirkung ist bisher jedoch nicht beschrieben worden.
Als ein weiteres Beispiel für eine der erfindungsgemäß
verwendeten Substanzen ist die Verbindung 4'-(4-Bromphenyl)-4-dimethylaminobutyrophenonhydrochlorid
zu nennen. Diese Substanz ist nicht literaturbekannt und bewirkt eine ebenfalls
konzentrationsabhängige Hemmung der bNOS von bis zu 99%.
Die erfindungsgemäß verwendeten basischen Acetophenone stellen
somit hochwirksame niedermolekulare Hemmstoffe von NO-Synthasen dar. Sie sind leicht
und kostengünstig über Standardmethoden und in hoher Reinheit zu synthetisieren.
Überraschenderweise hat sich herausgestellt, dass die erfindungsgemäß
verwendeten Substanzen eine Selektivität für die im Zentralnervensystem
vorkommende bNOS aufweisen, die mit neuronalen Krankheiten wie Alzheimerkrankheit,
Parkinsonkrankheit, multipler Sklerose und Migräne in Verbindung gebracht wird.
In diesem Zusammenhang ist es von besonderer Bedeutung, dass die erfindungsgemäß
verwendeten Hemmstoffe, aliphatische Amine mit lipophilem Rest, nach oraler Aufnahme
und Resorption über das Darmepithel dazu in der Lage sind, die Blut-Hirn-Schranke
zu überwinden.
Die konzentrationsabhängige Wirksamkeit der erfindungsgemäß
verwendeten Substanzen wird in den vorliegenden Abbildungen genauer dargestellt.
Es zeigt dabei
1 die Aktivität der bNOS in Abhängigkeit
von der Konzentration an 4'-(4 Bromphenyl)-3-dimethylaminopropiophenonhydrochlorid
2 die Aktivität der bNOS in Abhängigkeit
von der Konzentration an 4'-(4-Bromphenyl)-4-dimethylaminobutyrophenonhydrochlorid
Sowohl in 1 als auch in 2
wird die Aktivität der bNOS anhand der Nitritentstehung gemessen. Nitrit ist
das Endprodukt von Stickstoffmonoxid in sauerstoffhaltiger wässriger Lösung.
Kontrollinkubationen mit sämtlichen Cofaktoren, jedoch ohne Hemmstoffzusatz,
wurden auf 100% festgelegt. Die Werte sind als Mittelwerte +/– Standardabweichung
von drei Inkubationen angegeben, die jeweils doppelt vermessen wurden.
Die Synthese der erfindungsgemäß verwendeten NO-Syntase-Hemmstoffe
und die Durchführung der z. T. in 1 und
2 dargestellten in vitro Tests zu deren Wirksamkeit
werden im Folgenden näher erläutert.
Sämtliche erfindungsgemäß verwendeten Substanzen können
nach gängigen Methoden hergestellt werden. Die Verbindungen mit der Kettenlänge
n = 2 können durch Umsetzung teils substituierter Acetophenone mit Dimethylammoniumchlorid
und Paraformaldehyd im Sinne einer Mannich-Reaktion erhalten werden. Die Acetophenonkomponenten
wurden, soweit nicht kommerziell erhältlich, durch Friedel-Crafts-Acylierungen
gewonnen. Die Reaktion ist im Folgenden beispielhaft für die Verbindung 4'-(4-Bromphenyl)-3-dimethylaminopropiophenonhydrochlorid
dargestellt:
Verbindungen mit der Kettlänge n = 3 wurden durch Reaktion von
substituierten 4-Chlorbutyrophenonderivaten mit Dimethylamin im Sinne einer nucleophilen
Substitution erhalten. Diese Reaktion ist im Folgenden beispielhaft für die
Verbindung 4'-(4-Bromphenyl)-4-dimethylaminobutyrophenonhydrochlorid angegeben:
Die angegebene freie Base wurde anschließend als Hydrochlorid
gefällt. Die Butyrophenonkomponenten wurden, soweit nicht kommerziell erhältlich,
ebenfalls durch Friedel-Crafts-Acylierungen gewonnen.
Die Schmelzpunkte der synthetisierten Substanzen wurden an Schmelzpunktapparatur
Büchi 510 Gerät mit Mikroheiztisch Thermovar (Firma Reichert) aufgenommen.
NMR-Spektren wurden an einem Kernresonanzspektrometer Broker ARX 300 aufgenommen.
Die Aufnahmen von IR-Spektren (als KBr-Presslinge) erfolgten an einem Perkin-Elmer
FT-IR 16 PC Spectrometer. Massenspektren wurden an einem Gerät vom Typ Hewlett-Packard
5989 aufgenommen. Elementaranalysen wurden am Institut für Anorganische Chemie
der CAU zu Kiel mittels eines CHNS-Analysators der Firma Hekatech GmbH bestimmt.
Soweit nicht anders angegeben wurden die Chemikalien in höchster Reinheit bei
der Firma Sigma-Aldrich GmbH bezogen. (6R)-5,6,7,8-Tetrahydro-L-biopterin sowie
die NO-Synthasen (bNOS, iNOS, eNOS) wurden bezogen von der Firma Axxora GmbH. Von
der Firma Merck KGaA stammten Calciumchlorid Hexahydrat, Dimethylsulfoxid, Ethylendiamintetraessigsäure,
Naphthylethylendiamindihydrochlorid sowie Nicotinamidadenindinucleotid-Tetranatriumsalz
(reduzierte Form). Magnesiumchlorid Hexahydrat sowie L-Arginin wurde bei der Firma
Fluka Chemie GmbH bezogen. Acetonitril stammte von der Firma LGC Promochem GmbH.
Calmodulin (gereinigt, aus Schweinehirn) stammte von der Firma Roche Diagnostics
GmbH. Die Vermessungen erfolgten an einem Spektralphotometer Varian Cary 50 Bio
mit Water Peltier System PCB 150 und Einmalküvetten mikro, Zentrumshöhe
15 mm, Volumen 70–550 &mgr;l (Firma Varian GmbH).
Die Inkubationen der synthetisierten Substanzen mit den jeweiligen
NO-Synthasen wurden wie folgt durchgeführt:
die Standard-Inkubationsansätze hatten folgende Zusammensetzung:
– 60 &mgr;l einer Lösung aus dem Enzym (es handelte sich stets
um rekombinante humane Isoenzyme), dem Substrat sowie den Cofaktoren
– 10 &mgr;l des jeweiligen Inkubationspuffers
– 10 &mgr;l einer zuvor in achtfacher Konzentration hergestellten Lösung
der potenziellen Hemmstoffe, wobei ein Anlösen unter Verwendung von 10% Dimethylsulfoxid
erfolgte; bei Kontrollansätzen wurden statt der Hemmstoff-Lösung weitere
10 &mgr;l Puffer pipettiert.
Die Ansätze wurden nach Herstellung für 20 min (iNOS und
eNOS) bzw. für 30 min (bNOS) im Schüttelwasserbad bei 37°C inkubiert.
Anschließend wurden jeweils 20 &mgr;l einer Lösung zupipettiert, die
Natriumpyruvat (1,6 mM, im jeweiligen Inkubationspuffer) und Lactatdehydrogenase
(20 U/ml, im jeweiligen Inkubationspuffer) enthielt. Nach einer weiteren Inkubation
für 20 min im Schüttelwasserbad bei 37°C wurden die Inkubationen
durch Zugabe von je 50 &mgr;l eiskalten Acetonitrils abgestoppt. Dann wurden etwaige
Niederschläge abzentrifugiert (ungekühlte Laborzentrifuge, 10.000 rpm,
5 min). Jeweils 120 &mgr;l der Überstände wurden mit 24 &mgr;l einer
Lösung aus Sulfanilamid und Naphthylethylendiamindihydrochlorid versetzt. Nach
5 min Inkubation bei Raumtemperatur wurden die Lösungen bei der Wellenlänge
543 nm vermessen, wobei als Blindwert die erwähnte nicht-enzymhaltige Probe
verwendet wurde. Beim Griess-Assay wird ausgenutzt, dass Stickstoffmonoxid sich
in wässrigen Lösungen äquimolar zu Nitrit umsetzt (Ignarro et al.,
1993, Proc Natl Acad Sei USA, 90, 8103–8107). Das Nitrit kann quantitativ
durch Reaktion mit Sulfanilamid und Naphthylethylendiamin in saurem Milieu bestimmt
werden. Es entsteht ein Azofarbstoff, der spektralphotometrisch vermessen werden
kann. Die Lösung enthielt Naphthylethylendiamindihydrochlorid 5,8 mM und Sulfanilamid
52 mM. Als Lösungsmittel wurde 1N HCl verwendet. Unter Bezugnahme auf die Kontroll-Ansätze,
die keine Hemmstoffe enthielten, wurden die relativen Nitritbildungen ermittelt.
Eine Übersicht über sämtliche in den Standard-Inkubationsansätzen
verwendeten Zusätze und Konzentrationen von Substrat und Cofaktoren liefert
die unten stehende Tabelle, als Lösungsmittel wurden die jeweiligen Inkubationspuffer
verwendet. Im Falle des Tetrahydrobiopterins wurde aus Stabilitätsgründen
0,1 mM HCl benutzt:
InkubationszusatzEndkonzentrationLagerungL-Arginin (bNOS)0,5 mM4°CL-Arginin (iNOS und eNOS)1 mM4°CTetrahydrobiopterin10 &mgr;M–20°CCaCl2 (bNOS und eNOS)0,5 mM4°CCalmodulin (bNOS und eNOS)10 &mgr;g/ml–20°CFlavinadenindinucleotid, reduzierte Form5 &mgr;M–20°CFlavinmononucleotid, reduzierte Form5 &mgr;M–20°CMgCl2 (iNOS)1 mM4°CNicotinamiddinucleotid, reduzierte Form0,5 mM–20°C
Puffer A (Inkubationen mit bNOS):
Der für bNOS-Inkubationen verwendete Puffer hatte folgende Zusammensetzung:
Triethanolamin 50 mM, 2-Mercaptoethanol 10 mM, 3-[(3-Cholamidopropyl)dimethylammonio]propansulfat
1 mM, Ethylendiamintetraessigsäure 0,5 mM. Nach Herstellung wurde der pH-Wert
auf 7,0 eingestellt.
Puffer B (Inkubationen mit iNOS und eNOS):
Puffer B bestand aus einer 50 mM und auf pH = 7,5 eingestellten Triethanolamin-Lösung.
Anspruch[de]
Verwendung einer Verbindung der Formel
oder einer Verbindung der Formel
zur Herstellung eines Arzneimittels, das die enzymatische Aktivität der NO-Synthase
hemmt,
wobei R4 und R5 jeweils eine Methylgruppe und n gleich 2 oder
3 ist.Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Stoff 4'-(4-Bromphenyl)-3-dimethylaminopropiophenonhydrochlorid
mit der Strukturformel (II)
ist.Verwendung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Stoff 4'-(4-Bromphenyl)-4-dimethylaminobutyrophenonhydrochlorid
mit der Strukturformel (III)
ist.Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass der Stoff die enzymatische Aktivität der bNOS hemmt.Verwendung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet,
dass das Arzneimittel ein Arzneimittel zur Behandlung von Alzheimer, Diabetes mellitus,
Parkinson, multipler Sklerose, rheumatoider Arthritis, septischem Schock, Asthma
bronchiale, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Migräne ist.